Gedankensprung: Plagiate bei Brettspielen

Ab wann ist ein Brett- oder Kartenspiel neu und ab wann eine Kopie?
Diese Frage ist schwer zu beantworten. Sehr oft wird ein Spiel einfach genommen und mit einem neuen Thema versehen. Aber das Spiel ist noch das gleiche, nur halt mit einer anderen Optik. So etwa wurde aus Cities das Spiel Limes und aus Richard I wurde Orkensturm. Diese thematischen Umfärbungen stoßen zwar immer wieder auf Kopfschütteln und Kritik, aber sie sind nachvollziehbar und niemand wird hier „illegale Kopie“ rufen, zumal hier ja Rechte bei den Autoren und Verlagen bleiben, bzw. ganz korrekt verkauft werden.
Dann gibt es manchmal ein Spiel, das Mechanismen von anderen nach Rücksprache übernimmt. Das berühmteste Beispiel dafür ist Ohne Furcht und Adel von Bruno Faidutti, in welchem von Verräter von Marcel-André Casasola Merkle kopiert wird und man sich im Regelwerk auch extra dafür bedankt. Das ist die korrekte Vorgehensweise. Aber hätte Merkle überhaupt „Nein“ sagen können? Denn das neue sehr erfolgreiche Clans of Caledonia hat schamlos Elemente von Terra Mystica übernommen. Der Feuerland-Redakteur, also der Herausgeber von Terra Mystica, hat mir erzählt, wie wütend er darüber ist, dass die Autoren von Clans of Caledonia an keiner Stelle im Regelwerk sich irgendwie bedanken oder zumindest die Anleihungen zugeben. Das Problem ist, dass es keine rechtliche Handhabe gibt, so etwas zu verhindern oder zumindest eine Gewinnbeteiligung einzufordern. Wenn man nicht wie Fantasy Flight Games oder Wizards of the Coast viel Kapital in Copyright-Rechte für gewisse Begriffe und Mechanismen investiert, was eben für kleine Verlage ein Ding der Unmöglichkeit ist, dann muss man einfach hoffen, dass die Konkurrenten der Branche einem ungeschriebenen Ehrenkodex folgen.
Aber jetzt mit all diesen Kickstarter-Kampagnen sind auch genug schwarze Schafe aufgetaucht, wie eben die Macher von Clans of Caledonia oder jetzt ganz aktuell das Spiel Crypto Cartel von Andy Mažeika, das im Grunde Bohnanza ist.
Wie immer liegt es am Konsumenten. Wenn er bereit ist für solche Spiele Geld auszugeben, unterstützt er einen ethischen Graubereich, der sich somit nur vergrößern wird, weil sich damit ja Geld verdienen lässt. Ich selbst, da ich einfach Autoren und andere Personen der Szene kenne, würde so etwas nie unterstützen, weil ich einfach weiß, wie viel Arbeit und Mühe in ein originales Werk fließt.

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