Es geht großartig weiter.
Die vierte Staffel der gefeierten Neo Noir Serie Dark Winds führt das packende Thriller Drama auf ein völlig neues Niveau. Die Entscheidung der Serienschöpfer den vertrauten Mikrokosmos der Reservation im Südwesten für mehrere Episoden zu verlassen und das Ermittler-Trio um Joe Leaphorn mitten in das staubige und gefährliche Los Angeles der Siebziger Jahre zu werfen, bricht die klassischen Western-Strukturen perfekt auf. Dieser geografische Kontrast beleuchtet das Leben der Navajo außerhalb ihrer gewohnten Heimat auf eine ungeschönte und authentische Weise. Man spürt förmlich die Isolation und die kulturelle Entwurzelung der Figuren in der Metropole, während sie versuchen die Philosophie von Hózhó zur inneren Balance zu bewahren.
Ein absolutes Highlight ist dabei die deutsche Antagonistin Irene Vaggan, gespielt von einer eiskalten Franka Potente. Ihre obsessive Fixierung auf Joe Leaphorn entspringt einer verklärten und traumatischen Kindheitserinnerung an die Winnetou-Romane von Karl May. Diese unerwartete Meta-Ebene, in der das europäische Idealbild des edlen Indianers auf die knallharte und von Rassismus geprägte Realität der indigenen Amerikaner trifft, gibt der Staffel eine grandiose psychologische Tiefe. Obwohl das US-Publikum mangels popkultureller Berührungspunkte mit Karl May die Figur Winnetou selbst kaum kennt, verstehen die amerikanischen Zuschauer die Meta-Ebene dank der pointierten Dialoge hervorragend. Die Serie entlarvt die europäische Indianerbegeisterung für das US-Publikum gekonnt als das, was sie ist, nämlich eine rein fiktive und problematische Romantisierung.
Zahn McClarnon liefert in den neuen Episoden nicht nur schauspielerisch eine Meisterleistung ab, sondern beweist bei seinem Regiedebüt auch ein fantastisches Gespür für Atmosphäre und Pacing. Dank des gigantischen Erfolgs auf Streaming Plattformen hat der Sender AMC die Serie bereits offiziell um eine fünfte Staffel verlängert. Die Dreharbeiten in Santa Fe für die Fortsetzung sind bereits abgeschlossen, so dass Fans sich schon im Jahr 2027 auf die Auflösung des dramatischen Cliffhangers freuen dürfen.
Wer intelligent geschriebene Kriminalgeschichten mit tiefgründiger gesellschaftlicher Relevanz sucht, kommt an dieser meisterhaften Fortsetzung absolut nicht vorbei.
Fazit: Sehr zu empfehlen.
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