Gedankensprung: Die unglaubliche amerikanische Doppelmoral

Ich will nicht sagen, dass wir Europäer so viel besser sind als die Amerikaner. Und ihre Doppelmoral bzgl. Gewalt- und Sexszenen in Kino und Fernsehen ist auch schon hinlänglich bekannt. Ein gutes Beispiel dafür, wie weit diese geht, ist etwa der Skandal um die Schweizer Parlamentssekretärin, der vor einigen Monaten entfacht ist. Während die europäischen Medien ihr Foto zeigten und dabei das Gesicht verpixelten, aber nicht die Brust, war es bei den amerikanischen Medien genau umgekehrt. Auf der anderen Seite des Atlantik hat man halt eine andere Vorstellung von Privatsphäre und Anonymität.
Warum ich mich aber heute hinsetze und darüber klage, ist wegen etwas, das ich letzte Woche gesehen habe. Jede Woche schaue ich eine amerikanische Show zu Brettspielen, um zu wissen, was es für Neuigkeiten gibt, was interessant wäre oder was floppt. Und einer der Moderatoren meinte da tatsächlich, er könnte über ein bestimmtes Spiel nicht sprechen, da sie eine Familiensendung seien. Wie bitte?!
Na gut, verschnaufen wir kurz und schauen, was das für ein Spiel ist: Lap Dance auf Kickstarter, wo mit Karikaturen auf witzige und satirische Art der Betrieb eines Striplokals nachgespielt wird.
Und so etwas soll nicht in eine „Familiensendung“ passen, die die Woche zuvor ein Spiel präsentiert hat, in welchem das Spielbrett menschliche Haut darstellen soll und in welchem dämonische Horden die Menschheit abschlachten, oder eines, in welchem man Sklaven besitzt? Nein, irgendwann ist das alles nur noch traurig.
Dass HBO und dieses Kickstarter-Projekt jedoch so erfolgreich sind, bzw. die Porno-Industrie die lukrativste überhaupt ist, zeigt schon, was Amerikaner wirklich wollen. Es ist halt alles nur scheinheilige Fassade da drüben.
Oder auch das folgendes Argument lässt mich nur den Kopf schütteln: „Would you play it with kids? No? Then it’s not a family game, and inappropriate for a family show.“ Aber Dämonen, Monster, Weltkriegssimulationen sind okay für Kinder?
Meiner Meinung nach hätte der Moderator das Spiel präsentieren sollen und erklären, was in der Sexindustrie alles falsch läuft, dass Frauen ausgebeutet werden etc., um dann das Fazit zu ziehen: „Aus diesem Grund finde ich dieses Spiel nicht angebracht und kann es nicht empfehlen.“ Oder erwähnen, dass im Spiel auch männliche Tänzer vorkommen (50/50). Aber es einfach ohne weiteren Diskurs zu verschweigen ist einfach lächerlich.
Schweigen ist nicht Gold.

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