Gedankensprung: „Vogue“ Science Fiction

Ich habe letztens den Trailer zur neuen Serie Foundation gesehen, die auf dem gleichnamigen Buch von Asimov basiert. Da ich diese Buchreihe gerade lese, weiß ich ja, um was es da geht und kann somit bereits aktiv mitreden. Mein Fazit: Ich habe aus dem Trailer allein nicht verstanden, was diese Serie mit den Bücher gemeinsam hat. Mir schwant Übles, aber lassen wir uns überraschen.
Was mich aber am meisten irritiert hat, waren die Kommentare, die anschließend an verschiedensten Stellen aufgetaucht sind. Es wurde eben kritisiert, dass Sci-Fi heutzutage „Vogue“ sei und sich an linksradikale, feministische Forderungen orientiere. Konkret wurde kritisiert, dass der Hauptcharakter anscheinend eine junge, farbige Frau ist und damit einhergehend wurde bemängelt, warum man sich nicht einfach an die Vorlagen halten könne und man die Charaktere immer mit „Varietäten“ austauschen müsse.
Nun, wer so etwas sagt, hat Sci-Fi nicht verstanden. Und wer sich hier konkret beschwert, dass der „Hauptcharakter“ von Foundation mit einer jungen, farbigen Frau ersetzt wurde, der hat das Buch nicht gelesen, denn es gibt da keinen Hauptcharakter und wen diese Schauspielerin im Trailer darstellen soll, habe ich nicht verstanden. Beschwerde der Beschwerde Willen ist das, was wir hier sehen.
Die meisten Sci-Fi-Autoren haben eine ziemlich progressive Weltsicht und Asimov gehört da definitiv dazu. Wenn man ältere Sci-Fi-Werke liest, dann entdeckt man Themen, die vielerorts erst heute salonfähig wurden. Und ich bin davon überzeugt, dass kaum einer von denen ein Problem damit hat, wenn ein männlicher Charakter in einer Verfilmung plötzlich von einer Frau gespielt wird oder sich als homosexuell offenbart, wenn ein weißer Charakter in einer neuen Adaption plötzlich eine andere Hautfarbe hat. Das ist ja der Kern von Sci-Fi: Dass diese Unterschiede irrelevant sind, die entsprechenden Hürden überwunden sind und nur die inneren Werte zählen, wie Talente, Fähigkeiten und Wissen.
Wenn jemand sich als Star Trek Fan bezeichnet und dann über die homosexuellen Szenen wettert, dann ist er kein Fan, denn dann hat er nicht verstanden, wofür das Franchise eigentlich steht. Wenn jemand behauptet ein Sci-Fi Fan zu sein und sich dann über einen farbigen Charakter beschwert, dann hat er sich nie wirklich mit diesem Genre befasst und sollte ignoriert werden. Aber wie so oft sind es gerade die, die am lautesten schreien. Und unser vermaledeiter Boulevard greift genau diese Kommentare aus den sozialen Medien auf und gibt ihnen sogar eine noch größere Plattform. Das ist doch alles lächerlich und absurd.
Anderseits kann man aber auch optimistisch sein, denn die Kinozahlen von Captain Marvel und Wonder Woman haben eindrucksvoll gezeigt, dass solche Hasskampagnen im Internet nicht fruchten, vielleicht sogar im Gegenteil ein Schuss ins eigene Bein sind.
Was können wir also konkret von der Foundation-Serie erwarten? Ich habe keine Ahnung. Der Trailer lässt mich ziemlich ratlos zurück. Anderseits haben wir mit I, Robot ja bereits einen Präzedenzfall, dass ein Buch von Asimov verfilmt wurde, dabei aber komplett verändert wurde und dennoch toll war.

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