Die goldene Ära der Brettspiele hält an, doch sie leidet unter einer wachsenden Krankheit: dem Hang zur künstlichen Komplexität. Moderne Expertenspiele, im Fachjargon oft als „Eurogames“ bezeichnet, scheinen zunehmend einem fatalen Trugschluss zu erliegen. Viele Autoren und Verlage verwechseln eine hohe Anzahl an verschachtelten Regeln mit spielerischer Tiefe. Das Ergebnis sind aufgeblähte Regelmonster, die mechanisch überladen wirken, ohne dadurch mehr Spielspaß oder eine tiefere atmosphärische Bindung zum Thema zu bieten. Man spielt nicht mehr, man verwaltet nur noch.
Früher zeichneten sich gute Strategiespiele dadurch aus, dass sie mit wenigen, eleganten Regeln eine enorme taktische Vielfalt erzeugten. Heute hingegen dominiert das Prinzip des „Point Salad“ – man bekommt für absolut jede banale Aktion irgendwo auf dem Spielfeld Punkte. Um das zu erreichen, werden verschiedene spielmechanische Systeme lieblos aneinandergeklebt. Es gibt Ressourcenketten, die über fünf Stationen laufen, nur um am Ende einen banalen Siegpunkt zu generieren. Wenn diese Komplexität weder der Geschichte des Spiels dient noch spannende Entscheidungen erzwingt, wird das Brettspiel zur Arbeit. Es entsteht eine kognitive Überlastung, die den Spielfluss komplett ausbremst.
Ein Paradebeispiel für diesen Trend ist das von Skellig Games im deutschsprachigen Raum vertriebene Darwin’s Journey. Das Thema klingt faszinierend: Wir reisen auf den Spuren von Charles Darwin zu den Galápagos-Inseln, entdecken Arten und entwickeln die Evolutionstheorie weiter. In der Realität wird dieses epische Thema jedoch unter Bergen von bürokratischen Mikromechaniken begraben. Das Spiel nutzt ein Worker-Placement-System, das durch ein extrem kleinteiliges Wachssiegel-System erweitert wird. Arbeiter müssen erst mit farbigen Siegeln qualifiziert werden, um bestimmte Aktionen überhaupt ausführen zu dürfen. Dazu kommen evolutionäre Pfade, Korrespondenzen, Schiffsbewegungen und Museums-Wertungen, die alle über eigene Sonderregeln miteinander verzahnt sind. Statt das Gefühl zu haben, eine unberührte Welt zu erforschen, fühlt sich Darwin’s Journey an wie das Ausfüllen einer komplexen Steuererklärung. Die thematische Immersion geht völlig verloren, weil man permanent damit beschäftigt ist, die Verwaltung der eigenen Arbeiter und Siegel im Kopf zu jonglieren. Der mechanische Aufwand steht in keinem Verhältnis zum emotionalen Ertrag.
Dass dieses Problem nicht nur monumentale Großprojekte betrifft, zeigt das ebenfalls bei Skellig Games erschienene Bamboo. Das Spiel kommt optisch wunderschön und scheinbar zugänglich daher. Es geht um das Management einer Familie, die Bambus anbaut und ihr Heim dekoriert, um die Geister des Waldes (Kami) gnädig zu stimmen. Doch hinter der idyllischen Fassade verbirgt sich ein mechanisches Dickicht. Bamboo zwingt die Spielenden in ein Korsett aus extrem verschachtelten Phasen. Um eine einfache Aktion auszuführen, müssen Bambusstäbe passend farblich optimiert, Räucherstäbchen eingesetzt, Nahrung balanciert und Heim-Plättchen nach strengen Mustervorgaben angeordnet werden. Das Spiel erlegt den Spielenden künstliche Hürden auf, die sich nicht aus dem Thema ableiten, sondern rein mathematischer Natur sind. Jede Aktion zieht einen Rattenschwanz an Abrechnungen nach sich. Am Ende bleibt das unbefriedigende Gefühl, dass man eine eigentlich einfache Aufgabe – das Dekorieren eines Hauses – durch ein absurdes Labyrinth aus bürokratischen Spielregeln schleifen musste. Der Spielspaß bleibt dabei auf der Strecke.
Spiele wie Darwin’s Journey und Bamboo zeigen eine besorgniserregende Entwicklung der Brettspielbranche. Komplexität wird zum Selbstzweck erhoben, um einer vermeintlich anspruchsvollen Zielgruppe „Gewicht“ vorzugaukeln. Wenn das Regelheft jedoch dicker ist als die Freude am eigentlichen Spielen und das Thema nur noch als dünner Anstrich über einem mathematischen Getriebe dient, hat das Spieldesign versagt. Es wird Zeit, dass Autoren und Verlage sich wieder auf die Kunst der Eleganz besinnen: Spiele zu erschaffen, die durch kluge Interaktion und tiefgründige Entscheidungen fordern und nicht durch das fehlerfreie Verwalten von dreißig verschiedenen Mini-Regeln.
- Follow Meine Kritiken on WordPress.com
-
-
Auf Instagram: board_game_pictorama
Meine Kritiken
-
Top-Beiträge und Top-Seiten
- Buch: Miéville, China - Stadt der Fremden
- Buch: Weymouth, Adam - Wolfspfade. Eine Spurensuche im Herzen Europas
- Film: xXx - Die Rückkehr des Xander Cage (2017)
- Film: Automata (2014)
- Black Sails - Staffel 1
- Buch: Tchaikovsky, Adrian – Die Erben der Zeit
- Spiel: Symbiose (Pegasus Spiele)
- Buch: Brandhorst, Andreas – Splitter der Zeit
- Film: Baywatch (2017)
- Buch: Wellington, David - Die letzte Astronautin
-
Aktuelle Beiträge
Neueste Kommentare
Schlagwörter
- 2-Personen-Spiel
- 2-Spieler
- Abenteuer
- Action
- Agenten
- Aliens
- Animation
- Anime
- Asmodee
- Außerirdische
- Beck
- Beck Wissen
- Brettspiel
- Buch
- C.H.Beck
- China
- CIA
- Comedy
- Comic
- Computerspiel
- Detektiv
- Drama
- Entenhausen
- Fantasy
- Film
- Filme
- Gedankensprung
- Geschichte
- Horror
- Humor
- Japan
- Kartenspiel
- Kinderbuch
- Kinderspiel
- Komödie
- Kosmos
- Krimi
- Künstliche Intelligenz
- Legespiel
- lustig
- Lustiges Taschenbuch
- Marvel
- Monster
- Mystery
- Netflix
- pegasus
- Pegasus Spiele
- Philosophie
- Piatnik
- Polizei
- Raumschiff
- Raumschiffe
- Roboter
- Rätsel
- Sachbuch
- Sci-Fi
- Science-Fiction
- Serie
- Serien
- Solospiel
- Space
- Spiel
- Spiele
- Spionage
- Star Trek
- Star Wars
- Strategiespiel
- Superhelden
- The Expanse
- Thriller
- Weltall
- Weltraum
- Worker Placement
- Würfelspiel
- Zukunft
Archiv
Kritiken
Inhalt: Enola Holmes steht kurz vor der Vermählung mit Tewkesbury. Das Glück scheint perfekt, allerdings zweifelt Enola noch, ob sie wirklich heiraten und den Namen Tewkesbury annehmen möchte. Denn damit würde sie auch ein Stück ihrer Identität als eine Holmes aufgeben. Ausgerechnet am Morgen vor ihrer geplanten Hochzeit auf Malta erfährt sie von Dr. Watson, dass ihr Bruder Sherlock Holmes entführt wurde. Enola macht sich kurzerhand auf die Suche nach Sherlock.
Bamboo versucht sich als atmosphärisches Kennerspiel rund um den fernöstlichen Bambusanbau, entpuppt sich in der Realität jedoch leider als eine arg kleinteilige und glückslastige Geduldsprobe. Der eigentlich innovative Ansatz, über farbige Weihrauchstäbchen und nachrutschende Bambusrohre die eigenen Aktionen in den Tempeln zu steuern, wird durch einen zutiefst frustrierenden Marktmechanismus ausgebremst. Da der Erfolg beim Einrichten des Hauses massiv von passenden Plättchen abhängt, die Auslage aber völlig zufällig aufgefüllt wird, mutiert das strategische Planen schnell zum reinen Hoffnungsspiel. Wer Pech hat und schlichtweg nicht die geforderten Symbole für seine Balanceplättchen im Angebot vorfindet, wird am Spielende durch die gnadenlose Wertung bestraft. Zudem fühlt sich das gesamte Thema extrem aufgesetzt an, da man statt einer harmonischen Naturerfahrung lediglich mathematisch die linke und rechte Seite seines Spielertableaus numerisch ausgleichen muss. Die winzigen Symbole und das überfrachtete Material trüben den Spielfluss zusätzlich, sodass das vermeintlich entspannte Gärtnern in mühsame Verwaltungsarbeit ausartet.
Inhalt: Flinch ist ein Spiel der Angst. Je mehr man seine Freunde erschreckt, desto mehr Punkte bekommt man. Jeder an der Dread Wood High spielt es. Aber aus dem lustigen Spiel wird bald gruselige Realität. Angelo und seine Freunde bemerken, dass sich ihre Mitschüler von Tag zu Tag merkwürdiger verhalten – fast so, als wären sie nicht mehr sie selbst.
Inhalt: Mei sucht in Rom nach ihrer Schwester Yun. Sie tut sich mit dem verschuldeten Restaurantbesitzer Marcello zusammen, der seinerseits seinen Vater sucht. Beide geraten alsbald in eine Fehde zwischen chinesischen und italienischen Gangsterbanden.
Snowball Earth, mein Top-Anime in dieser Season, überrascht mit einem coolen postapokalyptischen Sci-Fi-Eiszeit-Setting. Das anfangs nervige Stereotyp des krankhaft schüchternen Hauptcharakters nimmt glücklicherweise nur in den ersten Episoden viel Platz ein. Danach ist das nicht mehr so präsent, da ja diese Charakterentwicklung der Plot dieser Serie ist, wodurch die Serie schnell an Fahrt gewinnt.
Witch Hat Atelier hatte wegen des beliebten Mangas sicherlich den größten Hype zu Beginn dieser Season. Ich habe mich am Anfang jedoch schwer getan, da reinzukommen, ich fand es relativ generisch und unspektakulär. Doch einige clevere Momente und kluge Szenen zeigen, wohin sich die Geschichte vermutlich entwickelt und das ist wirklich interessant. Tatsächlich ist hier das Ende der ersten Staffel bereits sehr spannend und sie endet in einem brutalen Cliffhanger. Ich freue mich schon darauf, wenn es irgendwann weitergeht, aber angekündigt ist noch nichts.
Classroom of the Elite 4th Season: Second Year, First Semester ist immer noch toll anzuschauen, macht Spaß. Aber leider wurde in dieser Staffel der Fokus zu sehr auf die neuen ersten Klassen gelegt, statt weiter auf der bekannten Klasse zu bleiben, die ja jetzt im zweiten Jahrgang ist, nur der Hauptcharakter bleibt weiterhin im Zentrum. Dennoch spannend und ich freue mich auf die nächste Staffel. Diese Staffel jetzt schließt den Handlungsstrang auf der Insel schön ab und ich freue mich schon darauf, wenn es irgendwann weitergeht. Angekündigt ist die fünfte Staffel jedenfalls bereits.
That Time I Got Reincarnated as a Slime 4th Season ist immer noch toll anzuschauen, macht Spaß. Die Serie macht weiter wie bisher, mit ihren bekannten Stärken und Schwächen und wenn man sie bisher mochte, wird man wieder gut bedient. Diese aktuelle vierte Staffel soll über 60 Episoden erhalten und ist auf 5 Cours aufgeteilt. Im Sommer geht es direkt weiter, aber wann der 3. Cour kommt, ist noch nicht fix.
Boku no Hero Academia: More ist eine spezial OVA Episode, die am 02.05.2026 veröffentlicht wurde und den Epilog zur Serie Boku no Hero Academia darstellt. 8 Jahre nach dem Finale treffen sich alle Charaktere wieder, feiern, erzählen wie es ihnen so geht und Fans bekommen endlich die Szene, auf die sie so lange gewartet haben. Erst mit dieser Episode ist Boku no Hero Academia richtig abgeschlossen, wunderbar abgerundet und zufriedenstellend.
Der Film Ein Fremder am Strand wurde von Crunchyroll im Rahmen des Pride Months als Empfehlung auf die Startseite gestellt. Es geht um zwei junge Männer, die nach dem Abschluss der Oberschule und dem Einstieg ins Berufsleben im konservativen ländlichen Japan zueinander finden. Keine unrealistische Fanservice Boys Love Geschichte, sondern eine reife Geschichte mit nachvollziehbaren Charakteren und einer schönen Darstellung einer homosexuellen Beziehung abseites der Klischees und Stereotype. Manche Szenen sind schon sehr explizit, also eine Altersempfehlung ab 16 ist hier voll gerechtfertigt.
The Brilliant Healer’s New Life in the Shadows habe ich auf eine Empfehlung hin geschaut. Der klassische Plot eines Heilers, der aus einer Abenteurergruppe geworfen wird und dann zeigt, dass er eigentlich ein Genie ist. Nette kurzweilige Unterhaltung mit durchschnittlichen Animationen, jedoch nicht besonders empfehlenswert.
Die fünfte Staffel von The Daily Life of the Immortal King hat mich sehr zum Lachen gebracht. Nach der sehr schwachen vierten Staffel habe ich ein wenig gezögert, hier weiterzumachen, aber es hat sich dann doch voll ausgezahlt. Wirklich eine tolle, lustige, unterhaltsame Staffel, die voll an die Qualitäten der ersten Staffel anknüpft. Insgesamt eine meiner liebsten Anime-Comedy-Serien.
Gewonnen hat Take Time (Libellud), ein kommunikatives Deduktionsspiel, in welchem Uhrenrätsel gelöst werden müssen.
Inhalt: Eine Bande lockt Abahachi und Ranger in eine Falle, um das legendäre „Kanu des Manitu“ zu stehlen. Sie werden zwar von ihrem treuen Freund Dimitri gerettet, doch bald stellt sich heraus, dass diese Rettung nur Teil eines viel größeren Plans war.
Inhalt: Kara Zor-El alias Supergirl feiert ihren 23. Geburtstag mit einer Sauftour zusammen mit ihrem Hund Krypto quer durch die Galaxis. Doch sie und Krypto bleiben nicht lange alleine, denn sie geraten an Ruthye Marye Knoll, die den Tod ihres Vaters rächen will. Der wurde von dem Fiesling Krem getötet. Doch erst als dieser auch Supergirls Hund Kryto vergiftet, schließt sich die Heldin Ruthyes Mission an.
Im Indien des 16. Jahrhunderts erhebt sich das mächtige Reich der Großmogule zwischen Indus und Ganges. In Rajas of the Ganges schlüpfen die Spieler in die Rolle von Rajas und Ranis – den einflussreichen Adligen des Landes – und wetteifern um den Erhalt des Reiches, indem sie ihre Ländereien zu prächtigen und wohlhabenden Provinzen ausbauen. Sie müssen ihre Würfel weise einsetzen und ihre Arbeiter sorgfältig planen, ohne dabei die Bedeutung guten Karmas zu unterschätzen. Erfolg beschert ihnen großen Reichtum und Ruhm auf ihrem Weg zu legendären Herrschern.
