Gedankensprung: Sind Anime und Manga sexistisch?

Dies ist eine alte Diskussion, die immer wieder von jenen losgetreten wird, die weder Animes schauen noch Mangas lesen.
Immer wieder stören sich manche Menschen daran, dass in Anime und Manga die Frauen so leicht bekleidet sind und ihre femininen Körperteile ziemlich stark betont sind. Ist das sextisch? Ja. Ist das schlimmer als bei uns hier im Westen? Sicher nicht.
Wenn ich mir anschaue, wie Frauen hier im Westen in Serien, Filmen und TV-Shows gekleidet sind, ist das genauso anrüchig. Selbst Superheldinnen in den westlichen Comics sind keinen Deut besser als die weiblichen Charaktere in Mangas. Der Unterschied? Das eine kennt man, das andere ist noch fremd. Denn wenn man sich mit Animes beschäftigt, wird man entdecken, dass es dort genug Serien gibt, in denen die Frauen normal gekleidet sind und nichts überdimensional ist. Und meistens ist das Sexy-Element auf eine Person begrenzt, deren Charakter darauf hingeschrieben wurde, also Sinn ergibt und nicht einfach nur der Erotik wegen.
Was es sehr wohl gibt, ist die sogenannte Ecchi-Kategorie. Aber das ist ein klar definiertes Genre, das kein Fernsehsender im Nachmittags- oder Vorabendprogramm zeigen wird. Man muss da wirklich speziell auf den Anime-Streamingseiten danach suchen. Was ist das eigentlich? Schlüpfriger Humor, ganz einfach ausgedrückt. Extrem knappe Kleidung, übertrieben weibliche Proportionen, regelmäßig eine Perspektive mit Blick auf die Höschen. Aber eben noch keine Pornographie. Doch da es genug Seiten im Internet mit gratis Pornos und Hentai (Anime-Pornos) gibt, frage ich mich, warum ich so etwas schauen sollte. Nun gut, Geschmäcker sind unterschiedlich und wem das gefällt, der soll damit seine Freude haben.
Wenn ich also zu Beginn einer neuen Season entscheiden muss, welche Animes ich in den nächsten drei Monaten schauen werde, dann filtere ich Ecchi immer sofort aus, denn 90% davon sind einfach nur schlecht und der schlüpfrige Humor ist es absolut nicht wert, Zeit mit einer miesen Serie zu verbringen.
Also abgesehen von diesem speziellen Genre und dem, was Fans als Fanservice bezeichnen, sind Anime und Manga nicht schlimmer als unsere westlichen Produktionen. Wer also das eine wegen Sexismus kritisiert, muss auch das andere kritisieren. Es gibt dort die gleichen Charakter-Archetypen wie bei uns, die gleichen Tropen in den Geschichten.
Natürlich gibt es genug Geschichten, in denen der männliche Hauptcharakter die weiblichen rettet, aber nicht nur. Im Gegenteil ist Asuna eine der beliebtesten Figuren in Japan. Sie ist der weibliche Hauptcharakter in der Serie Sword Art Online. Sie ist stark und mutig. Ja, manchmal muss sie gerettet werden. Aber sie bietet auch großartige Kämpfe und rettet ihrseits ständig auch andere Leute. Ihre Kleidung und Proportionen sind in keinster Weise extra sexy. Sie ist einfach ein toller weiblicher Charakter und dass sie so beliebt ist, sagt doch einiges über die Anime-Community. Und es gibt noch zahlreiche weitere solcher Charaktere.
Doch nicht nur das, Japan geht noch viel weiter als der Westen, denn es gibt ein eigenes Genre namens Yuri, also Geschichten, in denen manchmal nur angedeutet, manchmal explizit, lesbische Beziehungen im Mittelpunkt stehen (Yaoi wäre die männliche Variante). Wie oft gibt es hier im Westen denn Serien und Filme, in denen ein homosexuelles Paar im Mittelpunkt steht? Gibt es durchaus, aber nicht in dieser Menge und in dieser Konstanz. Speziell werden hier im Westen diese oft als Comedy verpackt oder mit einem Fokus auf Gesellschaftskritik geliefert, während in Anime & Manga diese Geschichten die Gefühlsebene behandeln und dabei oft auch noch einen spannenden Plot liefern, wie etwa Otherside Picnic, eine Yuri-Science-Fiction-Horror-Serie, oder Izetta – The Last Witch, eine spannende Yuri-Fantasy-Serie, oder Amanchu, eine wunderschöne Serie rund ums Tauchen.
Was ich damit sagen möchte, ist, dass es in Anime und Manga für jeden Geschmack etwas gibt und sie sogar noch mehr Angebot haben, als die westlichen Produktionen.

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