Gedankensprung: Satire heute

Ich habe kürzlich eine recht interessante, aber auch deprimierende Diskussion zum Thema Satire geführt. Es ist nun Mal so, dass Satire, Sarkasmus und Ironie wichtige Elemente des Humors sind, den wir benötigen, um mit unseren Alltagsproblemen zurechtzukommen. Wenn wir immer alles ernst, persönlich nehmen, uns immer sofort aufregen und gleich zu schimpfen beginnen würden, dann hätten wir alle ein sehr tristes und deprimierendes Leben. Zum Glück gibt es den Humor, um vieles locker zu nehmen.
Wir leben aber jetzt in einer Welt, die von falschen Nachrichten geprägt ist, in der Fakten nichts mehr zählen und nur noch die Gefühlswahrheit dominiert. Wie etwa als letzte Woche das Video um angeblichen Wahlbetrug in Österreich die Runde machte und für sehr viel Aufregung sorgte, weil niemand sich die Mühe machte zu kontrollieren, woher das stammte, wann es aufgenommen wurde und was das für Zahlen wären. Man glaubt das, was man glauben will, weil es sich einfach wahr anfühlt.
Ich hatte eigentlich gedacht, dass das Internet die Menschheit kollektiv klüger machen würde, aber dem ist leider nicht so. Man klickt einfach an, was schockierend klingt, was sein eigenes Weltbild unterstützt und merkt gar nicht, wie man manipuliert wird. Menschen verdienen ihr Geld mit Seitenaufrufen und die wissen ganz genau, wie sie diese bekommen. In den USA hat ein Wissenschaftler einige falsche Nachrichten veröffentlicht um deren Verbreitungsrate zu studieren, doch als er sein Projekt dann aufgelöst hat, hat ihm fast niemand geglaubt und ihn als bezahlten Lügner bezeichnet.
Das führt wiederum dazu, dass man heute nicht mehr sicher sein kann, wer was glaubt, egal wie abstrus es ist. Und das wiederum hat zur Folge, dass man nicht mehr wissen kann, wann etwas Satire ist und wann nicht. Nehmen wir ein Beispiel: Es gibt einen Artikel zu den katastrophalen Ergebnissen von Pisa. Dann schreibe ich drunter in den Kommentaren, dass dies die Schuld der Chemtrails sei und man eine Flugverbotszone über sämtlichen Schulen einführen sollte. Da wir nun aber in einer Welt leben, wo zu viele Leute an Chemtrails glauben, kann sich niemand sicher ein, ob dieser Kommentar nun satirisch oder ernst gemeint war. Ich persönlich würde so etwas immer als witzigen, leicht satirischen Kommentar betrachten, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie jemand so etwas ernst nehmen kann, bin nun aber doch eines besseren belehrt worden.
Zehn Jahre lang haben wir uns nun schon über Sheldon Cooper in der Big Bang Theory lustig gemacht, dass er Sarkasmus nicht erkennt. Das ist ein toller Running Gag, der wohl nie alt wird. Aber statt dass Sheldon etwas dazu gelernt hätte, ist der Rest der Menschheit verblödet und ist nicht mehr imstande Wahrheit von Lüge, Humor von Ernst zu unterscheiden. Daher ist es nun tatsächlich so, dass wir mit klaren Merkmalen signalisieren müssen, was denn nun Satire sei. Ich würde bevorzugen, dass klar markiert wird, was eine Falschmeldung sei, aber das ist dann doch zu viel verlangt.

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