Ein philosophisches Abenteuer auf Kreta.
Inhalt: Ein Mann – immer nur „Chef“ genannt – möchte auf Kreta eine Braunkohlemine eröffnen und engagiert Alexis Sorbas als Vorarbeiter. Doch eigentlich möchte keiner der beiden wirklich arbeiten, sondern einfach nur das gemütliche Leben genießen.
Schon vor Jahren habe ich den großartigen Film gesehen und bin froh, dass ich nun auch das Buch gelesen habe. Auch wenn der Film den Geist des Buches sehr gut einfängt, was moderne Literaturverfilmungen ja nicht mehr schaffen, hat er dennoch einige Handlungsstränge weggelassen und das Ende verändert.
Viele Menschen nehmen dieses Buch zur Hand, in der Hoffnung, die griechische Lebenswelt, einen typischen Griechen kennenzulernen. Aber das ist ein Missverständnis, das Verleger vielleicht sogar bewusst verbreiten. Sorbas ist ein Frauenheld, ein Landstreicher und ist genausowenig „typisch“ griechisch wie das kleine hinterwäldlerische Dorf auf Kreta, in dem das Buch spielt.
Außerdem ist das Buch aus heutiger Sicht sicherlich nicht politisch korrekt, wenn man liest, was Sorbas über Frauen und Türken zu sagen hat.
Wie dem auch sei, das Buch ist eigentlich ein großer philosophischer Diskurs über Themen wie „Freiheit“, „Gott“, „Tod“ und „Vaterland“. Der Chef ist ein intellektueller Mann, der viel gelesen hat und alle Antworten in Büchern sucht. Er versucht der buddhistischen Lehre zu folgen, um Freiheit zu finden. Und Sorbas ist das genaue Gegenteil, ein standfester Grieche, der schon viel erlebt und viel gesehen hat, und das einzige Buch, das er je gelesen hat, ist „Sindbad, der Seefahrer“. Das faszinierende am Buch sind nun die Dialoge zwischen diesen beiden Männern. Der Chef ist nämlich so fasziniert davon, welch einfache Antworten Sorbas auf hochphilosophische Fragen oder einfach nur welche Ansichten er zu alltäglichen Problemen hat.
Alexis Sorbas ist ein sehr interessantes Buch, das vielleicht bekannteste der modernen griechischen Literatur, es ist lustig, regt viel zum Nachdenken an und ist teilweise auch heute noch aktuell. Wenn Sorbas etwa sagt „Bulgare oder Grieche, das ist mir egal. Ob er gut oder schlecht ist, das ist das Einzige, was zählt.“, dann ist das schon etwas Zeitloses.
Fazit: Trotz seiner philosophischen Tiefe ein locker gehaltenes Buch und ein Muss für entsprechend interessierte Personen.
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