Ich bin, für meine Verhältnisse, sehr lange an dem Buch gesessen, aber schlau wurde ich daraus nicht. Was habe ich da gelesen?
Joel ist jemand, der aufgewachsen ist, ohne Moral kennengelernt zu haben und sein Leben auch dementsprechend führt. Er stiehlt, lügt, mordet, wie er es eben für seinen Vorteil braucht, denkt aber nie weiter darüber nach. Er macht, was er muss/will und lebt weiter.
Zu Beginn des Buches dachte ich, es geht vor allem darum, alle Facetten des Lügens zu behandeln. In der Tat erklärt Joel am Anfang auch, was er wie macht, um damit durchzukommen. Doch diese interessanten psychologischen Aspekte gehen irgendwann verloren und es ist nur noch die Geschichte eines Mannes ohne Moral, der einfach lebt um des Lebens Willen. Wie ein Tier macht er das, was er jetzt zum Überleben braucht und mehr interessiert ihn nicht.
Das Buch ist auch gleichzeitg ein missglückter Versuch, anhand dieser Person die Geschichte des Kalten Krieges aus der Persepektive der Menschen Mitteleuropas zu erzählen. So flieht er aus Ungarn nach Österreich, kommt mit den radikalen Kommunisten Italiens in Kontakt und reist am Ende in die DDR, von wo er wiederum am Ende nach Wien zurückkommt. Auch wenn das sehr interessant klingt, sind die historischen Momente so konfus und sporadisch eingeflochten, dass man als Leser kein gutes Bild davon erhält.
Ja, der Protagonist, der ständig seinen Namen ändert und ein Meiser der Manipulation ist, erlebt immer wieder spannende Abenteuer und trifft interessante, da historische Personen. Doch seine anfänglich noch faszinierenden philosophischen Gedanken über sein Leben, seine Fähigkeiten verschwinden mit der Zeit und übrig bleibt nichts.
Ich bin mir durchaus bewusst, dass „große“ Kritiker von „großen“ Zeitungen geschrieben haben, wie toll dieses Buch sei, doch ich kann damit nichts anfangen.
Fazit: Ich gebe offen zu, ich verstehe nicht, was der Sinn hinter diesem Buch ist. Es hat mir nicht gefallen, ich finde es langweilig und missglückt. Aber vielleicht sind andere ja anderer Meinung.
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