Spiel: Lone Wolves (Pegasus Spiele)

Nettes Wolfsduell.
Von Yasuyuki Nakamura und Anthony Perone (ca. 15 Min.; 2 Spieler)
Lone Wolves ist ein kompaktes Zweipersonenspiel, das die vertrauten Mechanismen eines Stichspiels mit einem taktischen Mehrheitenkampf auf einem gemeinsamen Spielplan verbindet. Als Anführer konkurrierender Wolfsrudel versuchen beide Kontrahenten, die Vorherrschaft in fünf verschiedenen Territorien zu erlangen, indem sie über dreizehn Runden hinweg ihre Handkarten geschickt ausspielen. Ein interessanter Kniff des Duells liegt darin, dass gewonnene Stiche zwar die eigene Präsenz im jeweiligen Gebiet stärken, eine Niederlage aber keineswegs bedeutungslos ist. Wer den Kürzeren zieht, muss seine Karte zwar auf die schwächere Wolfsseite umdrehen, erhält als Ausgleich jedoch wertvolle Narbenplättchen, die bei der finalen Abrechnung spielentscheidende Boni oder Sonderpunkte einbringen können. Zudem sorgt das dynamische System der Trumpffarben, die sich im Verlauf verändern, für ein variables Spielgeschehen. Diese enge Verzahnung erfordert ständige Abwägungen, bringt durch die zufällige Kartenverteilung aber auch eine spürbare Glückskomponente mit sich. Während Genreliebhaber das taktische Lavieren schätzen, kann die leicht unlogische Situation, dass sich Karten in völlig unterschiedlichen Landschaften gegenüberstehen, den thematischen Eindruck etwas trüben. Das Kartenspiel liefert unterm Strich ein solides und schnelles Duell für zwischendurch, das das Rad jedoch nicht völlig neu erfindet.
Fazit: Kann probiert werden.

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Hörbuch: Gomez-Jurado, Juan und Montes, Barbara – Amanda Black 5. So klingt das Grauen (Hörbuch)

Ein weiteres tolles Schatzjägerabenteuer für junge Hörer.
Inhalt: Schwere Zeiten für Amanda Black: Nach dem niederschmetternden Ausgang des letzten Abenteuers gönnt ihre Gegenspielerin ihr keine Ruhe. Sie schlägt die gefährliche Jadeglocke an, und alle, die den Klang des Grauens hören, werden zu Zombies. Amanda ist fest entschlossen, kein zweites Mal zu versagen. Aber gelingt es ihr, das Artefakt zu zerstören, bevor die ganze Stadt der Invasion der Untoten zum Opfer fällt?
Amanda Black 5. So klingt das Grauen setzt die abenteuerliche Saga rund um die junge Schatzjägerin auf gewohnt dynamische Weise fort. In diesem fünften mysteriösen Fall muss sich die taffe Protagonistin einer unheimlichen Bedrohung durch eine verfluchte Jadeglocke stellen, deren unheilvoller Klang Menschen in willenlose Zombies verwandelt. Die Vertonung der altersgerechten Urban Fantasy Erzählung besticht erneut durch eine lebendige Sprecherleistung, welche die Balance zwischen humorvollen Momenten und kindgerechten Gruselelementen treffend einfängt. Fans der ersten vier Bände erwartet bei diesem neuen Kapitel die gewohnte Qualität auf handwerklich hohem Niveau und sie werden mit Sicherheit vollends zufriedengestellt. Die Handlung knüpft geschickt an die etablierten Stärken der Reihe an, treibt die Charakterentwicklung voran und bietet soliden, fesselnden Hörspaß für die Zielgruppe ab zehn Jahren. Wer die bisherigen Missionen der Heldin mochte, bekommt genau die richtige Mischung aus Tempo, Magie und Spannung geliefert, ohne dass das Rad des Genres dabei neu erfunden wird.
Fazit: Empfehlenswert.

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Das Hörbuch wurde dankenswerterweise vom Verlag zu Verfügung gestellt.
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Serie: Tracker – Staffel 3

Weiterhin tolle Unterhalung.
Die Serie schließt qualitativ nahtlos an Staffel 2 an, also mit den gleichen Stärken und Schwächen. Wer diese mochte, wird also auch hier weiter gut unterhalten werden. Die einzelnen Episoden jede Woche, die in sich geschlossen sind, haben einfach Spaß gemacht. Ich freue mich schon auf Staffel 4, die bereits gedreht und im Herbst ausgestrahlt wird.
Wer sich Tracker noch gar nicht gegönnt hat, dem empfehle ich die ersten paar Episoden von Staffel 1 zu schauen, denn dann weiß man, wie der Hase läuft. Gefallen die einem, wird man bis zum Ende von Staffel 3 gut unterhalten werden, gefallen sie einem nicht, sollte man wieder abdrehen, weil sich nichts ändern wird.
Fazit: Empfehlenswert.

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Film: One Battle After Another (2025)

Nichts für mich.
Drama/Action/Thriller mit Leonardo DiCaprio von Paul Thomas Anderson. 162 Min.
Inhalt: Bob ist ein gescheiterter Revolutionär, der in einem Zustand ständiger Paranoia lebt und mit seiner temperamentvollen und selbstständigen Tochter Willa fernab der Zivilisation überlebt. Als sein Erzfeind Lockjaw wieder auftaucht und Willa verschwindet, macht sich der ehemalige Radikale auf die Suche nach ihr, während sowohl Vater als auch Tochter mit den Folgen ihrer Vergangenheit zu kämpfen haben.
Bei One Battle After Another wurden perfekte Zutaten handwerklich großartig zusammengesetzt und dennoch kommt am Ende ein schlechtes Produkt heraus. Die Prämisse des Films ist schon lächerlich, in dem ein weißer Rassist, der gleichzeitig ein ranghoher Sicherheitsbeamter ist, heimlich auf schwarze Frauen steht und dieses Geheimnis verbergen muss, weshalb er schließlich die Leichen in seinem Keller aufräumen will und Jagd auf Leonardo DiCaprio und seine Tochter macht. Dieser potenziell spannende Konflikt versinkt jedoch in einem völlig sinnlosen Plot ohne jegliche tiefere Botschaft, der fast ausschließlich von seiner atmosphärischen Stimmung getragen wird. Entweder man lässt sich komplett auf diesen speziellen Vibe ein oder man schaltet die zähe Inszenierung am besten direkt wieder aus. Ich selbst habe trotzdem bis zum Ende weitergeschaut, obwohl mich dieser Vibe zu keiner Sekunde abgeholt hat, was schlichtweg daran lag, dass ich im Vorfeld überall von der angeblich so großartigen finalen Autoverfolgungsjagd gelesen hatte. Tatsächlich beginnt der eigentliche Film gefühlt erst nach einem späten Zeitsprung, als Leonardo DiCaprio endlich den Entführern seiner Tochter nachjagt und das Ganze in der besagten Autoverfolgungsjagd kulminiert, die jedoch enttäuscht und den endlos langen Leerlauf davor in keiner Weise rechtfertigen kann.
Fazit: Nicht zu empfehlen.

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Gedankensprung: Spiel des Jahres 2026

Die Gewinner stehen fest!
Ich habe letztens meine Prognose für das Spiel des Jahres 2026 an dieser Stelle präsentiert und kann jetzt bekannt geben, dass ich genau alle falsch getippt habe.
„Spiel des Jahres“ wurde also Dito! (Game Factory). Ich war am Sonntag beim Spielefest Wien am Stand von Game Factory, habe aber leider nicht die Gelegenheit ergriffen, Dito! auszuprobieren. Werde ich sicher demnächst nachholen.
„Kinderspiel des Jahres“ wurde Die Insel der Mookies (Kosmos). Kenne ich auch nicht, aber ich habe ja zwei Kinder, um das baldigst zu testen.
„Kennerspiel des Jahres“ schließlich gewann Rebirth (Frosted Games), wodurch Reiner Knizia nun der erste Autor ist, dem das Triple gelungen ist, also Spiel, Kinderspiel und Kennerspiel des Jahres. Rebirth ist jedenfalls jetzt auf meiner Wunschliste ganz nach oben geschossen.

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Gedankensprung: Spielefest Wien 2026

Nach einem Jahr Abwesenheit war ich dieses Jahr endlich wieder beim Spielefest und es hat wieder viel Spaß gemacht.
Das Austria Center Vienna (ACV) stand am vergangenen Wochenende erneut ganz im Zeichen des digitalen und analogen Spielspaßes. 28.700 Gaming-, E-Sport sowie Fans des analogen Spielvergnügens und der Popkultur pilgerten zum Spielefest Wien. Beide Veranstaltungen fanden erneut als Kombi-Event statt, denn der Eintrittspreis inkludierte unbeschränkten Zugang zu allen Bereichen. Einerseits zum digital orientierten Esports Festival, zur analogen Schwesterveranstaltung, dem Spielefest Wien sowie auch zum Food Festival auf dem Vorplatz des ACV. Zusätzlich gab es noch eine Artist Alley, ein Cosplay Village, zahlreiche Spieleverlage, Wiener Spieleclubs und Vereine, Prototypen von unabhängigen Spieleautoren, einen Trading Card Bereich sowie eine Merch-Zone mit zahlreichen Verkaufsständen.
Meine persönlichen Eindrücke könnt ihr auf meinem Instagram-Profil einsehen.
Ich selbst bin mit meinen Kindern hauptsächlich wegen der analogen Spiele hingegangen und wir haben daher zunächst die meiste Zeit im Erdgeschoss und im Untergeschoss verbracht. Dort hat man in den Spielebereichen von all den anderen Dingen drum herum angenehemerweise nichts mitbekommen und konnte in Ruhe spielen, wenn man einen Tisch gefunden hat. Die Supporter bei den verschiedenen Spieleverlagen und die Prototypen-Testrunden waren echt super.
Was ich an dieser Stelle als Kritik anbringen möchte, ist die Ecke von der Spieleakademie und dem Österreichischen Spielepreis. Da ja vor zwei Wochen der Österreichische Spielepreis 2026 bekannt gegeben worden ist, wollte ich natürlich die Gelegenheit nutzen, diese Preisträger dort zu testen. Dass das Spielefest selbst in dieser Situation diesen Spielepreis nicht irgendwo markant zur Schau stellt, finde ich schade, dass es aber bei der Ecke selbst keinen großen auffälligen Banner gab und dass Thalia, das ja Partner vom Österreichischen Spielepreis ist, in der Merch-Zone auch keine extra Werbung dafür machte, fand ich schon seltsam. Ich meine, warum macht man sich als Verein die Mühe, so einen Spielepreis auf die Beine zu stellen, mit Presseaussendungen zu promoten und dann bei der ersten Gelegenheit, dem Spielefest Wien, versinkt man.
Doch außer diesem Kritikpunkt gab es eigentlich nichts zu bemängeln. Nach mehreren Spielen an verschiedenen Ständen haben wir uns einen köstlichen Snack beim Food Festival geholt und sind danach in die Obergeschosse spaziert, um den digitalen Spielebereich zu erkunden. Eine komplett andere Welt, aber akustisch wunderbar abgetrennt und dort war es auch sehr spannend. Für meine Kinder und mich war der Cosplay Catwalk das Highlight. Wirklich wunderschöne, kreative Kostüme.
Danach haben wir uns noch ein paar Brettspiele gegönnt und auf dem Heimweg musste ich in der Merch-Zone natürlich Geld liegen lassen.
Insgesamt war es wieder ein wirklich tolles Spielefest, für mich leider nur ein Tag statt zwei, aber ich freue mich schon auf nächstes Jahr und dann habe ich hoffentlich wieder das komplette Wochenende Zeit.
Als Abschluss hier noch ein Zitat von Manuel Haselberger, dem Organisator des Festivals: „Das Esports Festival und Spielefest haben heuer erneut bewiesen, dass der Mix aus analogem Brettspielspaß, digitaler E-Sport- und Gaming Action sowie einem abwechslungsreichen Programm mit Festivalcharacter bestens ankommt. Mit unserem Kombi-Event sind wir inzwischen zu einem der bedeutendsten europäischen Veranstaltungen der Spielebranche – sowohl digital als auch analog – geworden. Die familiäre, community-nahe und ungezwungene Atmosphäre macht das Esports Festival und Spielefest so besonders und einzigartig.” (Besucherzahlen und Zitat aus der Presseaussendung des Esports Festival und Spielefest Wien)

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Spiel: 2 Win (Pegasus Spiele)

Spannende Zahlenleiter.
Von Florian Racky (ca. 15 Min.; 2-6 Spieler)
2 Win präsentiert sich als ein schnelles und schnörkelloses Familienspiel, das auf einem simultanen Zahlenmechanismus basiert. Das grundlegende Ziel in diesem kompakten Kartenspiel besteht darin, durch das geschickte Ausspielen von zwei Handkarten fortlaufend höhere zweistellige Zahlenwerte als in der vorherigen Runde zu bilden. Da alle Teilnehmenden ihre Ziffernkarten von eins bis neun gleichzeitig offenbaren, entsteht eine kurzweilige Spieldynamik mit einer Prise Nervenkitzel. Zusätzlichen taktischen Spielraum liefert das Nachziehen neuer Karten, welches an bestimmte Bedingungen wie das Legen eines Pasches, das Sammeln von Sternen oder Farbkombinationen gekoppelt ist. Wer keine Steigerung mehr vorweisen kann, scheidet unweigerlich aus, sodass am Ende nur eine Person übrig bleibt. Diese gnadenlose Elimination sorgt zwar für eine hohe Interaktion, kann bei unglücklichen Kartenverteilungen jedoch auch zu frühzeitigen Frustmomenten führen. Das Design der Karten ist übersichtlich gestaltet und das Regelwerk innerhalb weniger Minuten verstanden. Für zwischendurch oder als unkomplizierter Absacker eignet sich der Titel durchaus, bietet tiefgründigen Taktikfans auf lange Sicht allerdings etwas zu wenig strategische Varianz.
Fazit: Empfehlenswert.

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Film: G.O.A.T. (2026)

Tolle Sportaction.
Animation/Sport/Komödie mit Caleb McLaughlin von Tyree Dillihay und Adam Rosette. 100 Min.
Inhalt: Will ist ein kleiner Ziegenbock mit großen Träumen. Als er unerwartet die Chance erhält, in die Profi-Liga von Roarball aufzusteigen – einer extrem intensiven Sportart, die den schnellsten und wildesten Tieren vorbehalten ist -, will er diese Gelegenheit unbedingt nutzen. Das Problem: Seine neuen Teamkollegen sind nicht gerade begeistert, den Kleinen im Team zu haben. Doch Will ist zu allem bereit, um die Spielregeln zu ändern.
Sony Pictures Animation landet mit G.O.A.T. den nächsten Volltreffer und begeistert die gesamte Familie mit einem ungemein charmanten Spektakel. Die Geschichte um den kleinen Ziegenbock Will Harris, der trotz seiner geringen Körpergröße in der rasanten und von Riesenviechern dominierten Sportart Roarball mitmischen möchte, erweist sich als herzerwärmendes Porträt über den Glauben an die eigenen Träume. Das kreative Team treibt das Spiel mit den extremen tierischen Größenunterschieden gekonnt auf die Spitze und sorgt damit für reichlich visuellen Witz. Besonders die Nebenfiguren wie der völlig abgedrehte Komodowaran Modo stehlen in fast jeder Szene die Show und garantieren Lacher. Visuell brennt das Studio ein wahres Feuerwerk ab, das mit seinen dynamischen Bildern und den spektakulären Stadien stark an den modernen Stil der bekannten Spider-Verse Abenteuer erinnert und fantastisch aussieht. Trotz des enorm hohen Tempos verliert der Film seinen warmherzigen Kern und die wichtige Botschaft über echten Zusammenhalt nie aus den Augen. Für alle Fans von rasanten Animationshits ist dieser grandiose Ausflug in die wilde Tierwelt ein absolutes Muss.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Gedankensprung: Wenn Brettspiele vor lauter Regeln das Spielen vergessen

Die goldene Ära der Brettspiele hält an, doch sie leidet unter einer wachsenden Krankheit: dem Hang zur künstlichen Komplexität. Moderne Expertenspiele, im Fachjargon oft als „Eurogames“ bezeichnet, scheinen zunehmend einem fatalen Trugschluss zu erliegen. Viele Autoren und Verlage verwechseln eine hohe Anzahl an verschachtelten Regeln mit spielerischer Tiefe. Das Ergebnis sind aufgeblähte Regelmonster, die mechanisch überladen wirken, ohne dadurch mehr Spielspaß oder eine tiefere atmosphärische Bindung zum Thema zu bieten. Man spielt nicht mehr, man verwaltet nur noch.
Früher zeichneten sich gute Strategiespiele dadurch aus, dass sie mit wenigen, eleganten Regeln eine enorme taktische Vielfalt erzeugten. Heute hingegen dominiert das Prinzip des „Point Salad“ – man bekommt für absolut jede banale Aktion irgendwo auf dem Spielfeld Punkte. Um das zu erreichen, werden verschiedene spielmechanische Systeme lieblos aneinandergeklebt. Es gibt Ressourcenketten, die über fünf Stationen laufen, nur um am Ende einen banalen Siegpunkt zu generieren. Wenn diese Komplexität weder der Geschichte des Spiels dient noch spannende Entscheidungen erzwingt, wird das Brettspiel zur Arbeit. Es entsteht eine kognitive Überlastung, die den Spielfluss komplett ausbremst.
Ein Paradebeispiel für diesen Trend ist das von Skellig Games im deutschsprachigen Raum vertriebene Darwin’s Journey. Das Thema klingt faszinierend: Wir reisen auf den Spuren von Charles Darwin zu den Galápagos-Inseln, entdecken Arten und entwickeln die Evolutionstheorie weiter. In der Realität wird dieses epische Thema jedoch unter Bergen von bürokratischen Mikromechaniken begraben. Das Spiel nutzt ein Worker-Placement-System, das durch ein extrem kleinteiliges Wachssiegel-System erweitert wird. Arbeiter müssen erst mit farbigen Siegeln qualifiziert werden, um bestimmte Aktionen überhaupt ausführen zu dürfen. Dazu kommen evolutionäre Pfade, Korrespondenzen, Schiffsbewegungen und Museums-Wertungen, die alle über eigene Sonderregeln miteinander verzahnt sind. Statt das Gefühl zu haben, eine unberührte Welt zu erforschen, fühlt sich Darwin’s Journey an wie das Ausfüllen einer komplexen Steuererklärung. Die thematische Immersion geht völlig verloren, weil man permanent damit beschäftigt ist, die Verwaltung der eigenen Arbeiter und Siegel im Kopf zu jonglieren. Der mechanische Aufwand steht in keinem Verhältnis zum emotionalen Ertrag.
Dass dieses Problem nicht nur monumentale Großprojekte betrifft, zeigt das ebenfalls bei Skellig Games erschienene Bamboo. Das Spiel kommt optisch wunderschön und scheinbar zugänglich daher. Es geht um das Management einer Familie, die Bambus anbaut und ihr Heim dekoriert, um die Geister des Waldes (Kami) gnädig zu stimmen. Doch hinter der idyllischen Fassade verbirgt sich ein mechanisches Dickicht. Bamboo zwingt die Spielenden in ein Korsett aus extrem verschachtelten Phasen. Um eine einfache Aktion auszuführen, müssen Bambusstäbe passend farblich optimiert, Räucherstäbchen eingesetzt, Nahrung balanciert und Heim-Plättchen nach strengen Mustervorgaben angeordnet werden. Das Spiel erlegt den Spielenden künstliche Hürden auf, die sich nicht aus dem Thema ableiten, sondern rein mathematischer Natur sind. Jede Aktion zieht einen Rattenschwanz an Abrechnungen nach sich. Am Ende bleibt das unbefriedigende Gefühl, dass man eine eigentlich einfache Aufgabe – das Dekorieren eines Hauses – durch ein absurdes Labyrinth aus bürokratischen Spielregeln schleifen musste. Der Spielspaß bleibt dabei auf der Strecke.
Spiele wie Darwin’s Journey und Bamboo zeigen eine besorgniserregende Entwicklung der Brettspielbranche. Komplexität wird zum Selbstzweck erhoben, um einer vermeintlich anspruchsvollen Zielgruppe „Gewicht“ vorzugaukeln. Wenn das Regelheft jedoch dicker ist als die Freude am eigentlichen Spielen und das Thema nur noch als dünner Anstrich über einem mathematischen Getriebe dient, hat das Spieldesign versagt. Es wird Zeit, dass Autoren und Verlage sich wieder auf die Kunst der Eleganz besinnen: Spiele zu erschaffen, die durch kluge Interaktion und tiefgründige Entscheidungen fordern und nicht durch das fehlerfreie Verwalten von dreißig verschiedenen Mini-Regeln.

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Film: Enola Holmes 3 (2026)

Gelungene Fortsetzung.
Mystery/Krimi/Abenteuer mit Millie Bobby Brown von Philip Barantini. 105 Min.
Inhalt: Enola Holmes steht kurz vor der Vermählung mit Tewkesbury. Das Glück scheint perfekt, allerdings zweifelt Enola noch, ob sie wirklich heiraten und den Namen Tewkesbury annehmen möchte. Denn damit würde sie auch ein Stück ihrer Identität als eine Holmes aufgeben. Ausgerechnet am Morgen vor ihrer geplanten Hochzeit auf Malta erfährt sie von Dr. Watson, dass ihr Bruder Sherlock Holmes entführt wurde. Enola macht sich kurzerhand auf die Suche nach Sherlock.
Enola Holmes 3 ist ein mitreißendes Filmerlebnis, das die erfolgreiche Reihe auf ein neues Niveau hebt. Dieses Mal führt uns die Geschichte in das traumhafte Setting von Malta, dessen sonnenverwöhnte Gassen und historische Kulissen eine atemberaubende visuelle Pracht entfalten. Von der ersten Minute an versprüht der Film ein wunderbares Abenteuer-Feeling, das das Publikum sofort in seinen Bann zieht und die perfekte Balance zwischen Humor und Spannung hält. Besonders beeindruckend ist der clever konstruierte und sichtlich gut recherchierte Plot um die Entführung von Sherlock Holmes, der mit logischen Wendungen und historischen Details glänzt. Millie Bobby Brown brilliert wie gewohnt in ihrer Rolle und macht diesen dritten Teil zu einem echten Highlight für alle Krimifans.
Fazit: Empfehlenswert.

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