Gedankensprung: Die Vernichtung der Filmgeschichte

Ich wage jetzt hier mal die Prognose, dass nie wieder ein Kinofilm so erfolgreich sein wird wie Avatar oder Avengers: Endgame.
Diese beiden Filme werden in den nächsten Jahren immer wieder aus verschiedensten Gründen in die Kinos kommen und dabei dann ständig den Platz an der Spitze tauschen. So wie eben erst kürzlich Avatar in China wieder in den Kinos anlief und damit erneut der erfolgreichste Film aller Zeiten ist.
Der Grund aber, weshalb ich diesen Titel für den heutigen Gedankensprung gewählt habe, ist der, dass es Filmgeschichte in der Form, wie wir sie bisher kannten, nicht mehr lange geben wird und es somit unmöglich sein wird, diese beiden Filme zu überholen. Aber warum sehe ich das so? Und ob das negativ ist, kann jeder für sich selbst entscheiden.
Der Erfolg eines Films wurde bisher eigentlich immer an der Kinokassa gemessen, am Startwochenende und den Einnahmen insgesamt. Mit diesen Daten blicken wir dann zurück in die Vergangenheit und vergleichen die unterschiedlichsten Dinge. Mir persönlich hat es immer Spaß gemacht zu schauen, welche Filme im Kino gut angekommen sind und dann darüber zu diskutieren, weshalb andere schlecht abgeschnitten haben. Welche Genres sind beliebt? Welcher Schauspieler hatte schon wieder einen Flop? Doch all das gibt es nicht mehr.
Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten war einer der ersten Filme, der zwar in den Kinos weit unter den Erwartungen blieb, dafür dann aber als Video on Demand auf Streamingseiten so gefragt war, dass er am Ende fürs Studio doch noch als Erfolg verzeichnet werden konnte. Also ein Film, welcher der Konkurrenz in den Kinos nicht gewachsen war, aber dennoch genug Interesse geweckt hatte, um nachher noch geschaut zu werden.
Dann kam Corona und beschleunigte den Ausbau der Stremingservices. Man kann nicht raus, will aber doch Filme schauen, also eine ideale Situation für solche Plattformen. Und damit beginnt das Ende der Filmgeschichte. Disney hat den Film Mulan rein auf dem hauseigenen Streamingdienst veröffentlicht, aber nie irgendwelche Zahlen. War das jetzt also ein erfolgreicher Film oder nicht? Warner Bros hat im Herbst den Film Wonder Woman 1984 gleichzeit ins Kino gebraucht und auf dem hauseigenen Streamingdienst HBO Max veröffentlicht. Die konkreten Zahlen für das Startwochende hat Warner Bros nie präsentiert, nur eine Zahl, die jedoch mehr Tage als üblich umfasst. Außerdem plant Warner Bros das gleiche Konzept für sämtliche Filme im Jahr 2021.
Ich bin mir sicher, dass auch andere Studios dem Beispiel von Disney und Warner Bros folgen werden, also irgendwelche Kino-Streaming-Hybridmodelle aushecken werden. Das führt unweigerlich dazu, dass in Zukunft weniger Leute in die Kinos gehen werden, weshalb eben die beiden aktuell erfolgreichsten Filme nicht mehr überholt werden können. Das wäre ja an sich, außer für die Kinobetriebe, nicht so ein Problem. Was mich aber schon stört, ist, dass Studios keine Zahlen mehr veröffentlich oder nur sehr verwirrende. Speziell wenn es ums Streamen geht, kann man sich nie sicher sein, ob ein Film jetzt erfolgreich war oder nicht, beliebt war oder nicht. Wenn Netflix Zahlen veröffentlicht, weiß ich nicht, ob diese Filme wirklich so oft geschaut wurden oder einfach nur kurz angeklickt worden sind. Wenn HBO Max sagt, dass ein Film auf auf ihrer Plattform so und so viel Geld eingenommen hat, ist damit nur das Geld gemeint, das direkt für den Film ausgegeben wurde oder auch die Monatsgebühren? Studios und Streaminganbieter halten sich bewusst ambivalent, verheimlichen Zahlen oder fassen Zahlen zusammen.
Unter solchen Rahmenbedingungen ist es für Hobbyanalysten, aber auch für professionelle, sehr schwer, filmgeschichtliche Traditionen fortzuführen, Filme anhand von Zahlen zu vergleichen und Trends zu diskutieren.

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  1. Pingback: Gedankensprung: Shang-Chi & die Kinozahlen | Meine Kritiken

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