Magischer Pflanzenkrieg.
Von Adam E. Daulton (ca. 30 Min.; 1-5 Spieler)
Power Plants tarnt sich als charmantes, buntes Legespiel im Zauberwald-Stil, entpuppt sich am Tisch aber als knallhartes, taktisches Area-Control-Feuerwerk. Unter der fantasievollen und detailverliebten Optik von Apolline Etienne verbirgt sich ein erstaunlich konfrontatives Puzzle, bei dem sich die Spielenden sprichwörtlich gegenseitig das Wasser, oder vielmehr den magischen Boden, abgraben. Es kombiniert geschickt Plättchenlegen mit harten Mehrheitenkämpfen und punktet durch eine enorme Variabilität.
Das Spielprinzip dreht sich um den gemeinsamen Anbau eines magischen Gartens. Alle Beteiligten schlüpfen in die Rolle von Zauberern, die um das einzige fruchtbare Beet der Region buhlen, um dort wertvolle magische Zutaten zu ernten. Zu Beginn zieht jeder zwei hexagonale Pflanzenplättchen aus einem Stoffbeutel. Wer am Zug ist, legt genau eines dieser Plättchen an den bereits ausliegenden, gemeinsamen Garten an. Danach wird die eigene Zauberer-Figur auf dieses neu platzierte Feld gestellt. Nun folgt das mechanische Herzstück des Spiels: die Entscheidung zwischen zwei völlig unterschiedlichen Aktivierungsarten.
Die „Sprout“-Aktion löst die mächtige Hauptfähigkeit dieser spezifischen Pflanze aus, während die „Grow“-Aktion stattdessen alle direkt angrenzenden Plättchen, die schon vorher im Garten lagen, aktiviert. Dieser Kniff erfordert ständiges Abwägen.
Nach der Aktivierung wird der Zauberer wieder vom Feld genommen, ein neues Plättchen nachgezogen und der nächste Spieler ist an der Reihe. Auf den ausgelegten Beeten sammeln sich im Laufe der Partie immer mehr Feen der verschiedenen Spieler sowie wertvolle Edelsteine an. Das Spiel endet, sobald eine bestimmte Anzahl an Plättchen verbaut wurde. Bei der finalen Abrechnung wird jedes zusammenhängende Beet aus identischen Pflanzenarten gewertet. Wer in einem solchen Gebiet die Mehrheit an Feen besitzt, streicht die Punkte für alle dort liegenden Plättchen sowie die darauf gesammelten Edelsteine ein.
Jede Partie fühlt sich dabei anders an. Aus einem Pool von insgesamt acht verschiedenen Pflanzensorten werden pro Spiel immer nur fünf ausgewählt. Da jede Pflanze über zwei völlig unterschiedliche Verhaltensmuster verfügt, lässt sich der Aggressionsgrad und die Komplexität einer Runde vorab extrem präzise steuern. Während das „Honigblatt“ für ein friedlicheres Verteilen von Feen sorgt, bricht mit dem „Rankendorn“ eine erbarmungslose Verdrängungsschlacht aus, bei der gegnerische Arbeiter kurzerhand vom Feld gefegt werden.
Power Plants ist ein spielerischer Tausendsassa, der die perfekte Balance zwischen Zugänglichkeit und strategischer Tiefe meistert. Die Regeln sind innerhalb von fünf Minuten verstanden, doch das taktische Potenzial entfaltet sich erst beim geschickten Kombinieren der Pflanzenfähigkeiten. Man darf sich von der niedlichen Aufmachung nicht täuschen lassen: Das Spiel kann im positiven Sinne richtig fies werden, da sich die Mehrheitsverhältnisse auf dem Spielfeld im Sekundentakt verschieben können. Wer ein schnelles, hochgradig variables Taktikspiel mit hoher Interaktion sucht, bekommt hier eine dicke Empfehlung für den nächsten Spieleabend.
Fazit: Empfehlenswert.
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Das
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