Kasachstan 2017

Alle Jahre wieder verbringe ich etwas Zeit in Almaty, der größten Stadt Zentralasiens, modern, westlich, schön und am Nordrand eines Himalaya-Ausläufers gelegen. Bevor ich aber davon berichte, möchte ich noch kurz was zum Flug erzählen. Wir sind mit KLM über Amsterdam geflogen. Die Landung beim Zwischenstopp in Amsterdam war ziemlich holprig und uns ist auch aufgefallen, dass der Pilot sich nicht vorgestellt hatte. Also bleibt nur eine Erklärung: Der König der Niederlande war unser Pilot!
Da zwischen meinen Almaty-Besuchen immer etwa ein Jahr liegt, fallen mir Veränderungen immer mehr auf als den Einheimischen. Was also gab es diesmal? Die Städt wächst wie immer und mehr Gebäude werden gebaut, auch die Qualität des Verkehrs hat sich durch hartes polizeiliches Eingreifen enorm verbessert. Alle bleiben stehen, wenn ich am Zebrastreifen warte!
Am heftigsten ist mir aber eine demografische Veränderung aufgefallen. Während die Kasachen die Stadt in Massen verlassen und in die neue Hauptstadt Astana ziehen – künstlich aus dem Boden gestampft und jetzt politisches Zentrum – kommen viele Russen aus den Dörfern nach Almaty und auch eine große Welle Ukrainer ist aufgrund der dortigen Krise hierher gezogen. Wenn man also etwas herumspaziert oder auf einen Spielplatz geht, hat man das Gefühl, irgendwo in Russland zu sein. Von den Zahlen her machen Kasachen immer noch die Mehrheit in Almaty aus, man würde das aber basierend auf einem Spaziergang nicht glauben.
Da wir schon bei Russland sind: In Kasachstan ist man natürlich voll den russischen Medien und der entsprechenden Propaganda ausgesetzt. Da gab es etwa, in europäischen Medien unerwähnt, einen starken Hurrikan, der in Moskau 11 Menschen tötete, dann weiter über Russland nach Kasachstan zog und dort auch etwa 20 Menschen tötete. Was war eine der Theorien? Eine experimentelle Klimawaffe der USA. Im offiziellen Fernsehen wohlgemerkt. Und ebenfalls dort hat eine Wahrsagerin erklärt, dass Donald Trump vom CIA erschossen werden würde. Die nationalen kasachischen Medien stehen aber in der Propaganda in nichts nach, wobei es dort hauptsächlich darum geht, das eigene Land schönzureden, in den Himmel zu preisen. Da stand etwa in einer Zeitung, dass eine unabhängige Forschung von einer amerikanischen geographischen Gesellschaft zum Schluss gekommen sei, dass das kasachische Volk weltweit vom Standpunkt der sexuellen Anmut das schönste Volk der Welt sei. Puh, wenn unabhängige amerikanische Wissenschaftler das sagen, muss es ja stimmen. Dass ich diese Studie im Internet jedoch nirgends gefunden habe, tut hier nichts weiter zur Sache.
Für Touristen ist Kasachstan allgemein ein tolles Land geworden, da dort jetzt alles enorm billig ist. Als ich vor 5 Jahren das erste Mal dort war, hätte ich keine preislichen Unterschiede feststellen können. Doch als dann gegen Russland Sanktionen erhoben wurden und der Rubel abstürzte, fielen auch sämtliche zentralasiatischen Länder in eine wirtschaftliche Krise – wiederum etwas, das in europäischen Medien nicht erwähnt wird. Das Problem war, dass der kasachische Tenge an Wert verlor, die Geschäfte aber die Preise auf altem Niveau hielten, wodurch alles sauteuer wurde und sich normale Arbeiter kaum noch etwas leisten konnten. Dann geschah etwas einzigartiges in der Geschichte Kasachstans: Der Präsident hat die Proteste nicht wie üblich brutal niedergeschlagen und die Rädelsführer ins Gefängnis geworfen, sondern er hat die Geschäfte angewiesen, die Preise auf das Lohnniveau zu senken. Dadurch sind die Preise für die Menschen dort so wie die Preise hier in Europa für uns. Das bedeutet aber, dass wir Europäer dort sehr billig einkaufen können. Vor fünf Jahren war 1 Euro in etwa 200 Tenge. Jetzt ist 1 Euro 350 Tenge. Beispiel: Vor fünf Jahren habe ich ein T-Shirt für 2.000 Tenge gekauft, das waren 10 Euro. Das T-Shirt kostet heute auch noch 2.000 Tenge, weil es ja auf dem Niveau der Bevölkerung bleiben muss, aber in Euro wären das jetzt in etwa 5 Euro. Der Kasachische Tenge bleibt aber nicht stehen, sondern fällt immer weiter, weshalb die Menschen dort, sobald sie etwas Geld bekommen, es sofort in Euro oder Dollar umwechseln und erst wieder in Tenge zurücktauschen, sobald sie es brauchen. Das klingt vielleicht seltsam, aber damit kann man wirklich einige Euro gewinnen.
Wie dem auch sei, ich liebe diese Stadt, das Land und die Menschen. Das Essen ist super, die Berge wunderschön und die Steppe fantastisch. Leider war diesmal nur schlechtes Wetter, weshalb wir nicht viel unternehmen konnten. Aber wir gingen ins Kino, doch darüber schreibe ich später.

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2 Antworten zu Kasachstan 2017

  1. Ma-Go schreibt:

    Wo sind die Fotos? 😊

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