Gedankensprung: Zu viele Spiele?

Ich nenne momentan gezählte 86 Spiele (inklusive Erweiterungen) mein eigen. Das wird den meisten viel erscheinen, doch für „echte“ Spielefans ist das nichts, die kommen locker auf die 300, wenn nicht sogar an die Tausend.
Und ich frage mich immer: Warum sollte ich so viele Spiele haben? Bin ich denn kein „echter“ Spielefan, nur weil ich keine 100 Spiele besitze?
Ich denke, dass die Spieleindustrie mehr noch als andere Unterhaltungsmedien, Gefahr läuft, zu einem Fließband zu verkommen. Jedes Jahr erscheinen allein im deutschsprachigen Raum an die 800 neue Spiele und die meisten Spielefans, wie ich einer bin, wollen auch am liebsten alle ausprobieren. Doch kaum finde ich ein Spiel, von dem ich behaupte, dass es mir gefällt, ich es haben will und noch öfter spielen möchte, kommt schon das nächste, das ich probieren muss. Allein schon wegen dieser Flut an Spielen ist es kaum noch möglich, ein Spiel öfters auszupacken, wenn man ständig aktuell bleiben will.
Ich habe mich bewusst entschieden, nur wenig Spiele zu kaufen, da ich keinen Sinn darin sehe, meine kleine Wohnung mit Dingen vollzustopfen, die ich nie verwende. Die Spiele, die ich habe, spiele ich gerne und ich versuche auch, sie oft auf den Tisch zu stellen.
Aber ich habe so viele Wohnungen gesehen, die voll sind mit Spielen, die aber nur einmal, wenn überhaupt, ausgepackt worden sind. Jeder hat dazu seine eigene Einstellung. Wenn die Wohnung groß ist, dann ist ein sauberes Regal mit Spielen ja auch schön anzuschauen.
Ich möchte hier niemanden kritisieren, wie er sein Geld ausgeben und seine Wohnung gestalten möchte. Ich habe nur Angst, dass die Verlage ein Spiel nach dem anderen produzieren und wir ein Spiel nach dem anderen spielen, wie ein Fließband eben, aber uns nicht mehr die Zeit nehmen, gute Spiele öfters zu spielen und Strategien zu entwickeln. Nur noch selten verweile ich bei einem Spiel, nachdem ich es gespielt habe, und grüble darüber nach, was ich das nächste Mal machen könnte, weil ich weiß, es wird sehr lange nicht mehr vor mir stehen, wenn überhaupt. Was schade ist.
Was ich aber auch nicht einsehe, ist, dass ich mich verteidigen muss, dass ich nicht so viele Spiele besitze und somit kein „echter“ Spielefan bin. Nur weil jemand kein Star Trek – Poster in seinem Zimmer hängen hat, bedeutet das auch nicht, dass er kein Star Trek – Fan sein darf.
Aber dieser kleine Bereich der Spiele ist nur ein pars pro toto für unsere ganze Gesellschaft. Denn genauso verstehe ich nicht, warum ich mir jedes Jahr ein neues Smartphone, einen neuen Computer etc. kaufen muss. Funktionieren denn die alten Geräte plötzlich nicht mehr?
Natürlich ist es wichtig, die Spieleverlage zu unterstützen, damit diese weiterhin Spiele produzieren und unser Hobby beliefern können. Aber bitte: Qualität geht immer noch vor Quantität.
Daher mein Appell: Es macht nichts, wenn man mal ein Spiel nicht kennt, es nicht gespielt hat. Du hast ein Spiel, das dir gefällt und du lange nicht mehr gespielt hast? Dann nimm das, statt immer etwas neues. Denn wer weiß, wie gut das neue ist.

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2 Antworten zu Gedankensprung: Zu viele Spiele?

  1. Andi schreibt:

    Hallo 🙂
    Der Beitrag ist zwar schon etwas älter aber ich melde ich trotzdem dazu. Ich stimme dir in vielem zu. Ich sehe auch nicht ein, warum ich eine so große Spielesammlung brauche. Ich bin Spieler und kein Sammler. Ich selbst rezensiere Spiele und habe vor kurzem meine Sammlung recht radikal um 1/3 reduziert. Und was soll ich sagen, keines davon fehlt mir bis jetzt. Wenn ein Spiel ungespielt über 1 Jahr herumliegt, muss es meiner Meinung nach ein sehr gutes Spiel sein, um den Verbleib weiterhin zu rechtfertigen. Gerade solche in großen Schachteln sind davon betroffen. Bei einem kleinen Kartenspiel, das in der Hosentasche Platz hat, kann ich den Platz verschmerzen. Aber wenn ein Spiel wie „Augustus“ eine Riesenschachtel hat die zu einem Viertel gefüllt ist, ist „ganz okay“ zu wenig… Ich denke ich komme auf ungefähr 50 Spiele (ohne Erweiterungen).

  2. Pingback: Gedankensprung: Essen 2017 | Meine Kritiken

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