Gedankensprung: Blockbuster und Bestseller – obsolete Begriffe?

Ich persönlich schaue weder einen Film, nur weil er mit dem Attribut „Blockbuster“ versehen ist, noch lese ich ein Buch nur wegen dem Begriff „Bestseller“. Genauso wenig habe ich Freunde, die sich an diesen Begriffen orientieren. Und dennoch werden wir ständig damit konfrontiert, obwohl sie schon längst ihre Bedeutung verloren haben und zu leeren Floskeln verkommen sind.
Filme werden schon in den ersten Teasern mit der „nächste Blockbuster“ beworben und Bücher, die gerade erst ins Geschäft kommen, haben schon den Sticker mit der Aufschrift „der neue Bestseller“ drauf kleben. Natürlich ist es so, dass gerade diese Worte den Produkten helfen zu dem zu werden und am Ende sind die Worte doch nicht fehl am Platz. Ich habe schon mehrmals darüber geschrieben – Die Krux mit den Kinderbüchern oder Warum Ghostwritern die Zukunft gehört oder Sinn und Unsinn von Preisverleihungen – möchte dieses Thema aber jetzt noch einmal aufgreifen.
Bei Filmen tappe ich leider oft auch in diese Marketing-Fallen. Ein neuer Titel wird angekündigt, die Schauspieler genannt und sofort schwebt der Begriff „Blockbuster“ im Raum. Dann wird man mit Trailern, Plakaten und Star-Interviews bombardiert, bis man den Film unbedingt sehen will. Und somit ist die Ankündigung „Blockbuster“ im Grunde nur noch eine selbsterfüllende Prophezeiung. Ebenso brauche ich bei einem Buch nur noch einen bekannten Namen, manchmal sogar das nicht, klebe „Bestseller“ drauf und platziere es markant in der Buchhandlung. Wenn ich die Wahl habe zwischen einem „normalen“ Buch und dem „neuen Bestseller aus den USA“, bleibt wohl wenig Zweifel, was öfter gekauft wird. Aber bis dann die ersten Kritiken erscheinen und die Konsumenten warnen, haben sich diese Produkte diese Auszeichnungen bereits verdient.
Natürlich ist nicht alles schlecht, das groß beworben wird, aber es ist auch nicht alles gut und vieles Gute wird oft vernachlässigt. Andererseits kann man auch nicht erwarten, dass alle Menschen Rezensionen lesen oder Reviews auf Youtube schauen, die in der Ära der Fake News vielleicht sogar gekauft sind.
Im Grunde bin ich ja auch selbst ein Blockbuster- und Besteller-Konsument. Filme und Spiele, die groß beworben werden und über die dann automatisch viel gesprochen wird, wecken nun Mal auch mein Interesse. Ist das nun etwas Negatives? Etwas Positives?
An sich sollten die Begriffe „Blockbuster“ und „Bestseller“ Werke bezeichnen, die so gut sind, dass viele Leute sie schauen wollen. Obwohl „gut“ hier das falsche Wort ist, „interessant“ trifft es eher. Und normalerweise sollten diese Begriffe erst verwendet werden, wenn die Besucher- oder Verkaufszahlen ersichtlich sind. Nehmen wir nun den Film Teenage Mutant Ninja Turtles 2 – Out of the Shadows (2016) der im Frühling als „Sommer-Blockbuster“ bezeichnet wurde. Die konkreten Zahlen aber zeigen, dass er das absolut nicht war. Der Begriff ist jedoch schon hier und nur noch schwer loszuwerden. Speziell bei Filmen werden heute viele als „Blockbuster“ bezeichnet, obwohl sie es dann gar nicht waren. Ich habe schon das Gefühl, dass in den letzten Jahren die Kinobesucher kritischer geworden sind und als Reflektion dessen sollte auch der Begriff „Blockbuster“ spärlicher verwendet werden.
Warum schreibe ich nun das Ganze und was ärgert mich konkret? „Blockbuster“ und „Bestseller“ sind heute selbsterfüllende Prophezeiungen und nicht mehr lediglich Bezeichnungen für den Erfolgsgrad eines Werkes. Das ist wiederum eine direkte Konsequenz davon, dass Menschen eher solche Werke konsumieren, die von vielen anderen auch konsumiert werden, anstatt konkret ihren eigenen Interessen und Qualitätsstandards zu folgen. Andererseits werden Filme und Bücher ja gemacht, eine so breite Masse wie möglich anzusprechen.
Bitte schaut nicht irgendeinen Film im Kino, nur weil ihr etwas schauen wollt und nichts Interessantes läuft. Und wenn ihr das schon macht, folgt bitte nicht blind dem Wort „Blockbuster“ oder geht automatisch dorthin, wo alle anderen wie Lemminge marschieren. Bitte kauft nicht einfach ein Buch, nur weil es im „Bestseller“-Regal einer Buchhandlung steht und ihr sonst nicht wisst, was ihr verschenken könnt. Ein Buch soll ein „Bestseller“ werden, weil viele Leute es kaufen und nicht umgekehrt. Ein Film soll ein „Blockbuster“ sein, weil viele ihn schauen und nicht umgekehrt.
Ja, diesmal ist mein Gedankensprung vielleicht ein bisschen wirr geworden, aber ich hoffe dennoch meine springenden Gedanken irgendwie vermitteln zu können.

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2 Antworten zu Gedankensprung: Blockbuster und Bestseller – obsolete Begriffe?

  1. Morgen Luft schreibt:

    Ich verstehe gut, was du meinst. Gerade im Kinobereich wird ja mit diesme Jargon um sich geworfen. Nicht ein Trailer, der ohne „Das neue Meisterwerk von…“, „Atembraubend“, „Weltklasse“ auskommt. Den Zuschauern oder auch Lesern wird in der Fülle das Entdecken abgenommen, weil jeder Film oder jedes Buch sich nach oben kämpfen muss, um in der Masse nicht unterzugehen. Das ist sehr sehr schade, aber auch nachvollziehbar.

  2. Film und Buch schreibt:

    Das stimmt, leider werden von vielen Leuten nur die Filme und Bücher wahrgenommen, die mit viel Dampf beworben werden. Witzig finde ich immer, dass für manche Buchwerbung das Wort Bestseller nicht reicht, da muss es dann schon Weltbestseller lauten … 🙂

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