Gedankensprung: Ein guter Spieler – Ein schlechter Spieler

Ein häufiges Missverständnis ist, dass man gut sein müsse, um beim Spielen Spaß haben zu können. Und sehr oft haben Leute, die schlecht gespielt haben, keinen Spaß. Woher kommt diese Gleichsetzung von Leistung mit Spaß?
Bei mir ist es so, dass ich ein guter Spieler bin, wenn es sich um neue Spiele handelt. Damit meine ich, dass wenn niemand am Tisch das Spiel bereits kennt, es also für alle neu ist, werde ich fast immer gewinnen, weil ich irgendwie imstande bin, Mechanismen und Konzepte rasch zu erfassen. Darauf bin ich auch sehr stolz. Wenn wir ein Spiel dann aber öfters spielen, werde ich meistens verlieren, weil ich es selten schaffe ein Spiel erfolgreich zu analysieren und die beste Strategie zu entwickeln. Manchmal gelingt es mir, aber dann fehlt mir das Quäntchen Glück. Und dennoch habe ich Spaß beim Spielen, auch wenn ich verliere oder verglichen mit den anderen schlecht spiele.
Der Spaß vergeht mir eigentlich nur in zwei Situationen: Wenn ein Spieler extrem kompetitiv ist oder einer ständig nörgelt. Da man solche Spieler irgendwann kennt, kann man ihnen aus dem Weg gehen und sich das Spiel nicht verderben lassen.
Kompetitive Spieler sind konzentriert, regelpenibel, zögern jeden Zug endlos hinaus und sind dann extrem wütend, wenn sie nicht gewinnen. Ich habe mich bei manchen Leuten dieser Kategorie schon oft gefragt, ob die wirklich noch Spaß beim Spielen haben. Es schaut für mich nicht so aus, aber aus irgendeinem Grund werden sie schon ihrem Hobby frönen.
Bei den Nörglern frage ich mich noch mehr, warum die weiterhin spielen. Kommentare wie „Warum passiert das immer mir?“, „Warum gehen alle auf mich?“, „Warum helft ihr euch und nicht mir?“ gehen mir wirklich auf die Nerven, vor allem, wenn sie in einem schrillen und angreifenden Tonfall vorgebracht werden. Und wenn solche Spieler dann verlieren, kommt das einem Weltuntergang gleich und ist nur darauf zurückzuführen, dass alle unfair waren.
Bei mir und bei den Anderen meiner Spielergruppe ist es so, dass wir einfach Spaß haben zu spielen, egal wer gewinnt oder verliert, wer Glück oder Pech hat. Wir lachen gemeinsam über Missgeschicke, diskutieren offen über Strategien und sind sehr kulant bei Fehlern. Gewinner und Verlierer verderben sich nachher nicht gegenseitig die Laune, sondern analysieren gemeinsam den Spielverlauf und mögliche falsche oder glückliche Entscheidungen. Das macht einfach Spaß, ist schön und wird vermutlich bei den meisten Spielgruppen so gehandhabt.
Um aber auf die anfängliche Frage zurückzukommen: Woher kommt diese Gleichsetzung von Leistung mit Spaß? Denn sehr oft erlebe ich Leute, denen ein Spiel nur deshalb nicht gefällt, weil sie verlieren, oder umgekehrt gefällt es ihnen nur, weil sie gewinnen. Persönlich gewinne ich oft Spiele, die mir eigentlich nicht gefallen und verliere Spiele, die mir dennoch gefallen. Das wird vermutlich den meisten Vielspielern und vor allem Kritikern so gehen. Sind jetzt aber die anderen einfach nicht reif genug, ein Brettspiel zu spielen? Denn sehr oft erinnern mich diese Momente an die Trotzreaktionen von Kindern: „Buh, ich habe verloren, das ist ein Blödsinn.“ Liegt es also an der Erziehung, dass manche Leute nie gelernt haben, mit Niederlagen umzugehen, bzw. bei einem Sieg dennoch respektvoll zu bleiben? Und verstehen die auch nicht, dass sie damit all den anderen am Tisch ebenfalls die Laune vermiesen?
Wie gesagt kennt man die Leute ja irgendwann und kann ihnen aus dem Weg gehen oder wenn aus irgendwelchen dummen Gründen das nicht möglich ist, kann man ja kurze, einfache oder kooperative Spiele spielen. Das Problem entsteht dann, wenn es eine neue Person ist, die einem dann mit diesem Verhalten überrascht. Noch tragischer wird es, wenn es sich um ein langes Spiel handelt. Da muss man dann einfach irgendwie die Augen zumachen und sich durchkämpfen.
Spaß hat nichts mit Leistung zu tun, wird von dieser aber stark beeinflusst. Nörgler sind still, wenn sie gut spielen, kompetitive Leute ebenfalls. Nur wenn es Mal nicht so läuft, wie sie es gern hätten, dann schwappen ihre Emotionen über. Und das ist das Problem an der ganzen Sache: die Motivation. Setze ich mich an den Tisch um zu gewinnen oder um Spaß zu haben? Natürlich möchte jeder gewinnen, das ist ja der Reiz eines Spiels, aber dabei sollte man das eigentlich wichtige eines Spieleabends nicht aus den Augen verlieren, nämlich den sozialen Aspekt. Mit Freunden zusammensitzen, zwischenmenschlicher Kontakt und gemeinsame Erfahrungen sind das zentrale eines Spieleabends. Wer das vor Augen hat, wird auch Spaß haben, egal was auf dem Spielbrett passiert.

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