Reisebericht: Mallorca 09/2018

Sodele, jetzt habe ich also auch diesen Ort auf meiner leider noch viel zu leeren Weltkarte mit einem X markiert.
Eigentlich hatte ich mich jahrelang dagegen verweigert, nach Mallorca zu reisen, dieser Party-Insel, zu Ballermann & Co. Vor ein paar Jahren habe ich dann jedoch eine interessante Dokumentation über das Tramuntana-Gebirge im Norden der Insel gesehen und seither hatte ich großes Interesse, einmal dorthin zu fahren. Das war absolut kein Fehler.
Im Mai / Juni haben wir dann ein Frühbucherangebot für ein All-Inclusive-Appartement gefunden. Was das ist? Wir waren zunächst auch sehr perplex, aber anscheinend gibt es da ein Ressort (Punta Reina in Cala Mandia im Süden), welches in direkter Nachbarschaft zum Club kleine Apartmenthäuser vermietet. Wir konnten also nun in so einem wohnen und alles machen, was der Club zu bieten hat.
Auch gegen All-Inclusive hatte ich mich jahrelang aus verschiedensten Gründen verwehrt, bis wir es 2014 in der Türkei ausprobierten. Ich war damals ganz positiv überrascht. Es fühlte sich an wie ein normales Hotel, Rezeptionisten und Kellner erkannten einen wieder, nur dass man halt jederzeit irgendwo irgendwas essen konnte. 2016 hatten wir auf Zypern ebenfalls eine positive Erfahrung damit gemacht. Schön war auch, dass das Essen an diesen beiden Orten täglich variierte, immer ein anderes Thema hatte. Dementsprechend haben wir auch nicht weiter nachgedacht, als wir hier nun dieses Angebot gefunden haben. Doch leider ist Punta Reina all das, was man immer wieder von All-Inclusive Clubs an Kritik hört: Touristenabfertigung am Fließband und komplett unpersönlich. Aber egal, das kann man ja ignorieren, man möchte sowieso den Kontakt zum Personal so klein wie möglich halten. Das Ressort war wie ein kleines Dorf, so eine große Anlage habe ich noch nie gesehen. Wir mussten bis zum letzten Tag immer wieder unseren kleinen „Stadtplan“ befragen, was denn wo sei. Das führte auch dazu, dass man kaum einen anderen Gast ein zweites Mal traf.
Aber beginnen wir von vorne, denn unsere Tochter hat einige Tage vor der Abreise Bronchitis bekommen und wir hatten schon mit dem schlimmsten gerechnet. Sie ist dann aber eh bald wieder gesund geworden und konnte den Urlaub genießen. Denn Punta Reina ist ein Kinderressort, mit vielen Spielmöglichkeiten, freundlichen Animationsleuten und täglich einer tollen Kinderdisko. Das würde man eigentlich sofort erkennen, wenn man sich auf der Homepage ein bisschen umschaut und war auch der Grund, weshalb wir uns schließlich dafür entschieden haben. Dennoch gab es genug kinderlose Pärchen dort, von denen nicht wenige sichtlich genervt von den Kleinen waren. Dafür habe ich jedoch überhaupt kein Verständnis, denn wenn man das nicht mag, soll man nicht in ein Ressort fahren, das mit Familien- und Kinderfreundlichkeit wirbt.
Für unsere Tochter war es also das Paradies. Aber wie war es für die Eltern? Auch toll, wenn man nicht auf die Details achtet und sich nicht über jede Kleinigkeit ärgert. Was mich aber sehr wohl wütend gemacht hat, war, dass unsere Magnetschlüsselkarten jeden (!) Tag kaputt waren. Das wäre nicht so schlimm, wenn ich da dann nicht regelmäßig durchs ganze Dorf laufen müsste. Aber okay, so hatte ich zumindest etwa Sport nach dem Essen.
Wir sind also inmitten eines Gewitters in Mallorca gelandet und hatten dann einen Tag Regen. Das war eh gut, so konnte sich unsere Tochter fertig auskurieren. Dann war schönes Wetter und wir wollten an den Strand gehen, der laut Beschreibung 300m vom Hotel entfernt sei, aber das war die Untertreibung des Jahrhunderts. Das Ressort war direkt am Meer, ja, aber auf einer Klippe. Man muss also steile Treppen runter steigen, was allein schon etwa 500m waren, und dann die angegeben 300m einem Pfad entlang folgen, um den Strand zu erreichen. Versteht mich nicht falsch, die Optik war super und das Wasser fantastisch, aber der Gehweg in Badesachen war nicht wirklich sicher.
Am ersten schönen Tag haben wir am Strand einen Schirm und zwei Liegestühle reserviert. Zu Mittag sind wir ins Hotel gegangen und am Nachmittag zurückgekommen, doch unser Platz war schon weiterverkauft worden. Wir hatten extra dem Manager informiert und unser Handtuch liegen lassen, doch das war dann einfach als „vergessen“ deklariert und ignoriert worden. Zum Glück waren noch andere Plätze frei und wir haben da dann einfach einen genommen, aber danach haben wir uns nie wieder so einen Platz reserviert.
Am ersten schönen Tag war auch das Wasser noch super, die restlichen Tage war es dann voll mit Quallen. Zum Glück haben wir an diesem einen Tag viel geschwommen, denn danach konnte man nicht mehr ins Wasser gehen. Dementsprechend haben wir uns auch keine Mühe gegeben, unserer Tochter die Wasserangst zu nehmen. Zumindest haben wir sie dazu gebracht, genau dort zu spielen, wo das Wasser noch ihre Füße erreicht, wodurch sie dann im Laufe des Tages eh ordentlich nass wurde.
Ein großes Problem des Ressorts war der Speisesaal. Nun, eigentlich zwei Probleme. Zunächst einmal gab es dort eine lästige Klimaanlage, was dazu führte, dass ich im Urlaub krank wurde. Aber die hat anscheinend alle gestört, denn die Gäste haben sich immer um jene Ecken gedrängt, wo die Klima am wenigsten zu spüren war. Ein zweites Problem war ein Fehler im System oder der mangelnde Hausverstand von manchen Touristen. Die Tische sind nämlich genau aufgestellt für 2, 3, 4 oder mehr Personen. Jetzt haben sich aber Pärchen regelmäßig auf 3er- oder 4er-Tische gesetzt und Familien mussten teilweise am Eingang warten, bis ein Tisch frei wurde, obwohl sehr viele 2er-Tische immer frei standen. Das Essen selbst war gut, keine Frage, aber halt jeden Tag das selbe, was schon irgendwann langweilig wurde.
Aber ich bin nicht der Typ, der 10 Tage am Strand rumliegt. Eines morgens habe ich mir ein Fahrrad geschnappt und bin in die nächste Ortschaft gefahren (Portocristo), dabei habe ich die Gegend erkundet und habe für meine Frau in einem größeren Supermarkt eingekauft, also zwei Fliegen mit einer Klappe. Mir gefällt diese karge mediterrane Landschaft sehr gut, mein Herz gehört ja auch Griechenland, aber ich weiß, dass das nicht jedermanns Sache ist.
Wir wollten auch einmal das Palma-Aquarium anschauen, doch als wir Distanz und Preis sahen, haben wir uns dagegen entschieden.
Was wir hingegen sehr wohl gemacht haben, war an einem Tag ein Auto zu mieten, um ins Tramuntana-Gebirge zu fahren, weshalb ich ja überhaupt nach Mallorca gekommen war. Wir sind also die Autobahn entlang quer über die Insel gefahren. Und wenn irgendjemand sagt, in Italien gäbe es viele Kreisverkehre, der soll mal hier herumfahren. Auf Mallorca sind sie auch noch extra gewöhnungsbedürftig, weil du immer mehrspurig rein- und rausfährst. Jedenfalls sind wir nach Valldemossa gefahren, einem traumhaften Ort in einem malerischen Tal. Wer nach Mallorca reist, sollte dort unbedingt mal spazieren gehen. Außerdem war das dort die Urlaubsresidenz von Chopin, dem Lieblingskomponisten meiner Frau, weshalb die ja auch sehr froh war, dort hinzufahren. Anschließend sind wir noch auf der Gebirgsstraße an der Nordseite herumgefahren, als wo die bewaldeten Berghänge direkt ins Meer abfallen. Laut Landkarte hätte es dort mehrere Panoramapunkte geben sollen, doch dem war nicht so. Es gab zwischen den Orten keine (!) einzige Stelle, an der man stehen bleiben und die Aussicht genießen hätte können. Aber allein vom Fahren kann ich sagen, dass das Tramuntana-Gebirge wunderschön ist. Wir sind dann noch durch das Dorf Esporles gefahren und da dachte ich, wir wären jetzt in Meran, Südtirol. Habsburger Urlaubsorte schauen halt überall gleich aus. Am Nachmittag haben wir dann noch einen Abstecher nach Palma gemacht. Das ist eine schöne Stadt mit einem interessanten historischen Zentrum. Da einmal durchzuspazieren zahlt sich auf jeden Fall aus.
Am nächsten Tag hat es dann weit draußen überm Meer ein Gewitter gegeben, weshalb das Wasser abkühlte und die Quallen verschwanden. Dazu kamen noch rießige Wellen. Da stellte sich dann die Frage, wer in unserer Familie das eigentliche Kind ist. Aber es ist einfach so toll in eine große Welle hineinzutauchen oder mit einer mitzuschwimmen.
Mehr gibt es eigentlich nicht zu berichten. Obwohl ich jetzt hier auch viele negative Dinge aufgezählt habe, war der Urlaub gesamt betrachtet wirklich toll und ich bin froh, Mallorca endlich einmal besucht zu haben. Meine Empfehlung bekommt die Insel auf jeden Fall. Ob ich zurückkommen werde? Naja, es gibt nichts mehr auf der Insel, das ich sehen möchte. Sie ist für mich abgeschlossen. Aber wenn ich mal nur Urlaub machen möchte, eine Woche entspannen, warum nicht?

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