Spiel: Kemet (Asmodee)

Die Ameritrash-Variante von Kyklades.
Von Jacques Bariot und Guillaume Montiage (ca. 90-120 Min.; 2-5 Spieler)
Ich bin ein sehr großer Kyklades-Fan und als dieser „Bruder“ erschien, wollte ich ihn sofort ausprobieren. Lange hat es gedauert, doch nun war es endlich soweit. Die Enttäuschung liegt wohl in der zu großen Vorfreude, der zu großen Erwartungshaltung. Wie ich letztens in einem Gedankensprung ausgeführt habe, liebe ich Eurogames mit toller Atmosphäre und einem spannenden Hintergrund. Das wäre Kyklades. Kemet hingegen hat all das über Bord geworfen, was seinen Vorgänger so toll gemacht hat – Bieten um die Gunst der Götter, Städtebau, Schiffsrouten – und ist zu einem reinen Kriegsspiel geworden.
Versteht mich bitte nicht falsch, Kemet ist ein sehr gutes Spiel, das perfekt funktioniert und optimal balanciert ist. Man muss sich halt bewusst darauf einlassen, ein Blutbad, ein regelrechtes Gemetzel zu erleben, was aber leider nicht wirklich meinen Geschmack trifft.
Hier im Spiel also hat jeder Spieler seine kleine Armee, die er optimiert, besser macht und mit Kreaturen verstärkt. Dann wird gekämpft, wobei einfach die Werte miteinander verglichen werden. In guter Ameritrash-Tradition stehen da jedem Spieler noch geheime Verstärkungskarten zur Verfügung, die er spielen kann, um das Ganze spannend zu halten. Aber das ist es auch schon. Pro gewonnenen Kampf als Angreifer (!) erhält man einen Siegpunkt und die Armeen dürfen jeweils nicht mehr als fünf Truppen enthalten. Diese beiden Elemente führen dazu, dass man immer zwei Armeen hat und viel kämpft, weil man sonst ja nicht gewinnen kann. Das ist grundsätzlich sehr positiv, denn es gibt nichts Schlimmeres als Spiele, in denen sich alle irgendwie verschanzen um dann am Ende, nach einer gefühlten Ewigkeit, einen Großangriff starten.
Ich finde auch den Mechanismus, mit welchem ich meine fünf Aktionen ausführen kann und das Bezahlen von Gebetspunkten sehr interessant. Dadurch kommen Planbarkeit und strategisches Denken ins Spiel. In welcher Reihenfolge will ich was machen? Es ist aber nur eine scheinbare, vorgetäuschte Planbarkeit. Wenn ich nicht genug Gebetspunkte habe, muss ich beten; wenn ich nicht jede Runde ein Machtplättchen erwerbe, falle ich zu weit zurück; wenn ich nicht jede Runde kämpfe, komme ich nicht auf die Siegpunkte.
Das beste und schlimmste Element im Spiel sind die drei Pyramiden. Das beste, weil man sich dadurch spezialisieren kann, was dazu führt, dass jeder Spieler andere Armeen kontrolliert, es zu einer spannenden Asymmetrie kommt. Aber auf der anderen Seite sind die Machtplättchen, die ich durch die Pyramiden erhalte, mit so viel Regellesen verbunden, dass es teilweise einfach zu mühsam wird. Natürlich, wenn man das Spiel öfters spielt, wird man das alles schon kennen, wodurch sich die Gesamtspielzeit wohl enorm reduziert. Man sollte beim ersten Mal schon mit über drei Stunden rechnen, da es einfach zu viel Text gibt.
Ich denke nicht, dass das Spiel schlecht ist, absolut nicht. Es sagt ganz klar, was es will und das macht es hervorragend. Das Zielpublikum kann damit voll zufrieden sein. Wenn ich doch nur dazu gehören würde! Nein, für mich kann Kemet seinem großen Bruder Kyklades bei Weitem nicht das Wasser reichen. Würde ich Kemet noch einmal spielen? Sicher, es ist ja ein gutes Spiel und jetzt weiß ich auch, worauf ich mich einlasse: kämpfen, kämpfen, kämpfen.
Wir haben aber auch gleich die Erweiterung Ta-Seti gespielt, die in meinen Augen schlecht und uninteressant ist. Warum ist das so? Erstens bringt sie ein neues kleines Spielfeld dazu, das man immer automatisch zusätzlich benutzt, wenn man die Aktion „Bewegung“ ausführt. Es bringt dem Spieler aber nicht mehr als ein paar Werte, die man im Kampf dazu addieren kann. Ja, es hilft die verschiedenen Armeen noch weiter zu differenzieren und bringt manchmal auch den entscheidenden Unterschied, aber ganz Allgemein empfinde ich es als unnötig platzraubend, da es das Spiel nicht wirklich bereichert. Sehr wohl bereichert hingegen die neue schwarze Pyramide das Spiel, mit neuen Machtplättchen und Kreaturen. Aber da wurde eines mitgeliefert, das in meinen Augen nur ein Fehler sein kann. Nämlich kann man da auf Ebene 1 ein Machtplättchen kaufen, das es dem Spieler ab jetzt erlaubt, jeder Runde eine Aktion mehr (!) als die anderen zu haben. Das ist absolut unverhältnismäßig mächtig und gehört korrigiert oder verbannt. Aus diesen Gründen finde ich, dass die Erweiterung nur dann sinnvoll ist, wenn man Kemet sehr gern hat und es auch wirklich oft spielt.
Am meisten aber hat mich geärgert, dass man pro Armee nur eine Kreatur haben darf. Ich hätte es so cool gefunden, wenn sich da im Wüstensand einige riesige Kreaturen-Heere treffen und sich ordentlich bekämpfen. Ich verstehe, dass das wegen dem Balancing und einiger Kreaturenfähigkeiten nicht möglich ist, aber schade finde ich es dennoch.
Fazit: Sehr empfehlenswert.

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