Obwohl ich letztes Jahr geschworen hatte, nie wieder EVSC zu schauen, bin ich gestern doch wieder vor dem Fernseher gesessen. Warum nur? Diese Frage kann ich leider nicht beantworten.
Grundsätzlich finde ich die Idee und den Gedanken des EVSC eh super, doch ist er nun in eine Schlammgrube gestürzt, aus die er wohl nicht mehr rauskommen wird. Das beginnt ja schon damit, dass die Kommentatoren sich kein Blatt vor den Mund nehmen und teilweise beleidigende Äußerungen von sich geben. Was der Österreicher im ORF über die Deutsche Kandidatin gesagt hat – und damit eigentlich über eine rießige japanophile Cosplay-Gemeinde – sei hier nicht weiter erwähnt. Der selbe Kommentator hat übrigens gemeint, dass Tschechien kein Nachbarland Österreichs sei. Auch über derart niedere IQs soll hier nicht diskutiert werden, auch wenn diese der Grund für den Verfall des EVSCs sind.
Mir persönlich haben die meisten Songs gestern überhaupt nicht gefallen, aber das ist ja Geschmackssache und ist grundsätzlich das Schöne an solchen Veranstaltungen, dass eben verschiedene Menschen unterschiedliche Dinge präsentieren. Was mir aber eklatant aufgefallen ist, ist die Diskrepanz zwischen Jury und Publikums-Wahl. Ein fröhlicher Song: Jury „Bäh“ – Publikum „Toll“. Ein trauriger, ernster Song: Jury „Toll“ – Publikum „Mäh“.
Das führt mich wieder zu meiner früheren Diskussion, wer denn nun entscheidet, was gut ist, und welches Recht irgendeine Jury hat, das zu entscheiden. Andererseits sind die Top 3 sowohl bei Jury als auch Publikum ähnlich gewesen. Und das führt mich zu meiner zweiten Beobachtung und eigentlichen Kritik, bzw. Befürchtung für die Zukunft.
Letztes Jahr hat Schweden mit einer fulminanten Bühnenshow gewonnen und dieses Jahr Russland zumindest die Publikumswahl. Vor zwei Jahren hat Österreich wegen der Botschaft und nicht wegen des Gesangs gewonnen, dieses Jahr die Ukraine. Wer also den EVSC gewinnen will, braucht entweder eine klare Botschaft, die idealerweise gegen Russland gerichtet ist, denn eine Mahnung gegen sexuelle Gewalt ist anscheinend nicht stark genug, oder eine Bühnenshow, die vom eigentlichen Lied ablenkt. Werden wir nächstes Jahr eine Kombination aus Beidem sehen?
Dass ein Otto-Normal-Verbraucher wie ich, der eigentlich ein paar nette Lieder hören wollte, von so einer politisierten Show mit einer undurchschaubaren und katastrophalen Punktevergabe enttäuscht ist, darf nicht verwundern. Schade…
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Ich verfolge den ESC seit Jahren und bin deshalb natürlich befangen. Die Ukraine gewann wegen Stimme und Darbietung, die ich zum Beispiel außerordentlich fand. Hätte ein anderes Land genau diesen Song gesungen, hätte man den Vorwurf der Politisierung nicht so gehabt, was ihn somit aushebelt. Botschaften haben eigentlich fast alle Songs, die über „Alles ist schön“ hinausgehen. Das andere: Ja, die Bühnenshows nerven mittlerweile, aber das ist eben auch ein bekannter Prozess. Man denke an den inflationären Einsatz von Windmaschinen, der heute nur noch belächelt wird. Bei 26 Vorstellungen aber auch nachvollziehbar, dass der Wunsch besteht hervorzustechen. Vielleicht sollte man eher an der Auswahl im Finale ansetzen. Auch die Punktevergabe ist ein Prozess, der aus den Fans heraus entstanden ist, die sich mehr Transparenz gewünscht haben, wegen der Nachbarschaftszuschiebungen. Ideal ist es vielleicht gerade nicht, aber immer noch besser als die vorigen Bewertungen, denke ich.