Gedankensprung: Die Macht der Schönheit

Vor vielen Jahren habe ich mal einen Film gesehen, der so schlecht war, dass ich mich bis heute daran erinnere: Wolverine – Weg des Kriegers.
Was mich damals so geärgert hat, war die Tatsache, dass der ganze Film daran hängt, dass Logan sich in die Tochter des getöteten Bosses verliebt. Damals saß ich da und fragte mich, was passiert wäre, wenn die Tochter zu hässlich für Logans Geschmack gewesen wäre? Wäre er dann einfach weggegangen und sie wäre getötet worden? Oder was wäre gewesen, wenn Prinzessin Leia aus Star Wars übergewichtig mit einem Pickelgesicht gewesen wäre?
Das passiert in so vielen Filmen: Der Held ist schön, das Opfer ist schön, sie verlieben sich und dann läuft die Geschichte. Nichts gegen die Macht der Liebe, dass man für seine Geliebten alles tut. Aber manchmal ist es einfach so lächerlich. Der Held trifft eine Frau, die er nicht kennt, von deren Hintergrund und Charakter er nichts weiß, aber weil sie schön ist, hilft er ihr. Die Filmindustrie arbeitet nach dem gleichen Sprichwort, das bereits die antiken Griechen kannten: „Wer schön ist, ist gut.“ Andersrum: „Wer hässlich ist, muss böse sein.“
Das erinnert mich an eine Episode von Star Trek Voyager, in welcher einige Crewmitglieder auf einem Planeten landen, auf dem zwei unterschiedliche Rassen Krieg führen. Die Mitglieder schließen sich intuitiv den menschlich aussehenden an, doch am Ende merkt man, dass die hässlichen eigentlich die guten, die Opfer sind. Diese Episode hat mir damals sehr imponiert, weil eben genau damit gespielt wurde, mit dem Aussehen und den damit verbundenen Konnotationen.
Man nehme auch zum Beispiel all die Geschichten her, in denen es einen „Auserwählten“ gibt, einen von der Prophezeiung vorherbestimmten. Was wäre, wenn das ein Mensch wäre, der keinem Schönheitsideal entspricht? Würden die Geretteten sich dann ihm immer noch um den Hals werfen?
Ich verstehe durchaus, dass für die Kamera schöne Menschen genommen werden, denn das lockt einfach mehr Zuschauer. Und grundsätzlich ist es für mich auch kein Problem. Ich bin sicherlich der letzte, der sich beschwert, zwei Stunden lang einer hübschen Frau zuzuschauen, solange sie zumindest eine gute Schauspielerin ist, was ja heute leider oft nicht mehr der Fall ist, wenn nur noch nach Optik und nicht Talent gecastet wird. Ich finde es nur immer peinlich, einfach lächerlich, wenn der Aspekt „Schönheit“ beinahe schon plottragend wird. Der Charakter von Sandra Bullock hat es damals im Film Speed gut ausgeführt: „Beziehungen, die aus Extremsituationen entstehen, halten nicht lange.“ Und deshalb sind auch die beiden Hauptcharaktere in Jurassic World zu Beginn des zweiten Teiles nicht mehr zusammen. Aber das ist auch irgendwie in Ordnung, wenn eben zwei Charaktere gemeinsam etwas erleben und dann am Ende im Bett das angestaute Adrenalin abbauen. Problematisch wird es dann, wenn ein Charakter erst durch die Schönheit eines anderen die Motivation findet, etwas zu machen und erst dadurch der Plot vorangetrieben werden kann. Da hat dann irgendein Drehbuchautor es sich sehr einfach gemacht.
Natürlich könnten all die Liebesfilme und Romantischen Komödien nicht funktionieren, wenn die Charaktere sich nicht gegenseitig attraktiv finden würden. Doch auch hier kann genau das gleiche gesagt werden, wie zu Beginn dieses Beitrages: in den guten Filmen dieses Genres lernen sich die Protagonisten richtig kennen, in den schlechten bleibt es bei den Oberflächlichkeiten.
Ich ärgere mich halt einfach immer über einen schlechten Plot und das hier ist ein typisches Element, das in solchen vorkommt. Aber andererseits machen Männer und Frauen, wenn sie abends ausgehen, genau das, was ich hier gerade kritisiert habe.

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Eine Antwort zu Gedankensprung: Die Macht der Schönheit

  1. Michael Kleu schreibt:

    Das ist auch in Märchen und in der antiken Mythologie ein beliebtes Thema: Der Held stürzt sich ins Abenteuer, um eine Frau/Prinzessin zu retten, die er in der Regel gar nicht kennt. Gut, im Falle einer Prinzessin gehört nastürlich noch das halbe Königreich dazu 😉

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