Gedankensprung: Das „richtige“ Hobby

Ich bin, was meine Hobbys betrifft, ein Nischen-Mensch. Ich lese viele Bücher, spiele Brettspiele, schaue Serien und Animes. Ich habe mir meine Freunde derart ausgesucht, dass sie meine Interessen teilen und daher fällt es mir nicht mehr so auf, dass ich in einer Nische lebe. In einer Blase, wie man heute zu sagen pflegt. Das ändert aber nichts daran, dass die meisten Menschen bei meiner Arbeit, beim Sport oder im größeren Familienkreis diese Interessen nicht teilen. Ist das weiter schlimm? Nicht wirklich. Es ist nur nervig, wenn die Personen in deiner Umgebung regelmäßig die Augen verdrehen oder einen herabwürdigenden Blick aufsetzen.
Zum Glück bin ich bereits alt genug, dass mein Umfeld nicht mehr aktiv schlecht über solche Dinge spricht und mich persönlich beleidigt, außerdem haben Serien wie The Big Bang Theory und Game of Thrones, sowie die ganzen Marvel-Filme dazu beigetragen, unsere Gesellschaft dafür zu sensibilisieren. Also geht es mir nicht wirklich schlecht und ich habe nichts, über das ich mich jetzt beschweren müsste. Aber dennoch fällt mir auf, dass gewisse Hobbys als Gesprächsthemen voll akzeptiert werden, während andere bereits im Keim erstickt werden. Das ist schon irgendwie ärgerlich. Über Fußball darf jeder reden, übers Tanzen und Germanys Next Topmodel. Aber wenn ich mit einem Kollegen bei der Arbeit über Mangas spreche, schüttelt nur jeder den Kopf und dreht sich weg.
Doch nicht nur bei der Arbeit. Ich habe bereits von mehreren meiner Freunde dieselbe Erfahrung vernommen: wenn sie zuhause sitzen und eine Serie schauen, oder gar Animes, werden sie nicht in Ruhe gelassen, aber sobald irgendein Sport läuft werden sie nicht mehr gestört. Ein Freund ist sogar so weit gegangen, dass er jetzt regelmäßig im Fernsehen ein Fußballspiel laufen lässt, nur damit ihn niemand stört, während er aber am Handy Mangas liest oder Animes schaut. Ich habe als Kind die gleiche Erfahrung gemacht. Die einzige Zeit, wenn meine Mutter mir den Fernseher nicht abgedreht hat, oder mich für irgendetwas vom Sofa weggezerrt hat, war, als ich irgendeine Sportsendung geschaut habe.
Warum hat Sport diesen heiligen Stellenwert? Naja, verwunderlich ist es nicht, gibt es diese Wettkampfkultur ja schon seit über dreitausend Jahren. Selbst treibe ich auch gerne Sport. Treiben! Aber so etwas im Fernsehen zu schauen ist doch total langweilig. Und dennoch machen es alle und sprechen am nächsten Tag darüber.
Sport ist jedoch nicht das einzige „richtige“ Hobby, es gibt da auch noch Shopping, Ausgehen, Reality TV, Youtube etc. Sogar wenn ich sage, dass ich gerne lese, bekomme ich manchmal einen entgeisterten Gesichtsausdruck entgegengeworfen. Über die Reaktionen, wenn ich über Brettspiele spreche, möchte ich erst gar nicht anfangen. Und warum? Ganz plakativ könnte man sagen, dass unsere Gesellschaft einfach noch nicht reif genug ist.
Ja, boh, ich weiß jetzt gar nicht, warum ich das geschrieben habe. Denn eigentlich geht es mir gut und in meiner Freizeit ziehe mich einfach in meine Blase zurück und genieße mein Leben. Ich habe mich nur letztens wieder darüber geärgert, als jemand die Augen verdrehte, als ich meinte, ich würde mich am Abend mit Freunden für Brettspiele treffen. Hätte ich „Poker“ gesagt, wäre diese Reaktion vielleicht sogar ausgeblieben.
Mein Kollege bei der Arbeit ist da hingegen schon viel robuster. Er spricht über Mangas und schert sich keinen Deut darum, was die anderen denken. Wenn dann mal eine abteilungsferne Person kommt und diesbezüglich einen abfälligen Kommentar von sich gibt, wird der gleich in eine Diskussion gezerrt, dass jeder Mensch machen kann, was er möchte. Ob dies zur Sensibilisierung beiträgt, weiß ich nicht, aber wir werden mit unseren Mangas von allen in Ruhe gelassen. Außerdem leisten wir auch eine sehr gute Arbeit und fachlich oder sonst wann wird uns unser Hobby nie vorgeworfen, ich kann mich da nicht beschweren.
Also rede ich halt in der Mittagspause über Sonntagsspaziergänge, Urlaub, die Kinder und Fußball.

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Eine Antwort zu Gedankensprung: Das „richtige“ Hobby

  1. Andi schreibt:

    Vieles davon kann ich nachvollziehen 🙂
    Ich glaube aber jeder hat Interessen die nicht wirklich massentauglich sind. Ob man die Figuren aus Überraschungseiern sammelt, Philatelie betreibt oder alte Kinderbücher sammelt. Mit vielem gewinnt man keinen Beliebtheitswettbewerb…Wenn man nach draußen geht und mit anderen interagiert, braucht man einen gemeinsamen Nenner. Zu Dingen aus dem TV hat normalerweise jeder irgendwie Zugang. Das erleichtert es schon eine Gesprächsbasis zu finden.
    Ja … natürlich würde ich im Büro gerne mehr über Brettspiele sprechen aber ich glaube so geht es auch meinen KollegInnen die über antike Steine, Kinderbücher oder Jazz sprechen wollen.
    Da gibts dann inzwischen Mal den einen oder anderen Satz über das Thema und ich denk mir aha … ok. Ich kenn mich weder besonders damit aus noch hab ich ein riesiges Interesse. Ich glaub, wenn ich über Spiele spreche geht es den anderen auch so.
    Wenn ich das jemand Fremden sagen würde und der seine Infos über Spiele aus der Datenbank abruft, kann es sein, dass er evtl. in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht hat. Eine negative Meinung abzuändern ist kein leichtes Unterfangen.
    Im Büro kannten die meisten auch nicht wirklich was tolles (außer eine die Civilization in der Studienzeit gespielt hat …. NEEEERD*ggg*) … da hab ich Mal Ruhm für Rom mitgebracht, dass recht cartoonhaft aussieht und ihnen die Regeln erklärt 😀
    Danach waren sie ein wenig … ja … sprachlos 🙂 Ich glaub das hat die Vorstellung von „sowas wie Uno“ grade gerückt.

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