Spiel: Next Station London (Pegasus Spiele)

Clevere Zugmalerei.
Von Matthew Dunstan (ca. 25-30 Min.; 1-4 Spieler)
Next Station London beweist, dass moderne „Flip-and-Write“-Spiele kein kompliziertes Regelwerk brauchen, um strategischen Tiefgang zu erzeugen. Der für den renommierten Spiel des Jahres nominiert gewesene Titel von Matthew Dunstan wirft die Spieler direkt in die Rolle von Verkehrsplanern, die das legendäre U-Bahn-Netz der britischen Hauptstadt neu entwerfen sollen.
Das Spielprinzip ist denkbar simpel und innerhalb weniger Minuten erklärt. Jeder Teilnehmende erhält einen Abreißzettel, der einen in 13 Stadtbezirke unterteilten, abstrakten Plan von London zeigt, sowie einen von vier bunten Holzstiften. Das Spiel verläuft über genau vier Runden. In jeder Runde übernimmt ein anderer Buntstift die Federführung, sodass am Ende jeder einmal jede Farbe, also vier U-Bahn-Linien, gezeichnet hat.
Der Ablauf einer Runde wird komplett über einen zentralen Kartenstapel gesteuert. Ein Spieler deckt nacheinander Stationskarten auf, die Symbole wie Kreise, Dreiecke, Quadrate oder Fünfecke zeigen. Gleichzeitig verbindet nun jeder auf seinem Zettel die aktuelle Linie entlang vorgegebener, hellgrauer Rasterlinien mit einer angrenzenden Station des entsprechenden Symbols. Gestartet wird immer am festen Startpunkt der jeweiligen Farbe. Danach darf die Linie nur an ihren beiden offenen Enden fortgesetzt werden. Eine Runde endet sofort, sobald die fünfte rosa oder gelb-lila unterirdische Stationskarte aufgedeckt wird, was dem Spiel ein subtiles Push-your-Luck-Element verleiht, da die Rundenlänge variiert.
Die planerische Herausforderung ergibt sich aus den strikten Bauvorschriften: Eigene Linien dürfen sich niemals kreuzen, Streckenabschnitte dürfen nicht doppelt genutzt werden und Bahnhöfe dürfen pro Farbe nur einmal angefahren werden. Wer sich hier unüberlegt in eine Sackgasse manövriert, muss bei den nächsten Karten unweigerlich passen.
Die Punktevergabe am Ende jeder Runde belohnt eine kluge Balance aus Expansion und Verdichtung. Bewertet wird, in wie vielen unterschiedlichen Stadtbezirken eine Linie unterwegs ist, multipliziert mit der höchsten Anzahl an Stationen in einem einzelnen Bezirk. Zusätzliche Punkte winken für jede Überquerung der Themse sowie für das Anfahren von Touristenzielen. Am Ende des gesamten Spiels fallen zudem Umsteigebahnhöfe schwer ins Gewicht, also Stationen, an denen sich zwei, drei oder gar alle vier farbigen Linien kreuzen.
Wer nach ein paar Partien mehr Varianz sucht, kann die beiliegenden Modulkarten nutzen. Diese bringen gemeinsame Bonusziele oder individuelle asymmetrische Fähigkeiten für die Stifte ins Spiel, was den Wiederspielwert spürbar anhebt.
Next Station London überzeugt als flottes, hochgradig zugängliches Familienspiel, das trotz seiner solitären Natur, denn jeder optimiert grübelnd den eigenen Zettel vor sich her, eine enorme Sogwirkung entfaltet. Positiv hervorzuheben ist die hochwertige Aufmachung in der kompakten Magnetbox und das charmante Gefühl, tatsächlich einen echten U-Bahn-Fahrplan zu erschaffen. Einzig die Abrechnung nach jeder Runde erfordert anfangs etwas Konzentration, und die feinen, gelben Bezirksgrenzen auf dem Block können bei schummrigem Licht schlechter lesbar sein. Wer jedoch ein cleveres, kurzweiliges Taktikspiel für zwischendurch oder für Solorunden sucht, macht mit dieser London-Reise definitiv alles richtig.
Fazit: Empfehlenswert.

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