Gedankensprung: Streamingdienste

Weil ich mich gerade darüber ärgere, habe ich mir gedacht, ich schreibe mal was dazu.
An sich wären Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime oder Disney+ eigentlich genau das, was meinen Lebensstil unterstützt, nämlich Serien und Filme anschauen, wann, wo und wie ich will. Doch das ist leider nur die Werbung, nicht die Realität.
Einen Fernsehanschluss habe ich schon seit Jahren nicht mehr, weil ich einerseits das Programm großteils als extrem schlecht, zumindest aber als uninteressant empfinde. Und das, was ich schauen möchte, kommt zu unmöglichen Uhrzeiten. Und selbst wenn es eine akzeptable Uhrzeit ist, muss alles da drum herum angeordnet werden. Nein, dazu habe ich einfach keine Lust.
Der Slogan dieser Streamingdienste lautet also: „Alles schauen, wann, wo und wie du willst.“ Tja, leider nicht ganz.
Das große Problem ist nämlich, dass das Internet die Welt nicht vereint, sondern dort die nationalen Grenzen immer noch gelten. Als erstes ist mir dies explizit aufgefallen, als ich vor etwas über einem Jahr die fünfte Staffel von Shetland schauen wollte, diese aber nur auf amazon.uk zur Verfügung stand, nicht jedoch auf amazon.de, obwohl ich durchaus bereit gewesen wäre, dafür extra zu bezahlen. Die wollten mein Geld nicht, also habe ich es halt auf ner illegalen Streamingseite geschaut.
Wegen dieser Grenzen im Internet haben die Streamingplattformen in den verschiedenen Ländern ein unterschiedliches Angebot. Die Frage lautet nämlich, wer hat in welchem Land welche Rechte? Und deshalb läuft der Film New Mutants beispielsweise auch noch nicht im deutschen Disney+.
Doch es bleibt nicht nur beim Programm, sondern reicht auch zu den Sprachen. Warum kann ich einen Film auf Netflix nicht in allen Sprachen schauen, in die er übersetzt worden ist? Nein, es gibt fast nur Deutsch, Originalsprache und Englisch. Obwohl ich genau weiß, dass es davon bereits italienische und russische Übersetzungen gibt. Aber so ist es auch auf den anderen Streamingplattformen. Manchmal möchte ich mit meiner Tochter einen Film oder eine Serie auf Russisch schauen, aber das geht nur mit russischen Produktionen. Warum? Kein einziger Animationsfilm auf Disney+ bietet eine russische Tonspur.
Es gibt die Tonspuren ja schon, sie müssten nur integriert werden.
Aber dem nicht genug sind die Untertitel teilweise ein Katastrophe. Wenn ich alleine bin, schaue ich eigentlich nur auf Englisch und ohne Untertitel. Wenn aber meine Frau dabei ist, schauen wir auf Deutsch und lassen dabei noch die deutschen Untertitel laufen. Auf Amazon Prime wird zwar viel gekürzt, wie es eh oft der Fall ist, aber es ist dennoch alles korrekt. Auf Disney+ hingegen sind die Untertitel eine Katastrophe. Letztens bei Findet Nemo wurde das Wort „Flosse“ im Untertitel mit „pinna dorsalis“ geschrieben. Das nur als ein Extrembeispiel. Allgemein sind die Untertitel bei Disney+ in den Bereich Wortwahl und Syntax schon sehr schlecht. Das zeigt einfach gut, dass bei Disney+ irgendein billiges Computerprogramm benutzt wurde und niemand nachher noch kontrolliert hat.
Das größte Problem aber ist, dass sich die Inhalte auf diverse Plattformen aufteilen. In Europa haben wir dieses Problem eh nicht so stark wie in den USA. Dort gibt es unzählige Streamingdienste und wenn man alles schauen will, was einen interessiert, braucht man viele Abonnements, also viel Geld. Kein Wunder also, dass illegale Streamingseiten weiterhin blühen.
Die meisten US-Produktionen werden zum Glück von Netflix und Amazon Prime für den internationalen Markt gekauft, womit man dann in Europa das meiste unter zwei Dächern hat. Doch eigentlich nicht ganz. HBO Max wird über Sky vertrieben und Disney+ kocht sein eigenes Süppchen. Dazu kommen noch einige Filme und Serien, deren Rechte in Europa bei verschiedenen Vertreibern liegen. Also auch hier ist es nicht ganz so einfach und wer wirklich alles schauen will, was ihn interessiert, muss auch hier einige Abos abschließen.
Das gleiche betrifft auch Animes. Crunchyroll wäre eigentlich eine Streamingplattform, die das Ziel hätte, sämtliche Animes für den internationalen Markt unter einem Hut zu versammeln. Aber selbst auf so ein kleines Genre reduziert funktioniert das nicht. Tatsächlich waren im Winter 2021 nicht einmal die Hälfte der Serien, die ich geschaut habe, auf Crunchyroll.
Im Bereich Anime kommt dann noch das Netflix-Gefängnis ins Spiel. Netflix kauft sich nämlich die internationalen Rechte für Anime-Serie, die in Japan wöchentlich erscheinen. Doch statt diese wie bei Crunchyroll gleichzeitig zu veröffentlichen, werden die Episoden bis ans Ende geblockt, also im Netflix-Gefängnis aufbewahrt, und dann auf einem Schlag online gestellt. Die Fans wollen die Episoden aber gleich sehen, wie sie in Japan gezeigt werden, um eben sich in der Comunity unterhalten zu können und müssen daher, troz Netflix-Abo, auf illegale Seiten ausweichen.
Nun gut, dann mag man sich denken, ich muss ja nicht alles schauen, was mich interessiert, sondern bleibe bei einer einzigen Plattform, denn die haben ja viel Angebot und vielleicht finde ich ja doch was Nettes. Aber falsch gedacht, denn sehr viel ist nur billiger Schrott. Wie gesagt sind Netflix und Amazon Prime in diesem Bereich nicht so schlecht aufgestellt, denn sie kaufen international ein und somit kann man da, wenn man über den eigenen Tellerrand hinausblickt, durchaus interessante Dinge finden. Disney+ hingegen ist einfach nur eine Enttäuschung.
Ich habe mir Disney+ besorgt, weil ich mit meiner Tochter jetzt sämtliche Pixar- und Prinzessinnenfilme schaue, in dem Sinne zahlt es sich voll aus. Aber wenn ich da dann ein bisschen herumstöbere finde ich absolut nichts für mich. Es gibt da halt nur die Eigenproduktionen und die Interessanten davon kenne ich schon. Die Marvel-Serien interessieren mich leider nicht und auf die nächste Star Wars-Serie muss noch gewartet werden. Ab Juni wird man auf Disney+ Raya und der letzte Drache ohne Aufpreis und den neuen Pixar-Film Luca, ebenfalls ohne Aufpreis, sehen können. Darauf freue ich mich, aber ob ich danach den Dienst verlängern werde, bezweifle ich. Auch Netflix hole ich mir immer nur monateweise, wenn es was gibt, was ich sehen will. Einzig Amazon Prime habe ich konstant, aber das ist halt eine eigene Situation.
Was mich bei Disney+ auch noch voll überrascht hat, war, dass dort die aktuelle Simpsons-Staffel nicht läuft, aber auch hier haben wir wieder eine Frage der Rechteinhaber in den verschiedenen Ländern.
Auch wenn man sagen kann, dass Streamingdienste eigentlich eine sehr gute Idee sind, sind die interessanten Inhalte leider extrem aufgeteilt und in den verschiedenen Ländern auch noch anders zugänglich. Wer alles haben will, muss tief in die Tasche greifen, kann dafür aber alles immer sehen, wie und wo er will. Oder man macht es wie ich, überlegt sich genau, was man sehen will, bündelt dies und macht ein Abo immer nur für 1-2 Monate.
Im Grunde darf man sich jedoch nicht wundern, dass die illegalen Streamingseiten derart aufblühen, wenn es so viele Inhalte gibt, die jedoch nur schwer zugänglich sind.

Ein Freund von mir hätte gern einen Account für alle Streamingdienste, bei dem du monatlich 20-30 Euro bezahlst. Aber dafür kannst du alles schauen. Und die 20-30 Euro werden dann prozentell auf die Plattformen aufgeteilt, die du konkret angeschaut hast. Wäre doch eine Idee, oder?

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2 Antworten zu Gedankensprung: Streamingdienste

  1. Andi schreibt:

    Was regionale Angebote angeht kann man ja VPN Anbieter verwenden, die die eigene IP Adresse verbergen. Das Land kann man automatisch nehmen oder man legt es fest. Ich hab das eigentlich zufällig entdeckt, da auf einmal die YouTube Werbung in einer anderen Sprache war 🙂

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