Gedankensprung: Golden Kamuy II (Manga)

Vor über vier Jahren habe ich an dieser Stelle das großartige Manga Golden Kamuy präsentiert. Da in dieser Woche das letzte Kapitel davon erschienen ist, wollte ich noch einmal ein paar Worte dazu verlieren.
In diesem Manga geht es um die Zeit kurz nach dem Russisch-Japanischen Krieg 1904. Es spielt in Hokkaido mit Fokus auf den Ainu. Diese sind die indigene Bevölkerung Hokkaidos, die Ureinwohner jener Insel. Dieses Manga bietet nicht nur eine sehr spannende Geschichte mit interessanten Charakteren, sondern ist gleichzeitig auch ein historisches Sachbuch und eine ethnographische Enzyklopädie zu den Ainu. Dieses Manga ist extrem gut recherchiert und präsentiert spannende Informationen auf leicht zugängliche Art. Wirklich überaus gut gelungen.
Es ist leider teilweise etwas grotesk und nichts für schwache Nerven, aber über diese Szenen kann man eigentlich problemlos drüber fliegen.
Es ist auch ein Anime zu diesem Manga produziert worden, das leider optisch nicht sehr ansprechend ist und die interessanten Aspekte, eben historische und ethnographische Ausführungen, außen vor lässt. Das Anime kam bei den Fans nicht gut an und wurde dann auch abgesetzt, ist also im Gegensatz zum Manga nicht abgeschlossen. Entsprechend empfehle ich das Anime einfach zu ignorieren und stattdessen das Manga zu lesen, wenn man es irgendwie in die Hände bekommt.
Golden Kamuy ist, wie anfangs bereits erwähnt, abgeschlossen. Es ist natürlich ein ordentliches, umfassendes und zufriedenstellendes Ende, andernfalls würde ich das Manga nicht empfehlen. Als Epilog gibt es dann auch noch historische Ausführungen, wie es in Hokkaido nach dieser Geschichte weiterging. Also bis zum letzten Satz interessant zu lesen.

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Buch: Star Wars. Die Hohe Republik 2 – Im Zeichen des Sturms (Cavan Scott)

Tolle Fortsetzung einer spannenden Geschichte.
Inhalt: Unter dem Schutz der Jedi wächst die Hohe Republik und vereint immer mehr Welten unter einem einzigen Banner. Kanzlerin Lina Soh veranstaltet eine große Messe, um die Möglichkeiten und den Frieden der expandierenden Hohen Republik zu präsentieren. Doch diese Demonstration der Harmonie schürt auch den Zorn der Nihil. Sie fallen über die Feierlichkeiten her und säen Chaos und Tod. Während die Jedi versuchen, das Gemetzel der Nihil einzudämmen, erkennen sie, welche Angst ihr Feind in der ganzen Galaxis zu entfesseln vermag – eine Angst, vor der nicht einmal die Macht der Jedi schützen kann.
Wem bereits der erste Teil gefallen hat, der wird auch hier wieder auf seine Kosten kommen. Alles, was mir bereits da gefallen hat, gefällt mir auch hier. Speziell finde ich, dass die Nihil richtig interessante Gegner sind. Und nicht zu vergessen, diese Bücher sind nicht abgeschlossen, sondern erzählen eine fortlaufende Saga. Im Zeichen des Sturms setzt also voraus, dass man den ersten Band gelesen hat und hinterlässt einige offene Handlungsstränge, die dann nächstes Jahr im dritten Teil fortgeführt werden. Es gibt keine Informationen darüber, auf wie viele Bücher diese Saga angesetzt ist, aber momentan gefällt sie mir sehr gut und ich werde weiter dran bleiben.
Der einzige negative Punkt ist der gleiche wie bereits beim ersten Band, nämlich zu viele Charaktere. Ich hatte in der Zwischenzeit leider bereits sämtliche Namen vergessen und wurde dann direkt wieder in den Plot geworfen. Es war wirklich schwer wieder nachzuvollziehen, wer im ersten Band was gemacht hat. Mit der Zeit kamen die Erinnerungen eh wieder zurück, aber ich hätte mir viel früher entsprechende kurze Rückblenden gewünscht, damit man von Anfang an voll drinnen ist. Andererseits hat es mich nicht zu sehr gestört, denn der Plot ist sehr spannend und man ist rasch gefesselt.
Neben den Büchern von Blanvalet gibt es auch noch weitere Star Wars Bücher von Panini, die ebenfalls in der Hohen Republik spielen. Ich hatte bereits einmal darüber geschrieben, dass da Chaos vorprogrammiert ist, weil einfach total unklar ist, was da jetzt konkret in welcher Weise zusammengehört. Nun, ich kann alle beruhigen, die Bücher von Panini sind komplett unabhängig von Blanvalet. Diese Saga ist eine Geschichte, die für sich alleine steht. Nun, fast. Die Panini-Bücher können parallel zu diesen Büchern gelesen werden. Es gibt nämlich bestimmte Charaktere und Ereignisse, die hier nur in einem Nebensatz erwähnt werden, aber bei Panini als eigenes Buch erschienen sind. Wer also mehr dazu wissen möchte, kann danach greifen. Konkret empfehle ich diese Auflistung der Jedi-Bibliothek, wenn man tiefer in dieses Franchise eintauchen möchte.
Mit anderen Worten: Wer nur die Hauptsaga lesen möchte, kann problemlos zu den Büchern von Blanvalet greifen. Wer aber da tiefer eintauchen möchte, verschiedene Nebencharaktere und Hintergrundereignisse besser kennenlernen möchte, kann zusätzlich die Bücher und Comics von Panini lesen. Persönlich wäre ich durchaus daran interessiert, die passenden Comics und Mangas zu lesen. Mal schaun, ob sich das irgendwann zeitlich ausgeht.
Fazit: Weiterhin empfehlenswert.

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Film: Yaksha – Ruthless Operations (2022)

Cooler koreanischer Spionage-Actionfilm.
Action / Thriller mit Park Hae-Soo von Na Hyeon. 125 Min.
Inhalt: Ein Staatsanwalt, der in einer gefährlichen Stadt eine geheime Mission und deren Anführer unter die Lupe nehmen soll, gerät in einen tödlichen Krieg zwischen Spionen.
Der Film spielt in einer chinesischen Stadt am Ländereck China-Nordkorea-Russland. An diesem weltpolitischen Hotspot hat jede größere Nation irgendwelche Agenten positioniert und dass da Konflikte entstehen, ist klar. Dieses Wirrwarr aus Geheimdiensten ist Teil des Charmes dieses Films. Wer kooperiert mit wem? Wer hat eigene Pläne? Und wer ist ein Maulwurf?
In dieses eh schon hochexplosive Gemisch wird ein Staatsanwalt geworfen, der sofort mit dem Missionsleiter in Konflikt gerät. Denn während der Staatsanwalt alles regelkonform machen möchte, damit es dann bei der Nachbereitung der Mission und den Verurteilungen zu keinen Problemen kommt, bewegt sich der Missionsleiter ständig in einer juristischen Grauzone und scheut auch nicht davor zurück, für die „Gerechtigkeit“ Regeln zu brechen. Dieser zwischenmenschliche Konflikt ist der eigentliche Kern des Films.
Der Film ist durchaus spannend, mit interessanten Charakteren und einigen coolen Actionszenen, bietet also insgesamt gute Adrenalinunterhaltung.
Fazit: Empfehlenswert.

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Spiel: Memoarrr! (Pegasus Spiele)

Tolle Variante von Memory.
Von Carlo Bortolini (ca. 10-20 Min.; 2-4 Spieler)
In diesem lustigen Kartenspiel geht es nicht darum, klassisch zwei passende Karten zu finden und aufzunehmen, sondern einfach eine passende Karte umzudrehen. Jede Karte hat ein Tier und eine Landschaft. Der Startspieler deckt zufällig eine Karte auf und der nächste Spieler muss eine Karte aufdecken, bei der entweder das Tier oder die Landschaft identisch ist. Der nächste Spieler muss dann eine Karte finden, die zur zuletzt aufgedeckten Karte passt. Das geht reihum so lange weiter, bis einer falsch aufdeckt. Danach werden alle Karten umgedreht, bleiben aber auf ihrem Platz. Man muss sich als über mehrere Runden hinweg merken, wo welche Karten liegen, was dazu führt, dass in jeder Runde mehr Karten aufgedeckt werden, der Weg also immer länger wird.
Das Spiel funktioniert super und macht viel Spaß. Speziell mit Kindern, die gerne Memory spielen, ist das eine großartige Alternative.
Fazit: Empfehlenswert.

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Buch: Taylor, Dennis E. – Himmelsfluss (Bobiversum 4)

Großartige Rückkehrs ins Bobiversum.
Inhalt: Hundert Jahre ist es jetzt her, dass Bender sich auf den Weg zu den Sternen gemacht hat. Seither haben Bob und die Klone nichts mehr von ihm gehört. Bob ist fest entschlossen, eine Expedition in den Deep Space zu organisieren, um herauszufinden, was mit Bender geschehen ist, doch er hat ein gewaltiges Problem: Inzwischen sind seine Klone in der 24. Generation. Manche von ihnen haben sich so verändert, dass sie gar nicht mehr er selbst zu sein scheinen. Sie haben ihre eigenen Pläne. Und so droht über Bobs Suchaktion ein Bürgerkrieg zwischen den Klonen auszubrechen.
Das hier ist ein Paradebeispiel für ein tolles Buch, das sich hinter einem schlechten Klappentext versteckt. Meine Erwartungshaltung war nämlich die Geschichte eines ausufernden Bürgerkriegs innerhalb des Bobiversums zu lesen, doch stattdessen geht es hauptsächlich um die Suche nach Bender, die Entdeckung einer Megastruktur und die Erforschung dieser. Der Bürgerkrieg ist nur eine Randnotiz, die der Suche eine zusätzliche Dramatik verleiht, aber eben nicht im Zentrum steht. Und das hat mir einfach sehr gut gefallen. Denn beim dritten Band hatte ich ja kritisiert, dass „das Element des Entdeckens und Erforschens viel zu kurz kommt“. Anscheinend war ich da nicht der Einzige mit dieser Kritik und der Autor hat sich das offensichtlich zu Herzen genommen, denn dieses Buch strotzt wieder davon und trifft voll meinen Geschmack. Ja, ich bin einfach nur begeistert.
Der Autor hatte ja eigentlich mit dem Bobiversum abgeschlossen und ein paar andere Bücher geschrieben, wie etwa Die Singularitätsfalle, doch diese waren weder kommerziell noch bei Kritikern ein Erfolg. Es herrschte also die berechtigte Angst, dass dieser vierte Band im Bobiversum nur nachgeschoben wurde, um einen weiteren Erfolg verbuchen zu können. Doch im Gegenteil fühlt es sich so an, als hätte der Autor nach vielen Jahren einfach eine Idee gehabt und ist deshalb in das bekannte Franchise zurückgekehrt, ohne Druck oder Zwang, einfach um eine neue Geschichte zu erzählen.
Das Ende ist wie bereits beim dritten Band zufriedenstellend und funktioniert als Abschluss der Buchreihe, lässt aber auch genug Möglichkeiten, um wieder hierher zurückzukehren und ich bin dann sicher wieder dabei.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Serie: Severance – Staffel 1

Tolle Serie, aber wider Erwarten nicht abgeschlossen.
In dieser spannenden, leicht düster-dystopischen Mystery-Serie geht es um die Frage, wie man Privatleben und Arbeitsleben am effektivsten voneinander trennen kann. Dazu wurde die Severance-Technologie erfunden, wodurch Menschen am Arbeitsplatz keine Erinnerung an ihr Privatleben haben und umgekehrt. Die Menschen führen also konkret zwei Leben.
Die Serie verfolgt nun das Leben der „Arbeiter“, die ja keine Wahl hatten, derart zu existieren und deren Versuche, rauszufinden, was diese Firma wirklich macht. In diesem Sinne ist es eine sehr gut gemachte und sehr spannende Serie. Das einzige, was mir gefehlt hat, ist eine größere Thematisierung der Auswirkungen einer solchen Technologie auf das breitere gesellschaftliche Leben.
Was micht aber wirklich geärgert hat, ist die Tatsache, dass Severance als Miniserie beworben wurde und ich daher dachte, dass sie abgeschlossen ist. Doch stattdessen gibt es einen brutalen Cliffhanger und eine zweite Staffel wird folgen. Natürlich, wenn man sich regelmäßig informiert hätte, hätte man früh genug erfahren, dass eine zweite Staffel bestellt wurde und man hätte dann gewusst, dass ein offenes Ende kommt. Auf mich trifft das leider nicht zu. Aber wie gesagt, mein Ärger rührt eben von einer falschen Erwartungshaltung.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Film: Onward – Keine halben Sachen (2020)

Leider zu schlechtes Marketing für so einen tollen Film.
Animation / Fantasy mit Tom Holland von Dan Scanlon. 102 Min.
Inhalt: Die Elfenbrüder Ian und Barley Lightfoot leben in einer magischen, von Fabelwesen bewohnten Welt. Doch die Technisierung schreitet in ihrer Heimat immer weiter fort und die Magie geht immer mehr verloren. Die Teenager nutzen ihre verbleibenden Zauberkräfte, um einen letzten magischen Tag mit ihrem Vater zu verbringen, der starb, als sie noch klein waren. Gemeinsam begibt sich die Familie auf eine spannende Reise.
Als ich damals die Werbung und die Trailer zu diesem Film gesehen habe, hatte ich null Motivation ihn zu schauen. Entsprechend habe ich ihn dann auch lange ignoriert, bis ich ihn jetzt auf Empfehlung eines Freundes doch geschaut habe. Und ja, gefällt mir sehr gut. Ich finde es aber schade, dass ich so einen guten Film einfach ignoriert hätte, nur weil das Marketing daneben geschossen und mich nicht erreicht hat.
Lustig, emotional, spannend, mit liebenswerten Charakteren auf einer fantastischen Abenteuerreise. Der Film macht von Anfang an Spaß und hält einen bis zum Ende gefesselt, wirklich gelungene Unterhaltung.
Der Film präsentiert sehr viele Anspielungen auf diverse Fantasy-Filme, -Spiele und -Bücher. Fans dieses Genres werden hier also noch zusätzlich unterhalten, wenn sie eben diese lustig verarbeiteten Details entdecken und erkennen.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Osterpause

Frohe Ostern!

Nächste Woche gibt es neue Beiträge.

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Gedankensprung: Harry Potter Computerspiel boykottieren?

Wir sind also bei der Diskussion angelangt, ob man Werk und Autor trennen sollte oder nicht.
Leser dieses Blogs werden wissen, dass ich ein großer Harry Potter Fan bin. Es ist aber leider kein Geheimnis, dass die Autorin J. K. Rowling in den letzten Jahren einige unschöne Kommentare von sich gegeben hat. Als Fan, wie ich es einer bin, will man Harry Potter nicht verlieren, man will aber auch nicht so einer Frau Plattformen und Möglichkeiten geben, ihren Mist zu verbreiten.
Nun steht also das Computerspiel Hogwarts Legacy in den Startlöchern und mehrere Computerzeitschriften und Blogger haben bereits angekündigt, darüber nicht zu berichten, es nicht zu testen, es also zu boykottieren. Ich verstehe auf einer emotionalen Ebene, dass manche Menschen das tun wollen, aber andererseits arbeiten bei einem Computerspiel dutzende, wenn nicht hunderte Personen mit, die natürlich allesamt auf einen Erfolg hoffen, um Geld zu verdienen. Bekommt J. K. Rowling auch etwas davon? Ja, einen einstelligen Prozentsatz. Hat sie aber an dem Computerspiel mitgearbeitet? Nein. Die Macher hatten absolute künstlerische Freiheit und somit kann, streng genommen, dieses Computerspiel nicht als Werk von J. K. Rowling bezeichnet werden. Außerdem: Wenn alle das Spiel boykottieren, damit J. K. Rowling nicht ihre Prozente erhält, lässt sie das total kalt, weil sie schon Milliardärin ist. Die einzigen, die wirklich leiden, sind die Entwickler des Computerspiels. Und man selbst, weil man vielleicht ein großartiges Spiel verpasst.
Natürlich kann man dem Computerspielstudio vorwerfen, genau gewusst zu haben, dass dieses Risiko besteht und es in Kauf genommen zu haben. Entsprechend hält sich dann auch das Mitleid bezüglich verlorenem Geld wegen Boykott in Grenzen.
Im Grunde aber läuft es darauf hinaus, dass jeder seinem eigenen Gewissen folgen soll. Ich werde niemanden verurteilen oder kritisieren, weil er dieses Spiel boykottieren will.
Es ist sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich, Werk von Autor zu trennen, denn Kunst entsteht nun mal nicht im luftleeren Raum. Die Ideen, Gedanken, Motivationen dafür kommen irgendwoher. Andererseits kann man immer das Beispiel von Richard Wagner heranziehen. Er war Antisemit. Aber seine Musik ist nicht antisemitisch, wird sogar heute noch in Israel aufgeführt. Und in seinem Buch Der Tod des Autors plädiert Roland Barthes dafür Texte immer losgelöst vom Autor zu betrachtet, denn der Leser erschaffe den Text und nicht der Verfasser. Aber mit J. K. Rowling kommt eine weitere Dimension hinzu, denn seit jeher nutzt sie ihre Bekanntheit und ihre finanziellen Ressourcen für ihren politischen Aktivismus. Wenn man also etwas mit ihrem Namen drauf kauft, unterstützt man das ganz direkt. Entsprechend stellt sich natürlich die konkrete Frage, ob man 20 Jahre altes Material nicht langsam in die Mottenkiste werfen sollte.
Was nun dieses Computerspiel betrifft, ist es in meinen Augen eine neue, spannende Geschichte in der Welt, die Fans so gern haben, aber frei vom Rowling-Ballast, denn sie arbeitet hier nicht mit, es ist also nicht ihr Werk. Und wie gesagt würde hier ein Boykott eher die ganzen Mitarbeiter bestrafen und die intendierte Person gar nicht berühren. Eine andere Diskussion betrifft ihre neuen Bücher und Filme, die definitiv als „ihr Werk“ bezeichnet werden können. Da sehe ich einen Boykott viel eher als berechtigt und nachvollziehbar. Dennoch kommt jetzt der neue Film Phantastische Tierwesen 3: Dumbledores Geheimnisse in die Kinos und die einzigen Boykott-Aufrufe, die ich dafür mitbekommen habe, stammen von Johnny Depp Fans.
Aber um auf die Anfangsfrage zurückzukommen, darauf habe ich leider, wie niemand, eine zufriedenstellende Antwort. Wenn wir alles entfernen, was von einem „problematischen“ Künstler stammt, wird wohl nicht mehr viel übrig bleiben. Aber erinnern bedeutet nicht glorifizieren, das sollte man nie vergessen.
Für mich persönlich hängt es auch von der Schwere der Problematik ab. Ich bin gegen jeglich Sekte und verabscheue Scientology, dennoch finde ich die Filme von Tom Cruise super und werde sie auch weiter schauen. Andererseits habe ich bei Liedern von Michael Jackson immer sofort bestimmte Bilder im Kopf und da schalte ich immer gleich wieder aus. Ebenso werde ich keinen Film von Roman Polanski mehr anschauen. Aber das sollte jeder mit seinen eigenen Moralvorstellungen und seinem eigenen Gewissen abgleichen. Ich finde es nicht inkonsequent, wenn man nach persönlichen Kriterien gewichtet und sich in jedem Einzelfall mal für Boykott oder mal dagegen entscheidet. Menschen sind vielschichtig, sie sind nicht nur gut, sie sind nicht nur böse. Künstler sind auch nur Menschen. Bei machen Dingen kann man ein Auge zudrücken, bei machen eben nicht.
Und was die Frage im Titel betrifft? Ich werde dieses Computerspiel nicht boykottieren.

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Serie: Upload – Staffel 2

Was für eine tolle Fortsetzung!
Fans der ersten Staffel müssen hier einschalten und weiterschauen. Humor, Spannung und Sozialkritik bleiben auf dem selben Niveau, einfach absolut gelungene Unterhaltung.
Der Cliffhanger am Ende der ersten Staffel wird großartig gelöst, am Ende gibt es dann aber einen weiteren, der zur dritten Staffel überleitet. Diese ist offiziell noch nicht bestätigt, aber die Macher arbeiten bereits an den Drehbücher, also sollte das schon klappen. Ich freue mich jedenfalls schon drauf.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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