Gedankensprung: Die Entwicklung von Space-Sci-Fi

Science-Fiction basiert auf der Gegenwart, dem Hier und Jetzt. Gute Autoren dieses Genres beobachten ihre Umwelt, politische und soziale Entwicklungen sowie technologische Fortschritte. Aus diesen Elementen kreieren sie eine Zukunftsvision. Sci-Fi-Werke sind also auch immer ein Spiegel unserer Gesellschaft und dementsprechend hat es einen ganz eigenen Reiz ältere Sci-Fi-Literatur zu lesen, um zu schauen, was bereits eingetroffen ist, was abgewendet wurde oder was ganz anders gekommen ist, wie etwa von Ray Bradbury Der illustrierte Mann oder von Allen Steele Orbital Decay und Apollo’s Outcasts, drei spannende Bücher, die gerade wegen der zeitverschobenen Perspektive einen ganz eigenen Flair gewinnen.
„So, jetzt wo du das gelesen hast, gefällt dir diese Aussicht? Wenn nicht, liegt es an uns heute, etwas zu ändern.“ So oder ähnlich klingt die Botschaft, die ein Sci-Fi-Werk am Ende vermittelt. Wollen wir wirklich genetisch gezüchtete Babys? Einen privatisierten Weltraum? Einen ökologischen Kollaps?
Natürlich gibt es genug Sci-Fi-Werke, die sich nicht für diesen Aspekt interessieren und sich auf einen spannenden Plot mit interessanten Charakteren und einem ausgefeilten Universum konzentrieren, wie etwa Star Wars, Saga der Sieben Sonnen und Dark Space, was ja nicht automatisch schlecht sein muss. Solche Werke werden daher meist auch der Fantasy zugeordnet. Und natürlich die ganzen Superhelden, die eigentlich ein eigenes Genre bilden und nicht Sci-Fi sind.
Wenn man nun zu den Ursprüngen von Space-Sci-Fi zurückgeht und dann deren Entwicklung verfolgt, kann man einige interessante Entdeckungen machen. Natürlich haben wir da einmal den technologischen Aspekt, der sehr oft mit Träumen und Hoffnungen verbunden ist. „Wäre das nicht cool?“, ist da meist der tragende Gedanke, wie etwa das Beamen in Star Trek oder die gigantischen Roboter im Mecha-Genre. Viel interessanter finde ich aber zwei andere Aspekte, nämlich die Weiten des Weltalls und die Machthaber.
1) Die Weiten des Weltalls: Die ersten Sci-Fi-Autoren wie H. G. Wells haben nicht über den Rand unseres Sonnensystems hinausgeblickt. Für sie waren Mars, Venus, Merkur und sogar Pluto bewohnt und die Geschichten drehten sich um Abenteuer auf diesen Planeten oder handelten von Wesen, die von dort auf die Erde kamen. Als aber das Wissen über unser Sonnensystem zu größerer Bekanntheit gelangte und allgemein das Universum tiefer erforscht wurde, veränderte sich auch Sci-Fi. Plötzlich reisten Raumschiffe durch die gesamte Milchstraße, besuchten ferne Sonnensysteme und trafen auf unzählige außerirdische Rassen. Der Kreativität der Autoren in den Büchern und den Maskenbildnern im Fernsehen waren keine Grenzen gesetzt. Doch dann kam die große Ernüchterung in der realen Wissenschaft, als trotz unglaublicher Mühe keine Aliens entdeckt worden sind. Das führte dann auch zu einem Umdenken und es entstanden zwei Richtungen innerhalb der Space-Sci-Fi. Einmal blieb man beim intergalaktischen Reisen, jedoch ohne Aliens oder zumindest mit sehr wenigen. Hier bauen die Menschen viele Kolonien und die Konflikte gibt es nur untereinander. Manchmal gibt es ein bis drei außerirdische Spezies, aber nicht mehr diese unglaubliche Fülle (mit wenigen Ausnahmen natürlich, aber immer eine kleine, klar definierte Zahl). Die andere Gruppe wandte sich einem puren Realismus zu und es entstanden Bücher über den realistischen Ausbau unseres Sonnensystems, einer realistischen Reise in ein benachbartes Sonnensystem und die realistische Kolonisierung fremder Planeten.
2) Machthaber: Ganz am Anfang war natürlich das Britische Empire der fiktive Herrscher des Weltalls, dann kam es zum Antagonismus zwischen den USA und der Sowjetunion. Aber auch ohne diesen Antagonismus waren es immer Nationen, die sich das Universum aufteilten. Bis dann irgendwann klar wurde, dass unsere Politiker alle korrupt sind und von den großen Konzernen bezahlt werden. Von da an waren die Konzerne die Herrscher des Universums im Sci-Fi, Nationen und Politiker wurden zu Randfiguren, Spielbällen der Reichen.
Wenn wir uns etwa die beiden aktuellen Sci-Fi-Serien Dark Matter und Killjoys sowie das zum Kult gewordene Firefly ansehen: dort reisen sie durch das Universum, aber von Aliens keine Spur und die Konzerne beherrschen alles. Das ist schon ein sehr starker Kontrast zu Star Trek oder Babylon 5, spiegelt aber unsere aktuelle Wahrnehmung wieder, wer da draußen lebt, nämlich niemand, und wer auf der Erde herrscht, nämlich die Konzerne.

Ich liebe Sci-Fi, denn dieses Genre hat alles: Spannung, Action, Philosophie, Politik und Träumerei.

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