Gedankensprung: Die Sprache der Entenhausen Comics

Den folgenden Beitrag könnt ihr auch auf Spotify in der neuesten (sechsten) Folge des Entenhausen Podcast hören.

Die Sprache der Entenhausener Comics ist weit mehr als nur ein Mittel zum Erzählen, sie ist ein eigener Kosmos. Wer Donald, Dagobert, Daisy und Co. liest, taucht in eine Welt ein, in der Alltagsdeutsch, Wortwitz, Fantasiebegriffe und Dialektfärbungen zu einer unverwechselbaren Mischung verschmelzen.
Auffällig ist zunächst der spielerische Umgang mit Sprache. In Entenhausen gibt es keinen nüchternen Smalltalk, sondern ein Feuerwerk aus Schimpfkanonaden, Sprichwörtern und originellen Wortschöpfungen. Donald Duck etwa ist berühmt für seine temperamentvollen Ausrufe. Er schimpft kreativ, ohne wirklich beleidigend zu werden. Ein Markenzeichen, das in der deutschen Übersetzung maßgeblich durch die legendäre Übersetzerin Erika Fuchs geprägt wurde. Sie hat Donald und den anderen Figuren nicht nur eine Stimme, sondern eine ganze Sprachkultur gegeben.
Fuchs führte in den 1950er-Jahren einen Stil ein, der bis heute prägend ist. Sie mischte Hochsprache mit Ironie, dichterischem Pathos und gelegentlichen Zitaten aus Literatur, Bibel oder Philosophie. So wurde aus einem einfachen Comic eine sprachliche Wundertüte. Kinder lernten Vokabeln wie „Oheim“, „Sporen geben“ oder „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“, während Erwachsene sich über die Anspielungen auf Goethe oder Schiller amüsierten.
Typisch für die Entenhausener Sprache ist auch ihr Reichtum an lautmalerischen Ausdrücken und kreativen Eigennamen. Orte, Figuren und Gegenstände tragen sprechende Namen, die ihren Charakter sofort verraten: der Geizkragen Dagobert Duck, der Glückspilz Gustav Gans oder der genial-tüftelnde Daniel Düsentrieb. Auch Erfindungen oder Fantasieobjekte, vom Kolumbusfalter bis zur Schrumpfmaschine, klingen, als wären sie aus einem Wortlabor voller Humor und Klanggefühl entsprungen.
Besonders spannend ist die soziale Sprachebene. Während Dagobert sich oft in einer altertümlich-geschäftigen Sprache ausdrückt, spricht Donald salopper, emotionaler, manchmal fast jugendlich. Daisy dagegen formuliert gewählt, Gustav selbstverliebt, und die Neffen verwenden eine Mischung aus Pfadfinderjargon und cleverer Alltagssprache. So entsteht in jeder Geschichte ein kleines Sprachtheater mit klaren Rollen und Tönen.
Über die Jahre haben sich die sprachlichen Eigenheiten gewandelt, neue Übersetzer brachten modernere Ausdrücke ein, Jugendsprache und Anglizismen tauchten auf, ohne jedoch die klassische Fuchs-Tradition ganz zu verdrängen. Trotzdem bleibt die Sprache Entenhausens etwas Einzigartiges. Sie ist witzig, klug, oft poetisch und immer voller Rhythmus.
In gewisser Weise ist Entenhausen also nicht nur eine Stadt der bunten Figuren, sondern auch eine Stadt der Worte. Wer die Comics liest, betritt ein Sprachuniversum, das Generationen geprägt hat, einen Ort, an dem selbst ein Wutausbruch noch literarisch klingt und wo man mit einem kräftigen „Sapperlot!“ oder „Potztausend!“ den Alltag vergessen kann.
Wenn wir etwa das aktuelle Lustige Taschenbuch 603 „Das Gespenst von Klondike“ hernehmen, gibt es auch hier ein paar wunderbare Beispiele. Etwa sagt Dagobert Duck auf S. 13 zu einem fremden Wanderer beim Suppe essen: „Wenn er genug gesuppt hat, der Fremde, ist er auch hurtig wieder aus dem Haus.“
Oder Daniel Düsentrieb, der auf S. 41 eine musikalische Wellenflöte mit dem Namen „Doresol“ erfunden hat.
Oder Dieter, der auf S. 58 zu Prof. Quack sagt: „Ich habe die hochnotpeinliche Mathearbeit mit Bravour bestanden.“
Oder im Halloween Sonderband 11 sagt Donald auf S. 32 zum König der Albträume: „Brüll du nur deinen Frust heraus. So müde, wie ich bin, kann mich das nicht am Ratzen hindern.“
Lauter schöne Beispiele, die zeigen, dass die Tradition von Erika Fuchs auch heute noch fortgeführt wird und weiterhin den Wortschatz von belesenen Kindern erweitert.

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