Buch: Lewycka, Marina – Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch

Wer anhand von Traktoren die Welt kennenlernen möchte, sollte dieses kleine Meisterwerk lesen.
Inhalt: Was muss passieren, damit zwei zerstrittene Schwestern zueinander finden? Es braucht eine neue Stiefmutter, die es nur aufs Geld abgesehen hat und dieses beim Fenster rauswirft. Doch der Versuch, den Feind loszuwerden, bringt mit sich, dass 50 Jahre europäische Geschichte und furchtbare Geheimnisse aufbereitet werden müssen.
Im Zentrum der Geschichte steht die jüngste Tochter einer ukrainischen Familie, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach England geflüchtet ist. Sie ist dort geboren, behütet aufgewachsen, eine Feministin geworden, eine sozial engagierte Person. Doch dann, als sie 40 ist, stirbt ihre Mutter und der Vater beschließt eine junge, bildhübsche Ukrainerin zu heiraten, damit die eine Aufenthaltsgenehmigung für England erhält.
Es ist faszinierend zu lesen, wie diese Frau mit ihren sozialen Überzeugungen zu kämpfen hat, als sie mit der neuen Stiefmutter konfrontiert wird. Plötzlich ist Abschiebung kein Tabu-Thema mehr.
Genauso interessant ist aber auch die Annäherung der beiden Schwestern zu lesen, die sich am Anfang hassen, doch durch den gemeinsamen Feind zueinander finden. Und dabei erfährt die jüngere Schwester erst, was ihre Familie während des Zweiten Weltkriegs hat durchmachen müssen, was vor ihr immer geheim gehalten worden ist. Denn die ältere Schwester ist vor dem Krieg in der Ukraine geboren und hat ihre Kindheit erst in der umkämpften Ukraine verbracht, dann in einem deutschen Straflager.
Und als dritte Säule ist da noch der Vater, der ein Buch über die Geschichte des Traktors schreibt, auf Ukrainisch natürlich, und dabei auch die Geschichte der Ukraine und der Sowjetunion erzählt.
Fazit: Ein tolles Buch, dass einen manchmal tieftraurig stimmt, nachdenklich, aber genauso oft ein Lächeln auf die Lippen zaubert.

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