Buch: Asterix, Band 37-41

Asterix ist einfach großartig!
Vor ein paar Monaten habe ich bei einem Gewinnspiel die Asterix-Bände 37-41 gewonnen und weil ich ja einen Blog betreibe, habe ich mir überlegt, dass das ja die perfekte Gelegenheit ist, darüber einen Beitrag zu schreiben.
Asterix ist die 1959 von Autor René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo geschaffene erfolgreichste französische Comicserie. Hauptfiguren sind der Titelheld Asterix, sein Freund Obelix und weitere Bewohner eines kleinen Dorfes in Aremorica im Gallien der Zeit um 50 v. Chr. Dank eines Zaubertranks sind sie unbesiegbar, prügeln sich Band für Band auf witzige Weise durch Horden von Römern und erleben witzige Abenteuer im antiken Europa.
Gemeinsam haben Goscinny und Uderzo 24 Bände erschaffen, welche bei Fans natürlich weiterhin als die besten der gesamten Reihe angesehen werden. Nach Goscinnys Tod 1977 wurde Uderzo von Dargaud per Gerichtsbeschluss dazu gezwungen, das angefangene Album Asterix bei den Belgiern fertigzustellen. Nach Abschluss dieser Geschichte gründete er seinen eigenen Verlag, Les Éditions Albert René, und führte die Comicreihe allein weiter, nun zusätzlich als Autor.
Uderzo schuf alleine im Eigenverlag von 1980 bis 2009 die Bände 25-34, wobei er stets wert darauf legte, dass Goscinny in jedem Band weiterhin gewürdigt wurde.
Jahrelang bestand Uderzo darauf, dass nach seinem Rückzug keine weiteren Asterix-Abenteuer mehr veröffentlicht werden dürften, hatte dann aber doch noch einen Sinneswandel. Am 12. Dezember 2008 verkaufte er seine Anteile von Les Éditions Albert René an Hachette Livre, ebenso Goscinnys Tochter Anne ihre. Bedingung dafür war, dass die Serie auch ohne ihn weitergeführt werden könne.
Band 35, Asterix bei den Pikten, war der erste Band, der komplett von neuen Künstlern geschaffen wurde. Jean-Yves Ferri als Autor und Didier Conrad als Zeichner arbeiteten dann mehrere Jahre gemeinsam und veröffentlichten die Bände 35-39. Nachdem Jean-Yves Ferri sich dann anderen Projekten widmen wollte, übernahm Fabcaro ab Band 40 die Funktion des Autors.
Die zeichnerische Qualität in sämtlichen Bänden gilt als unverändert hoch, egal ab von Uderzo oder Conrad. Viele Fans vermissen jedoch den Humor und das erzählerische Können Goscinnys und es wird oft kritisiert, dass weder Uderzo, noch Ferri oder aktuell Fabcaro dieses Niveau erreicht. Vielleicht spielt da aber auch viel Nostalgie von alteingesessenen Fans der ersten Stunde mit. Unabhängig davon stellt nach wie vor jeder neue Asterix-Band einen neuen Auflagenrekord auf.
Ich selbst habe in meiner Jugend bis zum Band 29 Asterix und Maestria sämtliche Bände gelesen und bin dann ausgestiegen. Nicht, weil mir die Reihe nicht gefallen hätte, sondern weil sich meine Prioritäten verschoben haben und ich die neuen Bände dann immer aufgeschoben, aber letztendlich doch nicht gelesen habe. Und außerdem habe ich auch immer wieder gehört, dass „der neue Asterix nicht so gut“ sei, weshalb mein Interesse auch nicht wirklich geweckt wurde. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass mir als Kind ein Qualitätsunterschied von Band 24 auf 25 aufgefallen wäre. Mir haben alle gefallen.
An der Universität dann gab es Lehrveranstaltungen zum Thema Antikenrezeption und die Dozenten haben da immer auf die ersten 24 Asterix-Bände zurückgegriffen und die Ausgaben ab Band 25 wurden ignoriert. Ein weiteres Detail, das dazu führte, dass ich die Finger von den neuen Bänden ließ.
Aber das hat sich jetzt geändert! Wenn ich schon fünf Asterix-Bände gewinne, will ich sie auch lesen und weil ich einen Blog habe, will ich auch darüber schreiben.
Band 37, Asterix in Italien (geschrieben von Jean-Yves Ferri und gezeichnet von Didier Conrad): Asterix und Obelix begeben sich in die Höhle des Löwen, denn Cäsar hat zu einem Wagenrennen quer durch Italien aufgerufen! Natürlich verlangt er hinterrücks nach dem Sieg eines römischen Teilnehmers, doch zu seinem Ungemach nehmen auch Gallier an dem Rennen teil.
Nach einer jahrelangen Abstinenz mal wieder einen Asterix-Comic zu lesen war wunderbar und es hat nichts von dem Charme verloren, der mich bereits als Kind begeistert hat. Das Highlight dieses Bandes ist nicht nur die Fahrt durch Italien, voll mit liebevollen Details, sondern vor allem die Interaktion mit den anderen Teilnehmern des Wagenrennens. Diese kommen nämlich aus allen Ecken und Winkeln des Römischen Reiches und sprechen daher in ihrem ganz eigenen Dialekt. Viel Humor für alle Altersgruppen, viele zeichnerische Details für Kulturhistoriker und viele sprachliche Gustostückerl für Linguisten. Ich bin begeistert und verstehe, warum diese Comic-Reihe immer noch so erfolgreich ist.
Band 38, Die Tochter des Vercingetorix (geschrieben von Jean-Yves Ferri und gezeichnet von Didier Conrad): Eine geheimnisvolle junge Frau taucht in Begleitung zweier Arverner-Häuptlinge im Dorf der unbeugsamen Gallier auf. Ihre Ankunft versetzt die Dorfbewohner in helle Aufregung! Denn Adrenaline, so der Name der Titelheldin, ist die Tochter des großen Gallier-Häuptlings Vercingetorix. Sie ist auf der Flucht vor Julius Cäsar, der sie gerne zwangsromanisieren möchte. Doch mal wieder hat der die Rechnung ohne die Gallier und insbesondere die gallische Jugend gemacht, die ihm erbittert Widerstand leistet.
Das hier ist eines der wenigen Abenteuer, in denen Asterix und Obelix nicht in ein anderes Land reisen und dieses entdecken. Aber das ist ja nicht schlimm, denn so kann man den Fokus auf andere Dorfbewohner richten. Speziell die Jugend des Dorfes zeigt hier, dass sie sich nicht immer hinter ihren Eltern verstecken wollen. Es ist einfach ein schönes, lustiges Abenteuer und alles dreht sich um die Frage, ob Kinder wirklich in die Fußstapfen ihrer Eltern schlüpfen müssen. Die Tochter des Vercingetorix ist kein Band für Intellektuelle, die kulturelle, historische, linguistische Bonbons suchen, sondern eine spannende Geschichte, die einfach Spaß macht und wie immer gut gezeichnet ist.
Band 39, Asterix und der Greif (geschrieben von Jean-Yves Ferri und gezeichnet von Didier Conrad): Diesmal verschlägt es die Gallier ins Barbaricum, weit im wilden Osten. Nach einem verheißungsvollen Traum macht sich Miraculix mit Asterix, Obelix und Idefix auf die Reise ins Land der Sarmaten. Dort wohnt der Schamane Terrine mitsamt seinem Stamm und hat die Hilfe seines alten Freundes bitter nötig, denn die Römer sind auf dem Vormarsch, um für Cäsar den sagenumwobenen Greif zu fangen, der in dieser Region hausen soll.
Ein neues Land, ein neues Volk, neue witzige kulturelle und sprachliche Details. Da wenig historische Kenntnisse über die Sarmaten existieren, wurden hier nicht so stark die Vorurteile gegenüber dem gastgebenden Volk karikiert, sondern Volk und Land eher ein bisschen erfunden und frei gestaltet, nicht zuletzt die Amazonen. Besonders stechen die Zeichnungen der weitläufigen Winterlandschaft ins Auge. Sehr gelungen ist dann am Ende auch die Erklärung, was der Greif denn wirklich sei.
Dieser Band lebt aber auch davon, dass er moderne Trends karikiert. Es wird etwa auf die zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuelle COVID-19-Pandemie mehrmals angespielt (Immunität, Abstand). Und der Name des Legionärs Fakenius ist eine Anspielung auf das Phänomen der Fake News und auf die Verschwörungstheorien der Gegenwart. Die pessimistisch gefärbten Zusammenhänge, die er herstellt, verbreiten sich unter den Soldaten „viral“, sodass sie sich dem Kult der Diana zuwenden und nach Weihrauch verlangen.
Insgesamt ist das hier wieder ein sehr gelungener Band, der viel Spaß beim Lesen macht und wenn man sich die Zeit nimmt einzutauchen, kann man in der Fülle an Details und Anspielungen verloren gehen.
Asterix und der Greif ist übrigens der erste Band der Reihe, der nach dem Tod des Asterix-Zeichners Albert Uderzo im März 2020 erschienen ist. Gleichzeitig ist es der letzte, dessen Entwürfe Uderzo noch vorgelegt worden sind. Als Erinnerung an Uderzo ist auf dem letzten Bild mit dem traditionellen Festmahl eine weinende Eule (Uderzos Lieblingstier) abgebildet. Ähnlich hatte Uderzo selbst seine Trauer über den Tod seines Freundes und Asterix-Miterfinders René Goscinny im Band Asterix bei den Belgiern mit einem weinenden Hasen illustriert.
Band 40, Die weiße Iris (geschrieben von Fabcaro und gezeichnet von Didier Conrad): Weniger Wildschwein, mehr Gemüse, Sport treiben, Konflikte mit Worten lösen statt mit Backpfeifen. „Positives Denken“ ist das achtsame Motto des scheinbaren Weltverbesserers Visusversus, der mit seiner manipulativen Methode ganz Gallien auf den Kopf stellt. Ganz Gallien? Natürlich nicht, denn Asterix durchschaut die üblen Machenschaften, die hinter der lieblichen Fassade stecken.
Der erste Band komplett ohne Uderzos Beteiligung und geschrieben von einem neuen Autor wurde natürlich mit großer Spannung erwartet. Nicht nur ich jetzt, sondern auch viele Kritiker damals haben diesen Band gelobt. Eine gelungene Aneinanderreihung von Wortwitzen und tolle Running Gags bieten durchgehend gute Unterhaltung. Fabcaro teilt mit satirischen Spitzen in alle Richtungen aus, was einfach Spaß macht. Obelix verliert positiverweise etwas von seiner Dümmlichkeit, die ihm nach Goscinny auferlegt wurde und Asterix kann endlich mal wieder mit seiner Klugheit brillieren.
Band 41, Asterix in Lusitanien (geschrieben von Fabcaro und gezeichnet von Didier Conrad): An einem schönen Frühlingsmorgen taucht ein Fremder namens Schnurres im Dorf auf. Er kommt aus Lusitanien, dem sonnenverwöhnten Land westlich von Hispanien, das ebenfalls unter der Herrschaft Roms steht. Schnurres bittet die unbeugsamen Gallier um Hilfe, da er die mächtige Wirkung des Zaubertranks kennt. Sein Freund Schãoprozes wird verdächtigt, Cäsar vergiften zu wollen! Dahinter steckt ein Komplott, das Asterix und Obelix aufdecken müssen. Sie reisen ins heutige Portugal, bekannt für seine Gastfreundschaft sowie Fado, Fliesen und Fischgerichte.
Der neueste Band ist eine wahre Wucht. Er strotzt nur so vor lauter gelungener Witze und liebevoller Details.
Tatsächlich war es in meinem Bekanntenkreis jahrelang leise rund um Asterix und Obelix, aber über diesen Band sprach dann plötzlich jeder. Somit bin ich sehr glücklich, die Gelegenheit bekommen zu haben, den hier zu lesen und ich muss sagen, ich verstehe, warum da herum ein neues Asterix-Fieber ausgebrochen ist. Vielerorts wird er sogar mit dem großen Klassiker Asterix bei den Briten verglichen, dem ich mich anschließe.
Asterix in Lusitanien ist in meinen Augen auch deshalb so gut gelungen, weil hier nicht „nur“ ein witziges Abenteuer erzählt wird, sondern auch eine spannende Detektivgeschichte. Der Fokus auf Handlung hat Asterix meiner Meinung nach gut getan.
Besonders hat mir in diesem Band auch die linguistische Spielerei mit der lusitanischen Sprache gefallen, indem ausgiebig der Buchstabe „Ç“ eingesetzt wird und der Diphthong au als „ão“ wiedergegeben wird.
Fazit: Meine Liebe zu Asterix und Obelix ist neu entflammt und ich werde bei nächster Gelegenheit zu den älteren Bänden greifen, die ich noch nicht gelesen habe, allen voran Asterix bei den Pikten und Der Papyrus des Cäsar. Und natürlich freue ich mich schon auf Band 42, der geplant im Jahre 2027 erscheinen soll.

Veröffentlicht unter Bücher | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Reblog vom 16.06.2018

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Reblog vom 15.06.2024

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Reblog vom 14.06.2017

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Spiel: Wizard Junior (Amigo)

Das erste Stichspiel für Kinder.
Von Ken Fisher (ca. 20 Min.; 3-6 Spieler)
Wizard Junior ist eine gezielt vereinfachte Umsetzung des bekannten Stichspielklassikers, die sich vor allem an jüngere Kartenspieler ab acht Jahren richtet. Das grundlegende Spielprinzip bleibt dabei unangetastet, denn auch in dieser Version müssen die Teilnehmenden vor jeder Runde die exakte Anzahl ihrer zukünftigen Stiche korrekt vorhersagen. Um den Einstieg für Familien zu erleichtern, wurde der Gesamtumfang der Karten reduziert und das mathematische Wertungssystem spürbar entschlankt. Fehlerhafte Vorhersagen führen hier nicht zu schmerzhaften Minuspunkten, sondern bedeuten lediglich, dass man in der jeweiligen Runde leer ausgeht. Die optische Gestaltung präsentiert sich kindgerecht und farbenfroh, wodurch die verschiedenen Kartenwerte und die Sonderkarten wie Zauberer oder Narrenfrösche leicht zu erfassen sind. Mit einer überschaubaren Spieldauer von rund zwanzig Minuten bietet das Kartenspiel eine kurzweilige Dynamik, die ohne lange Erklärungen auskommt. Für erfahrene Taktiker bietet der Titel langfristig zwar etwas zu wenig Spieltiefe, erfüllt seine Aufgabe als zugängliches Einstiegsspiel in die Welt der Stichspiele jedoch vollkommen solide.
Fazit: Empfehlenswert.

Auf Amazon zu kaufen:
Wizard Junior (Amigo)
Wenn Ihr das Spiel über diesen Link kauft, unterstützt Ihr diesen Blog. Vielen Dank dafür!
Veröffentlicht unter Gesellschaftsspiele | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Buch: Calle, Juan & Potter, William – Ich zeichne Fantasy & Romantasy. Techniken, Charaktere und Effekte

Spaß am Zeichnen.
Ich zeichne Fantasy & Romantasy von ⁠Juan Calle und William Potter erweist sich als ein absolut inspirierendes und handwerklich hervorragend strukturiertes Anleitungsbuch, das kreative Köpfe direkt in die Welt der eigenen künstlerischen Gestaltung entführt. Der Ratgeber überzeugt von der ersten Seite an durch ein durchdachtes Konzept, das sowohl absolute Neueinsteiger als auch fortgeschrittene Zeichner mühelos abholt. Nach einer kompakten Einführung in die wichtigsten anatomischen Grundlagen und Werkzeuge widmet sich das Autorenduo den typischen Motiven dieses populären Genres. Die Bandbreite erstreckt sich von sagenhaften Helden über Monster und Gothic Horror zu Urban Fantasy. Über 15 konkrete Figuren, wie z.B. der Schwertkämpfer, die Feenkönigin, der Minotaurus oder der Dämonenjäger werden vorgestellt und können nachgezeichnet werden. Dazu kommen noch allgemeine Fantasy-Elemte wie Tempel, Schiffe, Rüstungen und Waffen. Insgesamt ein sehr kompaktes Buch, das die grundlegendsten Formen präsentiert, um mit dem Zeichnen von Fantasy & Romantasy zu beginnen.
Das Highlight dieses kreativen Lehrbuchs sind die übersichtlichen Schritt für Schritt Anleitungen, die komplexe Posen, fließende Gewänder und magische Effekte in leicht nachvollziehbare Teilschritte zerlegen. Praktische Übungsraster direkt im Buch laden zum sofortigen Mitmachen ein und senken die Hemmschwelle vor dem leeren Blatt Papier spürbar. Die vermittelten Techniken zum Umgang mit unterschiedlichen Materialien sorgen zudem für schnelle und überaus motivierende Erfolgserlebnisse beim Erschaffen eigener Welten. Wer seine Liebe zu fantastischen Geschichten endlich auf das Papier bringen und eigene Romanfiguren visuell zum Leben erwecken möchte, findet in diesem farbenfrohen Band einen unverzichtbaren und treuen Begleiter für das heimische Atelier.
Meine Tochter hat sich dieses Buch sofort geschnappt, als es bei uns ankam und will gar nicht mehr aufhören, das alles nachzuzeichnen und auszuprobieren.
Fazit: Empfehlenswert.

Auf Amazon zu kaufen:
Calle, Juan & Potter, William – Ich zeichne Fantasy & Romantasy. Techniken, Charaktere und Effekte
Wenn Ihr das Buch über diesen Link kauft, unterstützt Ihr diesen Blog. Vielen Dank dafür!
Das Buch wurde dankenswerterweise vom Verlag zu Verfügung gestellt.
Veröffentlicht unter Bücher | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Serie: Spider-Noir – Miniserie (abgeschlossen)

Tolles Serienerlebnis.
Inhalt: Der Privatdetektiv Ben Reilly hütet im New York der 1930er Jahre ein Geheimnis: Er ist ein Superheld, genannt „Spinne“. Nach einem Todesfall hatte er jedoch die Maske an den Nagel gehängt. Ein Suchauftrag einer Sängerin führt dazu, dass Ben als Superheld zurückkehrt.
Mit Spider-Noir liefert Amazon Prime Video ein echtes Highlight für alle Fans gepflegter Detektivgeschichten ab. Das düstere New York City der Dreißigerjahre erwacht hier auf eine wunderbar melancholische Art und Weise zum Leben. Ein absoluter Geniestreich ist dabei die Besetzung der Hauptrolle, denn Nicolas Cage trifft den Ton des gealterten und vom Leben gezeichneten Ermittlers Ben Reilly einfach perfekt. Seine charismatische Leistung trägt die Serie mühelos, wobei der Titel sein volles Potenzial erst so richtig entfaltet, wenn man ihn im optionalen Schwarz-Weiß-Modus streamt. Diese visuelle Entscheidung fängt die klassische Film-Noir-Atmosphäre um Längen besser ein als die farbige Variante und sorgt für eine unglaublich dichte Stimmung. Zwar verliert die Erzählung im Mittelteil der acht Episoden ein wenig an Tempo und wird phasenweise etwas langatmig, doch das Durchhalten lohnt sich auf ganzer Linie. Die letzten zwei Episoden entschädigen für jede kleine Länge, ziehen das Tempo massiv an und liefern ein richtig tolles sowie emotional packendes Finale, das Lust auf mehr macht.
Ich möchte aber nochmal betonen, dass sich der Titel „Noir“ hier nicht nur auf die Optik bezieht, sondern auf das komplette Paket, Kameraführung, Dialoge, Plot, Charaktere. Die Serie wirkt wirklich wie originell aus den Dreißigern, nur eben mit Superhelden. Ein tolle Idee und ich bin beeindruckt, dass die Macher das wirklich von der ersten bis zur letzten Sekunde penibel durchgehalten haben.
Die darstellerische Leistung von Nicolas Cage hat aber auch für Diskussionen gesorgt. Da die Serie von vornherein für den Schwarz-Weiß-Modus konzipiert und ausgeleuchtet wurde, hat Cage auch seine Mimik und Gestik an das exzentrische, theatralische Kino der 1930er- und 1940er-Jahre angepasst. In Schwarz-Weiß wirkt dieses „Overacting“ absolut authentisch für das Genre. Schaltet man die Serie jedoch in Vollfarbe, wirkt dieselbe Performance plötzlich völlig überdreht, künstlich und deplatziert im Vergleich zur modernen, farbigen Umgebung. Wer die Serie in Farbe schaut, stößt sich viel eher an Cages speziellem Stil, während die Schwarz-Weiß-Zuschauer seine Performance oft als meisterhafte Hommage feiern.
Fazit: Empfehlenswert.

Veröffentlicht unter Serien | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Film: Hoppers (2026)

Nettes Animationsabenteuer.
Komödie/Sci-Fi mit Piper Curda von Daniel Chong. 104 Min.
Inhalt: Die Tierliebhaberin Mabel nutzt eine neuartige Technologie, um ihr Bewusstsein in einen täuschend echt aussehenden Biberroboter zu übertragen und so direkt mit der Tierwelt zu kommunizieren. Dabei entdeckt sie ungeahnte Geheimnisse und schließt Freundschaft mit dem charismatischen König George. Als der schleimige Bürgermeister Jerry Generazzo jedoch zur Bedrohung für den Lebensraum wird, muss Mabel das gesamte Tierreich vereinen, um sich der menschlichen Gefahr entgegenzustellen.
Der neue Animationsfilm Hoppers bietet solide Unterhaltung für die jüngsten Zuschauer. Die Geschichte um die junge Naturschützerin Mabel, die per Technologie in den Körper eines Robotertiers schlüpft, bringt eine kreative Grundidee mit sich. Die Slapstick-Einlagen und das bunte Treiben der Waldbewohner zünden beim Publikum verlässlich. Vor allem viele kindgerechte Gags sorgen bei den kleineren Zuschauern für laute Lacher und garantieren einen kurzweiligen Filmnachmittag für die ganze Familie.
Abseits der gelungenen Humor-Elemente für Kinder bleibt das Werk jedoch hinter den Erwartungen zurück. Die Handlung folgt sehr vorhersehbaren Mustern und bietet wenig erzählerische Tiefe. Auch die visuelle Umsetzung und die Charakterentwicklung heben sich kaum von der breiten Masse aktueller Animationsproduktionen ab. Insgesamt ist der Film ein netter Zeitvertreib, der sein Potenzial aber nicht voll ausschöpft. Er reiht sich somit im Mittelfeld des Genres ein.
Fazit: Kann geschaut werden.

Veröffentlicht unter Filme | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Podcast Episode: Anime, Action und Horrorfilme

WordPress hat eine neue Funktion eröffnet: einen KI-Podcast. Man kann also verschiedene Beiträge, die man geschrieben hat, in einen Topf werfen und die KI von WordPress erstellt daraus einen Podcast. Dafür muss man natürlich extra zahlen, was ich sicher nicht tun werde, aber die erste Folge ist gratis. Ich habe also meine Kritiken zu den Filmen That Time I Got Reincarnated as a Slime the Movie: Tears of the Azure Sea (Anime 2026; Originaltitel: Gekijōban Tensei Shitara Suraimu Datta Ken: Sōkai no Namida-hen), Tom Clancy’s Jack Ryan: Ghost War (2026) und Hellboy – The Crooked Man (2024) genommen und daraus einen Podcast erstellen lassen. Hört mal rein und überlegt euch selbst, wie gut das ist. Viel Spaß dabei!
Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Spiel: The Vale of Eternity – Erweiterung „Flüche“ (Pegasus Spiele)

Eine Erweiterung.
Von Eric Hong und Mathieu Rivero (ca. 30-60 Min.; 2-4 Spieler)
Diese Erweiterung zu The Vale of Eternity besteht aus einem Hauptmodul mit neuen Karten, die in das Kartendeck gemischt werden, sowie Fluchmarkern. Jeder Spieler erhält zu Beginn eine bestimmte Anzahl Fluchmarker und muss diese loswerden, denn jeder davon ist bei Spielende Minuspunkte. Die neuen Karten interagieren mit diesen Fluchmarkern, aber nur, wenn das Deck gut gemischt ist und sie auch tatsächlich in der Auslage erscheinen. Tatsächlich kann ein Spieler Pech haben und keine einzige solche Karte erhalten und dann seine Fluchmarker nicht loswerden und somit am Ende ordentlich Minuspunkte kassieren.
Die neuen assymetrischen Charaktere mit Spezialfähigkeiten wirken im ersten Moment nett, sind aber komplett unbalanciert und generieren eher Frust als Spaß.
Insgesamt gefällt mir das Grundspiel The Vale of Eternity sehr gut, aber diese Erweiterung verschlechtert in meinen Augen das Spielerlebnis.
Fazit: Kann probiert werden.

Auf Amazon zu kaufen:
The Vale of Eternity – Erweiterung „Flüche“ (Pegasus Spiele)
Wenn Ihr das Spiel über diesen Link kauft, unterstützt Ihr diesen Blog. Vielen Dank dafür!
Veröffentlicht unter Gesellschaftsspiele | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar