Ein gemütlicher Anime-Sommer. Es ist nicht viel erschienen und ich habe nicht viel geschaut.
Aktuelle Serien:
Grand Blue hat in der dritten Staffel nichts von ihrem genialen, absolut chaotischen Humor verloren. Für mich einfach die beste Anime-Comedy.
Das ikonische Duo aus Iori und Kohei zündet nach wie vor auf den Punkt, wobei die gewohnten Missverständnisse, absurden Over-the-Top-Reaktionen und wilden Trinkspiele den unbeschwerten Sommer-Vibe perfekt einfangen. Neben den gewohnt exzessiven College-Partys lieferte die Fortsetzung mit der Reise nach Palau nicht nur wunderschöne Tauchbilder, sondern auch spürbare Fortschritte in der Charakterentwicklung. Diese Staffel ist eine rundum gelungene und energiegeladene Fortsetzung, die zeigt, dass Qualität, Herz und Humor der Serie unschlagbar geblieben sind.
That Time I Got Reincarnated as a Slime 4th Season lief direkt aus dem Frühling weiter. Weiterhin toll und sehenswert. Wer die Serie bisher verfolgt hat, weiß, was einen erwartet und wird zufriedengestellt. Ein Comfy-Watch, wie man so schön sagt.
Diese aktuelle vierte Staffel soll über 60 Episoden erhalten und ist auf 5 Cours aufgeteilt. Im Sommer lief der 2. Cour, der 3. Cour ist für Sommer 2027 geplant, jetzt also mal 9 Monate Pause.
Sparks of Tomorrow erweist sich als perfekte Mischung aus historischem Coming-of-Age-Drama und originellem Steampunk. Angesiedelt in einem alternativen, von Dampfmaschinen verrauchten Kyoto des Jahres 1907, reißt einen die abenteuerliche Suche des ungleichen Duos Kihachi und Inako nach dem geheimnisvollen elektrischen Katalog von der ersten Sekunde an mit. Visuell zieht das Studio alle Register und untermalt die emotionale Reise mit atemberaubenden, fast schon impressionistisch wirkenden Kulissen, während der Soundtrack die nostalgische und zugleich innovative Atmosphäre perfekt einfängt. Es ist ein wunderschönes, charakterstarkes und emotional packendes Abenteuer. Mit einer Staffel abgeschlossen und sehr zu empfehlen.
Während die erste Staffel von Clevatess (The King of Dark Beasts, the Baby, and the Undead Hero) aus dem Jahre 2025 noch als absoluter Dark-Fantasy-Geheimtipp glänzte, hinterlässt die im Sommer 2026 veröffentlichte Fortsetzung leider einen sehr bitteren Nachgeschmack. Die erste Staffel hat mir damals unglaublich gut gefallen, da sie mit ihrem unkonventionellen Ansatz, in dem der mächtige Bestienkönig Clevatess ein Menschenbaby adoptiert und die von ihm getötete Heldin Alicia wiederbelebt, eine fantastische erzählerische Dynamik entfaltete. Die erste Staffel kann wunderbar für sich alleine stehen und ist daher weiterhin empfehlenswert. Sie bot eine dichte Atmosphäre, tiefgründige moralische Dilemmata und genau die richtige Prise düsteren Humors. Umso enttäuschender ist jedoch die zweite Staffel, die qualitativ leider völlig einbricht. Das plötzliche Akademie-Setting und die magische Verwandlung der Heldin in eine Schülerin ruinieren in der zweiten Staffel leider komplett die einzigartige düstere Atmosphäre, die die erste Staffel von Clevatess so besonders gemacht hat. Anstatt die packende Dark-Fantasy-Reise und die komplexe Dynamik rund um den Bestienkönig fortzusetzen, verfällt die Serie damit in die typischen, ausgelutschten Schul-Klischees, die man schon zu oft gesehen hat. Dieser drastische Bruch beraubt die Geschichte jeglicher Ernsthaftigkeit und fühlt sich wie ein völlig anderes, weitaus schwächeres Werk an. Ich selbst habe die zweite Staffel gar nicht mehr zu Ende geschaut, weil meine Zeit einfach zu kostbar ist.
Eine separate Review habe ich für Star Wars: Visionen präsentiert – Die neunte Jedi verfasst, auch eine sehr empfehleswerte Serie.
Von den Serien, die ich im Frühling-Beitrag als interessant markiert habe, habe ich 2 bereits nach ein paar Episoden wieder abgebrochen, weil sie einfach langweilig und schlecht animiert waren:
– The Ghost in the Shell: Ich bin bitter enttäuscht. Ich habe mir ein modernes Anime mit 80er Flair erwartet, aber nicht ein 80er Anime im Jahr 2026. Fans des Mangas loben die Serie, weil sie das originale Manga getreu verfilmt, denn die Serien und Filme von damals waren ja eine starke Abweichung vom Manga. Jetzt das zu sehen, muss ich sagen, ich bin froh, dass sie damals vom Originalmaterial abgewichen sind. Ich bin ein Fan der alten Serien und Filme, habe das Manga nicht gelesen und werde es auch nicht tun.
– Iron Wok Jan: Ich finde den Hauptcharakter extrem unsympathisch und es gibt nichts, was hier irgendwie mein Interesse geweckt hätte.
Von den aktuellen Serien habe ich übrigens keine einzige in die Zukunft verschoben, meine Watchlist ist also nicht angewachsen. Es gab in dieser Season einfach nicht genug interessante Serien.
Viele der aktuellen Animes schaue ich aber auch deswegen nicht, weil ich einfach das Manga dazu lese, bzw. gelesen habe und keine Lust auf das Anime hatte, nämlich Mushoku Tensei, Bleach, Lv999 no Murabito, Tomb Raider King und One Piece.
Ältere Serien:
Akane-banashi hat sich als ein emotionales Meisterwerk entpuppt, das die traditionelle japanische Kunst des Rakugo-Erzählens spektakulär zum Leben erweckt. Studio ZEXCS und Regisseur Ayumu Watanabe haben das scheinbar nischige Thema mit einer unglaublichen Dynamik inszeniert. Obwohl die Charaktere beim Vortragen meist nur auf einem Kissen sitzen, fesselt die Serie durch eine clevere, ambitionierte Kameraführung und die mitreißenden Sprechleistungen jede Sekunde. Akanes emotionaler Rachefeldzug, um die Ehre ihres Vaters im harten, von Traditionen geprägten Arakawa-Schulsystem zu verteidigen, bietet feinstes Coming-of-Age-Drama voller Herz, Witz und packender Rivalitäten. Perfekt abgerundet durch den fantastischen Soundtrack und die intensive Atmosphäre beim Karaku-Cup, beweist dieser Hit eindrucksvoll, dass erstklassiges Storytelling keine klassischen Action-Kämpfe braucht.
Nippon Sangoku ist eine erfrischende und intellektuell packende Sensation. Studio Kafka liefert hier ein visuell beeindruckendes Meisterwerk ab, das die komplexe Prämisse eines durch Atomkrieg und Misswirtschaft zerfallenen, technologisch zurückgeworfenen Japans meisterhaft inszeniert. In einer postapokalyptischen Welt ist Japan in drei Königreich zerfallen, die sich jetzt gegenseitig bekämpfen.
Statt auf die im Genre übliche rohe Gewalt setzt die Serie auf die Macht von Eloquenz und landwirtschaftlicher Bürokratie als taktische Kriegswaffen, was den Aufstieg des ehemaligen Beamten Aoteru Misumi unglaublich faszinierend macht. Die dichten politischen Intrigen, das an historische Epen erinnernde Worldbuilding und die brillante Charaktertiefe, die selbst moralisch fragwürdige Figuren greifbar macht, erzeugen eine konstante Spannung. Getragen von der fantastischen Sprechleistungen und untermalt von einem gewohnt epischen, emotional tiefgehenden Soundtrack von Kevin Penkin, ist dieser Hit ein absolutes Must-Watch, das völlig zurecht bereits mit einer angekündigten Fortsetzung belohnt wurde.
Serien, die ich gerne sehen würde, aber leider noch nicht dazu gekommen bin, sind Rascal Does Not Dream of Santa Claus, Apocalypse Hotel, Lazarus, Gintama, Terror in Resonance, Fujimoto Tatsuki 17-26, Dusk Beyond the End of the World, Dorohedoro Season 2, Daemons of the Shadow Realm und Niwatori Fighter. Eine recht lange Watchlist.
Ausblick auf den Herbst 2026:
Für den Herbst sind wenige Serien angekündigt, die mein Interesse geweckt haben, sollten sich also alle ausgehen: Third season of Ranma ½, Overgeared, Reborn as a Space Mercenary und Cyberpunk: Edgerunners 2. Also viel Spielraum, um die Watchlist abzuarbeiten.

