Gedankensprung: Die Sucht nach Sozialen Medien, Likes und Views

Eine neue Droge überflutet die Welt: „Likes“ kontrollieren.
Es gibt heute nichts mehr, was nicht dazu gemacht ist, Kunden anzulocken und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen, wenn das auch nur darin besteht, ein Werbebanner anzuschauen. Apple, Google, Facebook, Twitter & Co. haben dieses Konzept perfektioniert, sie haben uns süchtig gemacht aufs Handy zu schauen. Im Schnitt kontrolliert jeder Mensch 260 Mal pro Tag sein Smartphone, ein Drittel hat es regelmäßig beim Essen neben sich. Die enorme Steigerung von Unfällen, weil die ganze Welt nur noch den Blick nach unten gerichtet hat, muss nicht extra erwähnt werden. Und wieso? Weil die Wissenschaft die Chemie unseres Hirns entschlüsselt hat und jetzt damit spielt. Vor einigen Jahrzehnten hat man die perfekte Kombination gesucht, um Menschen nach der ersten Zigarette bereits abhängig zu machen. Das gleiche macht auch die Nahrungsmittelindustrie. Es ist kein Wunder, dass man nach einem einzelnen Kartoffelchip nicht aufhören kann, dass man nach einem Burger bei McDonalds diese enorme Lust verspürt, noch einen zu essen. Und jetzt sind diese großen High-Tech-Konzerne gekommen und haben eine neue Möglichkeit gefunden, uns abhängig zu machen. Das Prinzip eines Smartphones ist nämlich das gleiche wie bei einer Slot-Maschine (einarmiger Bandit): „Uh, was werde ich wohl bekommen?“ Das Glücksgefühl bei einer Slot-Maschine drei richtige zu haben ist gleich wie jenes, wenn man am Handy sieht, dass mein Foto ein paar „Likes“ erhalten hat. Und weil man dieses Glücksgefühl immer wieder erleben möchte, schaut man immer wieder aufs Handy. Vielleicht eine SMS, eine Twitter-Nachricht, ein neuer View-Rekord, noch mehr „Likes“, Smileys und Daumen-hoch. Und wie bei einer Slot-Maschine werden unsere Emotionen am Handy durch Farben noch verstärkt. Nicht umsonst ist es ein guter Tipp, wenn man das Smartphone weniger verwenden möchte, es auf Schwarz-Weiß einzustellen. Noch wichtiger als das Glücksgefühl ist jedoch der Moment der Enttäuschung, wenn man nichts erhalten hat, denn da ist man umso motivierter, sehr bald wieder reinzuschauen, ob vielleicht jetzt etwas gekommen. Dazu sollte man wissen, dass Facebook etwa „Likes“ nicht gleich für den User sichtbar macht, sondern erst später, bei seinem zweiten oder dritten Öffnen. Das Ziel ist ganz klar: Die User emotional zu manipulieren, um mehr Klicks zu generieren. Heute reicht es nicht, ein Produkt zu verkaufen, man muss die Leute davon abhängig machen. Und der größte Coup, der den Sozialen Medien gelungen ist, ist es, den Menschen glauben zu machen, dass sie nicht wirklich existieren, wenn sie kein Smiley oder Daumen-hoch bekommen. Menschen brauchen regelmäßig Bestätigung, um sich gut zu fühlen. Nicht umsonst sind Kinder so glücklich, wenn sie gelobt werden und bei den Erwachsenen ist es nicht anders. Ein „Like“ ist ein Lob und ohne „Likes“ bin ich nichts wert. Nur ist da eine Todesspirale entstanden. Ich stelle immer mehr online, um immer mehr „Likes“ zu erhalten. Doch je mehr Content ich generiere, desto mehr „Likes“ erwarte ich. Wenn sie dann aber ausbleiben, ist die Enttäuschung um so größer. Sucht, Depression und schließlich Verzweiflung, führt dazu, mit allen Mitteln „Likes“ zu generieren. Das kann bei Jugendlichen zu unbedachten Nacktfotos führen, aber auch zu Aktionen, die mit dem Tod enden.
Was kann man dagegen machen? Ich weiß es nicht. Selbstreflexion ist sicher der erste Schritt.

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