Asterix ist einfach großartig!
Vor ein paar Monaten habe ich bei einem Gewinnspiel die Asterix-Bände 37-41 gewonnen und weil ich ja einen Blog betreibe, habe ich mir überlegt, dass das ja die perfekte Gelegenheit ist, darüber einen Beitrag zu schreiben.
Asterix ist die 1959 von Autor René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo geschaffene erfolgreichste französische Comicserie. Hauptfiguren sind der Titelheld Asterix, sein Freund Obelix und weitere Bewohner eines kleinen Dorfes in Aremorica im Gallien der Zeit um 50 v. Chr. Dank eines Zaubertranks sind sie unbesiegbar, prügeln sich Band für Band auf witzige Weise durch Horden von Römern und erleben witzige Abenteuer im antiken Europa.
Gemeinsam haben Goscinny und Uderzo 24 Bände erschaffen, welche bei Fans natürlich weiterhin als die besten der gesamten Reihe angesehen werden. Nach Goscinnys Tod 1977 wurde Uderzo von Dargaud per Gerichtsbeschluss dazu gezwungen, das angefangene Album Asterix bei den Belgiern fertigzustellen. Nach Abschluss dieser Geschichte gründete er seinen eigenen Verlag, Les Éditions Albert René, und führte die Comicreihe allein weiter, nun zusätzlich als Autor.
Uderzo schuf alleine im Eigenverlag von 1980 bis 2009 die Bände 25-34, wobei er stets wert darauf legte, dass Goscinny in jedem Band weiterhin gewürdigt wurde.
Jahrelang bestand Uderzo darauf, dass nach seinem Rückzug keine weiteren Asterix-Abenteuer mehr veröffentlicht werden dürften, hatte dann aber doch noch einen Sinneswandel. Am 12. Dezember 2008 verkaufte er seine Anteile von Les Éditions Albert René an Hachette Livre, ebenso Goscinnys Tochter Anne ihre. Bedingung dafür war, dass die Serie auch ohne ihn weitergeführt werden könne.
Band 35, Asterix bei den Pikten, war der erste Band, der komplett von neuen Künstlern geschaffen wurde. Jean-Yves Ferri als Autor und Didier Conrad als Zeichner arbeiteten dann mehrere Jahre gemeinsam und veröffentlichten die Bände 35-39. Nachdem Jean-Yves Ferri sich dann anderen Projekten widmen wollte, übernahm Fabcaro ab Band 40 die Funktion des Autors.
Die zeichnerische Qualität in sämtlichen Bänden gilt als unverändert hoch, egal ab von Uderzo oder Conrad. Viele Fans vermissen jedoch den Humor und das erzählerische Können Goscinnys und es wird oft kritisiert, dass weder Uderzo, noch Ferri oder aktuell Fabcaro dieses Niveau erreicht. Vielleicht spielt da aber auch viel Nostalgie von alteingesessenen Fans der ersten Stunde mit. Unabhängig davon stellt nach wie vor jeder neue Asterix-Band einen neuen Auflagenrekord auf.
Ich selbst habe in meiner Jugend bis zum Band 29 Asterix und Maestria sämtliche Bände gelesen und bin dann ausgestiegen. Nicht, weil mir die Reihe nicht gefallen hätte, sondern weil sich meine Prioritäten verschoben haben und ich die neuen Bände dann immer aufgeschoben, aber letztendlich doch nicht gelesen habe. Und außerdem habe ich auch immer wieder gehört, dass „der neue Asterix nicht so gut“ sei, weshalb mein Interesse auch nicht wirklich geweckt wurde. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass mir als Kind ein Qualitätsunterschied von Band 24 auf 25 aufgefallen wäre. Mir haben alle gefallen.
An der Universität dann gab es Lehrveranstaltungen zum Thema Antikenrezeption und die Dozenten haben da immer auf die ersten 24 Asterix-Bände zurückgegriffen und die Ausgaben ab Band 25 wurden ignoriert. Ein weiteres Detail, das dazu führte, dass ich die Finger von den neuen Bänden ließ.
Aber das hat sich jetzt geändert! Wenn ich schon fünf Asterix-Bände gewinne, will ich sie auch lesen und weil ich einen Blog habe, will ich auch darüber schreiben.
Band 37, Asterix in Italien (geschrieben von Jean-Yves Ferri und gezeichnet von Didier Conrad): Asterix und Obelix begeben sich in die Höhle des Löwen, denn Cäsar hat zu einem Wagenrennen quer durch Italien aufgerufen! Natürlich verlangt er hinterrücks nach dem Sieg eines römischen Teilnehmers, doch zu seinem Ungemach nehmen auch Gallier an dem Rennen teil.
Nach einer jahrelangen Abstinenz mal wieder einen Asterix-Comic zu lesen war wunderbar und es hat nichts von dem Charme verloren, der mich bereits als Kind begeistert hat. Das Highlight dieses Bandes ist nicht nur die Fahrt durch Italien, voll mit liebevollen Details, sondern vor allem die Interaktion mit den anderen Teilnehmern des Wagenrennens. Diese kommen nämlich aus allen Ecken und Winkeln des Römischen Reiches und sprechen daher in ihrem ganz eigenen Dialekt. Viel Humor für alle Altersgruppen, viele zeichnerische Details für Kulturhistoriker und viele sprachliche Gustostückerl für Linguisten. Ich bin begeistert und verstehe, warum diese Comic-Reihe immer noch so erfolgreich ist.
Band 38, Die Tochter des Vercingetorix (geschrieben von Jean-Yves Ferri und gezeichnet von Didier Conrad): Eine geheimnisvolle junge Frau taucht in Begleitung zweier Arverner-Häuptlinge im Dorf der unbeugsamen Gallier auf. Ihre Ankunft versetzt die Dorfbewohner in helle Aufregung! Denn Adrenaline, so der Name der Titelheldin, ist die Tochter des großen Gallier-Häuptlings Vercingetorix. Sie ist auf der Flucht vor Julius Cäsar, der sie gerne zwangsromanisieren möchte. Doch mal wieder hat der die Rechnung ohne die Gallier und insbesondere die gallische Jugend gemacht, die ihm erbittert Widerstand leistet.
Das hier ist eines der wenigen Abenteuer, in denen Asterix und Obelix nicht in ein anderes Land reisen und dieses entdecken. Aber das ist ja nicht schlimm, denn so kann man den Fokus auf andere Dorfbewohner richten. Speziell die Jugend des Dorfes zeigt hier, dass sie sich nicht immer hinter ihren Eltern verstecken wollen. Es ist einfach ein schönes, lustiges Abenteuer und alles dreht sich um die Frage, ob Kinder wirklich in die Fußstapfen ihrer Eltern schlüpfen müssen. Die Tochter des Vercingetorix ist kein Band für Intellektuelle, die kulturelle, historische, linguistische Bonbons suchen, sondern eine spannende Geschichte, die einfach Spaß macht und wie immer gut gezeichnet ist.
Band 39, Asterix und der Greif (geschrieben von Jean-Yves Ferri und gezeichnet von Didier Conrad): Diesmal verschlägt es die Gallier ins Barbaricum, weit im wilden Osten. Nach einem verheißungsvollen Traum macht sich Miraculix mit Asterix, Obelix und Idefix auf die Reise ins Land der Sarmaten. Dort wohnt der Schamane Terrine mitsamt seinem Stamm und hat die Hilfe seines alten Freundes bitter nötig, denn die Römer sind auf dem Vormarsch, um für Cäsar den sagenumwobenen Greif zu fangen, der in dieser Region hausen soll.
Ein neues Land, ein neues Volk, neue witzige kulturelle und sprachliche Details. Da wenig historische Kenntnisse über die Sarmaten existieren, wurden hier nicht so stark die Vorurteile gegenüber dem gastgebenden Volk karikiert, sondern Volk und Land eher ein bisschen erfunden und frei gestaltet, nicht zuletzt die Amazonen. Besonders stechen die Zeichnungen der weitläufigen Winterlandschaft ins Auge. Sehr gelungen ist dann am Ende auch die Erklärung, was der Greif denn wirklich sei.
Dieser Band lebt aber auch davon, dass er moderne Trends karikiert. Es wird etwa auf die zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuelle COVID-19-Pandemie mehrmals angespielt (Immunität, Abstand). Und der Name des Legionärs Fakenius ist eine Anspielung auf das Phänomen der Fake News und auf die Verschwörungstheorien der Gegenwart. Die pessimistisch gefärbten Zusammenhänge, die er herstellt, verbreiten sich unter den Soldaten „viral“, sodass sie sich dem Kult der Diana zuwenden und nach Weihrauch verlangen.
Insgesamt ist das hier wieder ein sehr gelungener Band, der viel Spaß beim Lesen macht und wenn man sich die Zeit nimmt einzutauchen, kann man in der Fülle an Details und Anspielungen verloren gehen.
Asterix und der Greif ist übrigens der erste Band der Reihe, der nach dem Tod des Asterix-Zeichners Albert Uderzo im März 2020 erschienen ist. Gleichzeitig ist es der letzte, dessen Entwürfe Uderzo noch vorgelegt worden sind. Als Erinnerung an Uderzo ist auf dem letzten Bild mit dem traditionellen Festmahl eine weinende Eule (Uderzos Lieblingstier) abgebildet. Ähnlich hatte Uderzo selbst seine Trauer über den Tod seines Freundes und Asterix-Miterfinders René Goscinny im Band Asterix bei den Belgiern mit einem weinenden Hasen illustriert.
Band 40, Die weiße Iris (geschrieben von Fabcaro und gezeichnet von Didier Conrad): Weniger Wildschwein, mehr Gemüse, Sport treiben, Konflikte mit Worten lösen statt mit Backpfeifen. „Positives Denken“ ist das achtsame Motto des scheinbaren Weltverbesserers Visusversus, der mit seiner manipulativen Methode ganz Gallien auf den Kopf stellt. Ganz Gallien? Natürlich nicht, denn Asterix durchschaut die üblen Machenschaften, die hinter der lieblichen Fassade stecken.
Der erste Band komplett ohne Uderzos Beteiligung und geschrieben von einem neuen Autor wurde natürlich mit großer Spannung erwartet. Nicht nur ich jetzt, sondern auch viele Kritiker damals haben diesen Band gelobt. Eine gelungene Aneinanderreihung von Wortwitzen und tolle Running Gags bieten durchgehend gute Unterhaltung. Fabcaro teilt mit satirischen Spitzen in alle Richtungen aus, was einfach Spaß macht. Obelix verliert positiverweise etwas von seiner Dümmlichkeit, die ihm nach Goscinny auferlegt wurde und Asterix kann endlich mal wieder mit seiner Klugheit brillieren.
Band 41, Asterix in Lusitanien (geschrieben von Fabcaro und gezeichnet von Didier Conrad): An einem schönen Frühlingsmorgen taucht ein Fremder namens Schnurres im Dorf auf. Er kommt aus Lusitanien, dem sonnenverwöhnten Land westlich von Hispanien, das ebenfalls unter der Herrschaft Roms steht. Schnurres bittet die unbeugsamen Gallier um Hilfe, da er die mächtige Wirkung des Zaubertranks kennt. Sein Freund Schãoprozes wird verdächtigt, Cäsar vergiften zu wollen! Dahinter steckt ein Komplott, das Asterix und Obelix aufdecken müssen. Sie reisen ins heutige Portugal, bekannt für seine Gastfreundschaft sowie Fado, Fliesen und Fischgerichte.
Der neueste Band ist eine wahre Wucht. Er strotzt nur so vor lauter gelungener Witze und liebevoller Details.
Tatsächlich war es in meinem Bekanntenkreis jahrelang leise rund um Asterix und Obelix, aber über diesen Band sprach dann plötzlich jeder. Somit bin ich sehr glücklich, die Gelegenheit bekommen zu haben, den hier zu lesen und ich muss sagen, ich verstehe, warum da herum ein neues Asterix-Fieber ausgebrochen ist. Vielerorts wird er sogar mit dem großen Klassiker Asterix bei den Briten verglichen, dem ich mich anschließe.
Asterix in Lusitanien ist in meinen Augen auch deshalb so gut gelungen, weil hier nicht „nur“ ein witziges Abenteuer erzählt wird, sondern auch eine spannende Detektivgeschichte. Der Fokus auf Handlung hat Asterix meiner Meinung nach gut getan.
Besonders hat mir in diesem Band auch die linguistische Spielerei mit der lusitanischen Sprache gefallen, indem ausgiebig der Buchstabe „Ç“ eingesetzt wird und der Diphthong au als „ão“ wiedergegeben wird.
Fazit: Meine Liebe zu Asterix und Obelix ist neu entflammt und ich werde bei nächster Gelegenheit zu den älteren Bänden greifen, die ich noch nicht gelesen habe, allen voran Asterix bei den Pikten und Der Papyrus des Cäsar. Und natürlich freue ich mich schon auf Band 42, der geplant im Jahre 2027 erscheinen soll.
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