Spiel: Cosmic Encounter (Asmodee)

Munchkin ohne Humor.
Von Bill Eberle, Jack Kittredge, Bill Norton, Peter Olotka und Kevin Wilson (ca. 60-120 Min.; 3-5 Spieler)
Ich habe sehr viel positives über dieses Spiel gehört und es gibt sogar eine berühmte Internet-Persönlichkeit, die es als das „beste Spiel aller Zeiten“ bezeichnet. Dass dann so etwas daherkommt, hätte ich nicht erwartet. Man streamline Munchkin, mache es seriös, versetze es ins Weltall, füge noch ein paar Regeln hinzu und voilà, Cosmic Encounter ist da.
Jeder Spieler besitzt fünf Planeten und es gewinnt der, der zuerst auf fünf fremden Planeten Kolonien errichtet hat. Doch dazu muss er den Besitzer jenes Planeten besiegen und da beginnt das eigentliche Spiel. Wie bei Munchkin werfen die beiden Kontrahenten Karten auf den Tisch und verwenden Sonderfunktionen, um ihren Wert zu erhöhen und den anderen zu verringern. Außerdem werden die anderen Spieler als Verbündete angeheuert, die dann auch noch Karten dazuwerfen. Gewinnt der Angreifer, dürfen er und seine Verbündeten auf dem eroberten Planeten Kolonien errichten, sie erhalten also alle einen Punkt. Gewinnt der Verteidiger, erhalten seine Verbündeten Karten für zukünftige Kämpfe.
Die Idee wäre, sich ständig entscheiden zu müssen, ob man den Verteidiger unterstützt, weil man Karten braucht, oder den Angreifer, weil man sich einen Punkt schnappen möchte. Doch tatsächlich unterstützt man nur die Person, die wahrscheinlicher ist den Kampf zu gewinnen, außer sie hat schon zu viele Punkte, dann riskiert man vielleicht etwas anderes. Das führt dazu, dass erst gegen Ende irgendeine Spannung aufkommt und man da dann – wie bei Munchkin – solange gegen den Führenden spielt, bis die Karten aufgebraucht sind und dann ein anderer gewinnt.
Was mir am Spiel sehr gut gefällt, sind die Schicksalskarten. Du darfst also nicht irgendeinen Spieler angreifen, aber jenen, dessen Karte du zufällig ziehst. Dadurch kann niemand etwas persönlich nehmen und es wird auch nicht konstant auf die gleiche Person eingeprügelt. Das führt auch dazu, dass selten ein Spieler weit zurückfällt oder einsam vorne wegläuft.
Am meisten wird das Spiel wegen seiner Varianz gelobt, dass es so viele verschiedene Aliens gibt und jedes eine andere Sonderfunktion hat. Jeder Spieler bekommt immer eines und aufgrund der Menge ist daher kein Spiel gleich. Und das ist auch die Crux an der Sache. Ich persönlich finde diese Sonderfunktionen teilweise eintönig, sehr oft recht ähnlich, dann wieder so verschieden, dass es komplett unbalanciert wirkt. Andere mögen hingegen genau das an dem Spiel, dass man nicht weiß, was man bekommt, egal wie schwach und schlecht oder beinahe unfair mächtig. Wenn man sich einlässt auf Chaos bei den Kämpfen und ein gewisses Maß an Abstrusität durch die Sonderfunktionen, wird man wohl seinen Spaß am Spiel haben. Wer von solchen Dingen aber leicht frustriert wird, lieber plant und rechnet, sollte dieses Spiel erst gar nicht anfassen.
An sich hätte ich ja nichts gegen diese Art von Spielen, landet doch auch manchmal Munchkin bei mir auf dem Tisch. Das Problem aber ist die Spiellänge. Für das, was es bietet, dauert es mir einfach zu lang. Die Kämpfe werden bald recht repetitiv, nur selten gibt es wirklich eine Überraschung, weil jemand plötzlich eine super-mächtige Karte hinlegt und am Ende agieren alle gegen den Führenden. Die Aliens sind für mich auch nicht so unterschiedlich, dass ich wirklich von Varianz sprechen würde. Die Spiele verlaufen eigentlich alle ziemlich ähnlich.
Ein anderes Element, das viel gelobt wird, ist das Verhandeln. Vielleicht haben wir auch etwas falsch gespielt, aber es gibt eigentlich nicht viel zu verhandeln, weil die Preise für die Verbündeten fix sind. Und auch das Element Einmal-unterstützen-dann-in-den-Rücken-fallen ist weder schockierend noch überraschend und hat nie zu irgendwelchen verbalen Diskussionen geführt.
Dennoch hat dieses Spiel viele Fans und ist bereits seit über 40 Jahren auf dem Markt. Also scheine ich mit meiner Meinung wohl in der Minderheit zu sein. Andererseits ist Monopoly auch schon ewig auf dem Markt, verkauft sich prächtig, aber ist einfach kein gutes Spiel. Wer hingegen eine Kritik lesen möchte, die sehr positiv über das Spiel urteilt, der sollte hier bei Andi vorbeischauen.
Fazit: Ein Klassiker, der mal ausprobiert werden sollte.

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6 Antworten zu Spiel: Cosmic Encounter (Asmodee)

  1. Andi schreibt:

    Hi … Danke für den Link. Interessante und ganz andere Eindrücke. Es gibt da ein paar Punkte, die ich am Spiel gut finde, die du nicht erwähnt hast. Ich weiß jetzt nicht, ob das an der Textlänge liegt oder ob ihr bei den Regeln was überlesen habt. Zum Thema „alle auf den Führenden“. Kommt meiner Erfahrung nach in der Form nicht vor, weil es ja die Möglichkeit eines geteilten Sieges gibt. Wie du schon gesagt hast ist es oft so, dass kein Spieler den anderen weit davonrennt. Deswegen ist das Feld näher zusammen, wodurch der geteilte Sieg sehr interessant wird. Ich würde Pi mal Daumen schätzen, dass die Hälfe unserer Partien mit 2 und mehr Siegern endet. Einmal haben sogar alle bis auf einen gewonnen 🙂 Das sorgt dafür, dass am Ende, der Sack schnell zu sein kann, anstatt sich lange hinzuziehen.
    Zum Verhandeln: Wenn beide eine Verhandeln Karte spielen, können sie im Prinzip Kolonien anbieten und beliebige Handkarten. Wenn man dem Mitspieler die Manöverkarte seiner Spezies anbieten kann, muss der schon einiges auf den Tisch legen. Aber die Zeit rennt, weil nur 1 min Zeit ist.
    Mit welchen Aliens habt ihr gespielt? Habt ihr bunt durchgemischt oder nur die grünen genommen?

    • wsnhelios schreibt:

      Wir haben eh mehrmals gespielt und sämtliche Aliens gemischt, also nicht nur die grünen.
      Du hast schon recht, dass es mehrere Sieger geben kann, das ändert aber nichts daran, dass der Führende nie unterstützt wird und als Verbündeter akzeptiert wird, solange er alleine da vorne ist. Außerdem war das auch kein so befriedigendes Gefühl, zu zweit oder zu dritt zu gewinnen.
      Wie das Handeln funktioniert, haben wir schon verstanden, aber in keiner Partie ist es je dazu gekommen. Wenn einmal wirklich jemand verhandeln wollte (oder musste), hat der Gegner das nicht wollen (oder können).

      • Andi schreibt:

        OK. Dachte da ist vielleicht was durcheinander gekommen. So ein Spiel passt anscheinend einfach nicht zu eurer Spielweise. Ich hab eine Konstellation in der ein paar Strategen sitzen, die damit auch keine sehr große Freude hätten aber in einer anderen wo die nicht dabei sind und stattdessen ein paar Freunde die man schon 20 Jahre kennt, kommen solche Spiele echt gut an. Bisschen taktieren, bisschen Planung, Interaktion und sehr viel Trash Talk. Solche Spiele sind dort immer das Highlight des Abends. Zuerst meistens was kurzes. Ein Stichspiel oder so. Danach immer etwas strategischeres wie Dominion, Kingdom Builder, Catan, Alhambra. 7 Wonders etc. und am Ende kommt dann sowas wie Cosmic Encounter, Cyclades, El Grande oder Lancaster. Je nachdem worauf wir grade Lust haben.

      • wsnhelios schreibt:

        Natürlich, es gibt kein universelles Spiel, das jeden Geschmack trifft und jede Spielweise befriedigt.
        Für uns war es nur umso enttäuschender, weil wir immer so viel Lob darüber gehört hatten und am Ende dann mit „so etwas“ abgespeist wurde.
        Aber ich muss sagen, dass ich es interessant finde, dass du Cosmic Encounter mit Kyklades und El Grande in einer Liste erwähnst. Die letzten beiden Spiele liebe ich und sie wären für mich nie eine Alternative zu Cosmic Encounter.
        Aber wie gesagt, Geschmäcker sind zum Glück unterschiedlich.

      • Andi schreibt:

        Es hängt davon ab, was wir schon gespielt haben und wie motiviert die anderen sind. Cosmic spielen wir dann, wenn’s chaotischer sein soll 🙂

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