Spannender Einblick in die Welt der Wikinger.
Mit Im Schein von Gold und Feuer ist Dr. Eleanor Barraclough ein packendes Stück Populärwissenschaft gelungen, das die gängigen Klischees über die Nordmänner außen vor lässt. Statt die ewig gleiche Geschichte von wilden Plünderern zu erzählen, nimmt uns die Historikerin mit auf eine faszinierende Spurensuche im Alltagsleben einer hochkomplexen Kultur. Anhand von scheinbar unscheinbaren Fundstücken wie Kämmen, Münzen oder Runenschriften rekonstruiert sie eine Welt, die von globalem Handel, tiefen Tragödien und überraschender Modernität geprägt war. Ein Kamm, der seinem Besitzer wichtiger war als jede Axt, die Notiz einer wütenden Ehefrau an ihren Mann, der mal wieder in der Taverne versackt ist, oder die Kritzeleien eines gelangweilten Schülers auf Birkenrinde, die heutigen Kinderzeichnungen bestechend ähnlich sind.
Dieses Buch lässt uns in den Alltag einer außergewöhnlichen Kultur eintauchen, die sich von den skandinavischen Kerngebieten über die abgelegenen Fjorde Grönlands bis hin zum byzantinischen Reich und dem islamischen Kalifat erstreckte. Hochwertig ausgestattet mit vielen schwarz-weiß und Farbabbildungen neuester Funde, wie Münzen, (Spiel-)Figuren, Kämmen, Gräbern, Eingravierungen uvm.
In 10 Kapiteln, die sich nicht chronologisch aneinanderreihen, sondern thematisch gegliedert sind, führt uns die Autorin in alle Aspekte des alltäglichen Lebens der Wikinger, von Liebe über Glaube zu Spielen, von Körperpflege über Reisen zu Haushalt. Es ist einfach schön, die Geschichte dieses Volkes endlich mal abseits der Schlachtfelder kennenzulernen.
Der große Pluspunkt des Buches ist Barracloughs lebendiger Erzählstil. Sie schafft es mühelos, die Brücke zwischen fundierter wissenschaftlicher Recherche und packender Erzählung zu schlagen. Dadurch liest sich das knapp 500-Seiten-Werk so flüssig wie ein historischer Roman, verliert dabei aber nie an Tiefgang. Wer die Wikingerzeit abseits von Hollywood-Klischees verstehen will, kommt an diesem atmosphärischen und klugen Sachbuch nicht vorbei.
Fazit: Sehr zu empfehlen.
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