Gedankensprung: Serien-Overkill

Wer soll das alles schauen?
Netflix, Amazon, Hulu, traditionelle Fernsehsender u.v.m. produzieren Serien am laufenden Band. Ich habe einmal darauf hingewiesen, dass wir uns im „goldenen Zeitalter der Serien“ befinden, was die Produktionsqualität betrifft. Aber jetzt wird es einfach zu viel. Wer soll denn das alles schauen? Letztens habe ich eine Trailershow für neue Serien von Netflix geschaut und interessieren würden mich davon fast alle. Das ist aber nur ein (!) Serienanbieter und dazu kommen noch alle Serien, die ich bereits schaue und auf deren nächste Staffeln ich schon warte. Aber auch bei Filmen, Büchern, Spielen gibt es viel zu viel, um alles von einer einzigen Person konsumiert zu werden. Das hat natürlich viele Vorteile, denn so wirst du viel mehr Dinge finden, die deinen Geschmack treffen. Weil man nicht alles schauen kann, informiert man sich im Vorfeld viel genauer, was man dann konkret schaut, was wiederum dazu führt, dass man nur noch selten enttäuscht wird. Das bedeutet aber auch, dass man nur noch höchstselten seine Komfortzone verlässt und andere Dinge ausprobiert, andere Dinge entdeckt. Darüber, dass allgemein zu viel produziert wird und dessen Konsequenzen, habe ich schon an einer anderen Stelle geschrieben.
Es gibt aber noch ein weiteres psychologisches Problem, das damit einhergeht: Die Angst vor dem Verpassen. Wenn ich mich mal entscheide eine Serie nicht zu schauen, aber das ist dann genau die, über die alle reden, dann ist das schon nervig. Aber auch einfach nur die Angst, ein richtig tolles Produkt ausgelassen zu haben, es dann ein Leben lang zu bereuen.
Letztens ist mir das mit einem Anime passiert. In der Winterstaffel 2018 hatte ich mich dafür entschieden, die Serie Sora yori mo Tooi Basho nicht zu schauen, aber jetzt in den Reviews lese und in Gesprächen mit Freunden höre ich überall wie toll sie doch ist. Was ich da so mitbekomme sagt, dass die Serie eigentlich voll meinen Geschmack getroffen hätte. Aber es gibt immer so viele Serien und ich kann ja nicht alle schauen, man muss sich entscheiden.
Ich verstehe durchaus, dass es sehr schwer ist, einen Trend auszulassen, man fühlt sich dann wie ein Außenseiter. Ich möchte auch gar nicht wissen, wie viele Leute eine Serie gar nicht schauen, sondern nur die Zusammenfassungen im Internet lesen, damit sie mitreden können. Im Vergleich zu den meisten schaue ich viele Serien. Eine Episode am Morgen, eine zu Mittag und dann nochmal ein bis drei am Abend. Und selbst mit dieser Menge komme ich nicht mit, muss Dinge auslassen, aufschieben. Ich habe für mich aber gelernt, damit umzugehen, zu chillen, das alles nicht so ernst zu nehmen. Und daher werde ich auch Sora yori mo Tooi Basho nicht nachholen. Warum den Stress antun, noch eine Serie rein zu schieben, wenn man schon genug hat?

Fazit: Lehnt euch zurück, trinkt eine Tasse Tee und betrachtet nochmal all die Dinge, die ihr schon habt. Atmet einmal tief durch und akzeptiert, dass ihr nicht jede Neuheit haben könnt und dass es auch gar nicht wichtig ist, alles zu haben. Entspannt euch einfach.

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Eine Antwort zu Gedankensprung: Serien-Overkill

  1. Michael Kleu schreibt:

    Bei mir geht langsam auch die Luft raus …

    Allerdings finde ich erstaunlich, dass immer wieder Serien eingestellt werden, weil sie trotz einer festen Fanbasis die Erwartungen nicht erfüllen. Es ist schade, dass man solche Serien – wo es doch ohnehin schon so viele gibt – nicht als Nischenprodukte weiterleben lässt.

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