Buch: Modignani, Sveva Casati – Sehnsucht nach Meran

Dies ist das erste italienische Buch seit Jahren, das ich nicht im Original gelesen habe, sondern als Übersetzung und sogleich habe ich es bereut. Noch nie habe ich eine schlechtere Übersetzung gesehen. Außerdem hält das Buch auch gar nicht, was der Klappentext verspricht.
Inhalt: Eine Gräfin aus Meran und eine Bettlerin aus Neapel bewegen sich in sehr unterschiedlichen Kreisen, dennoch kreuzen sich ihre Wege ständig und ihre Schicksale verbinden sich. Es ist ein Frauenroman und behandelt die Suche nach Liebe und die Sehnsucht nach Familie dieser beiden Frauen während der beiden Weltkriege.
Das Buch hat mich sehr enttäuscht, aber nicht, weil es ein Frauenroman ist.
Beginnen wir mit der Übersetzung: Wenn ich schon Ortsnamen übersetze, dann muss ich auch konsequent bleiben. Ich kann nicht einmal den deutschen Namen verwenden (z.B. Meran), dann die italienische Variante (z.B. Scena oder Naturno) oder gar Namen ganz neu erfinden (z.B. Venostatal). Außerdem merkt man an einigen Stellen auch genau, wie die Autorin etwas aus dem Deutschen übersetzt hat und die Übersetzerin es dann zurückübersetzt hat, ohne das Konzept wirklich zu verstehen (z.B. das Konzept der Südtiroler, nach „drinnen“ zu gehen).
Aber na gut, das ist die Übersetzerin. Kommen wir aber zum eigentlichen Buch.
Zunächst ist es interessant, die italienische Sicht auf Südtirol kennenzulernen, auch wenn die Autorin sicht mit dem Satz „die Südtiroler haben Italien noch nicht als Heimat akzeptiert“ keine Freunde gemacht hat. Andererseits kritisiert sie durchaus den Faschismus und die Besetzung Südtirols, wenn auch mehr die Art, wie es geschehen ist, als die Tatsache, dass es passiert ist.
Was aber ist das nicht eingelöste Versprechen? Ich habe das Buch aus zwei Gründen in die Hand genommen. Ersten hieß es, der Roman würde anhand der beiden Frauen die Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert aufarbeiten. Das klang interessant, doch war leider nicht so. Zwei Frauen suchen die Liebe und wollen Kinder. Das ist alles. Historische Ereignisse werden nur sehr rar in einem Satz am Ende der Kapitel erwähnt und das auch nur bis 1947.
Zweitens hieß es, dass die Geschichte Merans beleuchtet würde. Aber wenn die Gräfin mal in Meran ist, was sehr selten geschieht, dann sitzt sie nur im Schloss und man erfährt gar nichts von der Stadt.
Zugegeben, ich war selbst Schuld, dass ich einen Frauenroman wegen seines historischen Themas in die Hand genommen habe. Es wird mir eine Lehre sein.
Fazit: Wer Frauenromane gerne liest und sich vor allem für deren Probleme interessiert, ist hier sehr gut aufgehoben. Ansonsten sollte man die Finger davon lassen.

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