Rätselspaß.
Von Leo Colovini (ca. 75 Min.; 1-4 Spieler)
Der rätselhafte Zauberwald transportiert den beliebten Escape-Trend in eine kompakte Schiebeschachtel, lässt spielerisch aber einiges an Feinschliff vermissen. Das Material bleibt komplett unversehrt und ist somit im Gegensatz zu vielen Konkurrenzprodukten wiederverwendbar. Hinter der charmanten Kulisse der Waldwesen verbirgt sich jedoch ein mechanisch sehr unebenes Abenteuer.
Das Spielprinzip weicht leicht von klassischen, linearen Exit-Spielen ab. Das Team findet sich auf einer magischen Lichtung wieder und muss innerhalb von ca. 75 Minuten den Ausgang finden. Dazu müssen insgesamt 17 verteilte Rätsel gelöst werden, bevor das finale, große Rätsel den Weg in die Freiheit öffnet. Das Besondere daran ist, dass meistens drei oder vier Rätsel gleichzeitig offen ausliegen. Die Spielenden können sich also aussuchen, an welcher Aufgabe sie gerade tüfteln möchten, wodurch theoretisch jeder am Tisch beschäftigt ist. Die Aufgaben selbst sind eine Mischung aus klassischen Logik-, Wort- und Mathematikrätseln. Mithilfe eines beiliegenden Transparentpapiers zeichnet man unter anderem Wege nach, um die gesuchten Lösungen zu ermitteln. Hat man eine Zahl oder einen Code herausgefunden, wird die entsprechende Karte zur Überprüfung einfach umgedreht.
Die größte Schwachstelle im Spieldesign ist jedoch die Balance, denn die Schwierigkeit der Rätsel schwankt extrem, wodurch sie manchmal langweilig, manchmal spannend und manchmal schlicht frustrierend sind. Es gibt kein gesundes, ansteigendes Niveau. Einige Aufgaben sind derart trivial, dass sie innerhalb von Sekunden gelöst sind, was bei rätselerfahrenen Gruppen zu gähnender Langeweile führt. Im krassen Gegensatz dazu stehen vereinzelte Rätsel mit absurden Logiksprüngen, die selbst Profis ohne Hilfe kaum nachvollziehen können und die den Spielfluss komplett ausbremsen. Das sorgt für eine sehr unruhige Dynamik am Spieltisch, bei der die Motivation immer wieder einbricht.
Erschwert wird dieses Problem durch das eingebaute Hilfesystem. Die beiliegenden Hinweiskarten sind leider nicht gut formuliert. Wenn eine Gruppe bei einem der schwereren Rätsel feststeckt, erhofft sie sich von den Tipps clevere Denkanstöße. Stattdessen sind die Texte oft so vage oder unglücklich ausgedrückt, dass sie überhaupt keinen echten Mehrwert bieten. Häufig steht man nach dem Lesen des Hinweises genauso ratlos da wie zuvor und sieht sich gezwungen, das Rätsel ungelöst beiseite zu legen oder direkt die Komplettlösung anzusehen, was den Spielspaß merklich schmälert.
Der rätselhafte Zauberwald punktet mit seinem fairen Konzept, das Spielmaterial nicht zerstören zu müssen, und der theoretisch guten Idee, mehrere Rätsel parallel anzubieten. Die redaktionelle Umsetzung trübt den Gesamteindruck jedoch spürbar. Die extreme Diskrepanz zwischen banalen und frustrierend schweren Aufgaben erfordert eine hohe Frustrationstoleranz, die durch die unpräzisen Hinweiskarten nicht gerade abgefedert wird. Wer ein schnelles, kompaktes Solospiel sucht und kein Problem mit unebenem Rätseldesign hat, kann einen Blick riskieren, für einen perfekt durchdachten Rätselabend in der Gruppe gibt es auf dem Markt allerdings rundere Alternativen.
Fazit: Kann probiert werden.
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