Die verlorenen Jahre der Rocinante.
The Expanse – Dragon Tooth ist das lang ersehnte Geschenk an alle Fans, die nach dem Ende der sechsten TV-Staffel mit einem bittersüßen Gefühl im Cockpit zurückgelassen wurden. Die Autoren fangen die vertraute, dreckig-realistische Atmosphäre des Universums perfekt ein und spinnen die Fäden um die Crew der Rocinante gekonnt weiter, während das Machtgefüge im Sol-System nach dem verheerenden Krieg gegen Marco Inaros mühsam neu austariert wird.
Chronologisch nimmt diese Comic-Trilogie einen absolut kritischen Platz im Gesamtwerk ein. Sie knüpft nahtlos an das Finale der 6. TV-Staffel an und füllt die Ereignisse der sog. „verlorenen Jahre“. Genauer gesagt fungiert sie als direktes Bindeglied zwischen dem sechsten Band der Romanreihe (Babylons Asche) und dem siebten Buch (Persepolis erhebt sich). Während die Romane an dieser Stelle einen Zeitsprung von rund 30 Jahren machen, zeigt Dragon Tooth die unmittelbaren Konsequenzen des neuen Friedens: James Holden und seine Crew jagen versprengte Piratenfraktionen, Camina Drummer versucht die neugegründete Transport-Union zu festigen und im Hintergrund wächst bereits die Bedrohung durch laconische Schläferagenten, die den Grundstein für die epischen Konflikte der finalen Buch-Trilogie legen.
Visuell ist die Graphic Novel ein echter Hingucker, auch wenn sich der Stil durch den Zeichnerwechsel ab der Hälfte leicht verändert. Die Charakterzeichnungen fangen die vertrauten Gesichter der Schauspieler erstaunlich gut ein, ohne wie bloße Fotokopien zu wirken. Besonders die dynamischen Weltraumschlachten und die sterile, technologische Kälte der Raumschiffe kommen in den großformatigen Panels hervorragend zur Geltung. Für Kenner der Serie und der Bücher ist Dragon Tooth kein optionales Spin-off, sondern ein integraler Bestandteil der Geschichte.
Tatsächlich arbeitet Amazon ja bereits an einer siebten Staffel für die TV-Serie, die aber nicht das siebte Buch verfilmen soll, sondern die sog. „verlorenen Jahre“. Es würde mich sehr freuen, wenn diese Graphic Novels als Basis dafür verwendet würden und ich hoffe sehr, dass dort nichts ersponnen wird, was diesen Graphic Novels widerspricht, sie also obsolet macht.
Fazit: Sehr zu empfehlen.
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