Buch: Noah, Trevor – Farbenblind (Originaltitel: Born a Crime)

Sehr schönes Buch über die Apartheid und die nachfolgenden Probleme in Südafrika.
Trevor Noah, Moderator der Satire-Show The Daily Show, präsentiert in diesem Buch die Geschichte seines Lebens, eines tragischen Lebens, durch das man einen Aspekt Südafrikas kennenlernt, den man so eigentlich nie richtig verstanden hat. Was bedeutet es, unter dem Apartheidsregime Schwarz zu sein? Und noch schlimmer, wie im Fall Noahs, Farbig, also Halb-Schwarz und Halb-Weiß? Als die Apartheid dann endete, bedeutete dies nicht automatisch, dass es plötzlich allen Schwarzen gut ging. Die Armut blieb bestehen, die Ghettos, Stammeskonflikte, Ressentiments blieben bestehen. So erzählt uns Noah, wie er unter dem Apartheidsregime das Haus nicht verlassen durfte, um nicht von der Polizei aufgegriffen zu werden, wie er nachher dann seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von illegalen CDs bestritt, dann auch mit Diebesgut, wie Kriminalität der Alltag eines jeden im Ghetto war, wie er ins Gefängnis kam, wie sein Stiefvater ihn verprügelte und die gesamte Familie tyrannisierte. Am meisten aber liegt der Fokus auf dem Thema Identität: Er ist ein Farbiger, weder Schwarz noch Weiß und erst recht kein Inder. Was bedeutet das? Zu welcher Gruppe soll er sich im Kindergarten stellen, zu welcher in der Schule, zu welcher im Gefängnis? Das Buch ist jedoch nicht nur die Geschichte seines Lebens, sondern auch von seiner Mutter, einer starken Frau, die immer nach Unabhängigkeit strebte und Grenzen sprengen wollte, etwas Besseres wollte, aber regelmäßig wieder zurückgeworfen wurde.
Noah ist ein Comedian und so erzählt er all diese schrecklichen Dinge auf eine sehr witzige Art und Weise. Man hat nie das Gefühl, dass er vom Leser Mitleid fordert, sondern dass er ihn zum Lachen bringen möchte. Dadurch ist dieses sehr informative und lehrreiche Buch einfach und flüssig zu lesen.
Das einzige Manko ist, dass er nicht erzählt, wie er dieses Leben überwunden und hinter sich gelassen hat. Er schreibt zwar, dass er, als er volljährig wurde, von zu Hause auszog, aber dann endet es. Im Deckblatt steht zwar, dass es auf Netflix eine Dokumentation über seinen Werdegang zum Comedian gibt, aber dass man die quasi als Fortsetzung zum Buch schauen sollte, finde ich nicht gut. Auch eine schnelle Internetrecherche ergibt nur, dass er mit 18 Jahren der Star einer Südafrikanischen Seifenoper war, wie aber der Sprung dorthin gelang, wird nirgends thematisiert. Das finde ich schade.
Fazit: Sehr zu empfehlen. Vielleicht sogar als Schullektüre.

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