Buch: Paolini, Christopher – Infinitum. Die Ewigkeit der Sterne

Komplett anders als erwartet, aber großartig.
Inhalt: In ferner Zukunft findet die junge Forscherin Kira Navarez auf einem Mond in einem weit entfernten Sonnensystem eine fremde Lebensform. Doch dieser Erstkontakt bringt Chaos in die gesamte Galaxie und es liegt an Kira, sich den Herausforderungen zu stellen und über die Zukunft aller zu entscheiden.
Das Buch hier ist das, was meinen einen Wälzer nennt: 959 großformatige Seiten. Da sitzt man schon eine Weile. Zum Glück ist es einen spannende Space Opera, also genau mein Ding und so bin ich da gerne eingetaucht. Tatsächlich hätte ich mir nach 50 Seiten am liebsten Urlaub genommen, um mich voll dem Buch widmen zu können. Denn ja, das Buch hat alles, was mein Sci-Fi-Herz begehrt: interessante Charaktere, ein spannender Plot, ein detailliertes Universum mit einigen faszinierenden Ideen und ein angenehmer Schreibstil. Eine Space Opera vom Feinsten, noch dazu in sich geschlossen und mit einem tollen Ende. Also gäbe es keinen Grund, hier nicht zuzugreifen.
Doch Titel, Covertext und Umschlagbild lassen eigentlich etwas anderes erwarten. Als ich das Buch sah, ging ich eher von einer philosophischen, esoterisch angehauchten Reise aus. Doch nein, das hier ist Action, Spannung und teilweise sogar Hard-Sci-Fi, was mir eigentlich eh viel besser gefällt. Ich will unterhalten werden, und das macht dieses Buch tadellos.
Damit möchte ich sagen, dass mir das Buch sehr gut gefallen hat, bevor ich jetzt hier kritisiere, was es zu kritisieren gibt. Alles dreht sich dabei um die zentrale Szene in der Mitte des Buches im Sonnensystem Bughunt, sowohl inhaltlich als auch übersetzungstechnisch ein Debakel. Ich habe nämlich die ersten 500 Seiten dieses Buch verschlungen, keinen Absatz übersprungen, so spannend war es. Dann kamen hier die großen Überraschungen, Wendungen und Erklärungen. Wirklich sehr gut gemacht, keine Frage, aber es wurde halt alles aufgelöst, doch das Buch hat noch weitere 400 Seiten. Was soll da noch kommen? Eben! Die zweite Hälfte des Buches ist sehr in die Länge gestreckt, obwohl es eigentlich nur noch eine gerade Linie zum Showdown ist. Viele Szenen da kann man als unnötig bezeichnen, sind reine Seitenfüller. Doch dann kommt das wunderbare Ende und entschädigt für die mühevolle zweite Hälfte.
Ein zweites Problem, das ebenfalls in dieser zentralen Szene kulminiert, sind die Fehler in dieser deutschsprachigen Edition. Ich habe das Gefühl, dass mehrere Übersetzer, bzw. Korrektoren hier gearbeitet haben, sich das Werk vermutlich aufgeteilt haben, denn man merkt schon einen qualitativen Unterschied. Sonst kann ich mir nicht erklären, warum ein paar hundert Seiten makellos sind und dann wieder ein paar hundert einfach nur schlampig. Sei es nun ein doppelter Absatz, ein Plural statt eines Singulars, ein falsches Reflexivpronomen, die englische Syntax statt der deutschen Norm oder simple Rechtschreibfehler. Normalerweise würde man da drüber stolpern, kurz innehalten, verstehen, was los ist, weiterlesen und nicht weiter drüber nachdenken. Wenn es aber eine Anhäufung davon in genau jener zentralen Szene gibt, die ohnehin schon komplex und verwirrend ist, dann ist das natürlich umso nerviger.
Dem aber nicht genug! Der Autor hat das Buch scheinbar zu Ende geschrieben, abgeschlossen und sich dann überlegt, wie er dennoch irgendwelche Elemente einbauen könnte, um eine Fortsetzung schreiben zu können. Und dafür hat er sich dann genau diese zentrale Szene ausgesucht, die ja schon zum Bersten voll ist mit Informationen und Charakteren. Da taucht wie aus dem Nichts ein weiteres Wesen auf, stiftet Verwirrung und verschwindet dann für den Rest des Buches. Ein zweites Fortsetzungselement hat der Autor dann noch in die Abschlussszene eingebaut. Der Plot dieses Buches ist schon abgeschlossen, keine Sorge, aber es gibt halt zwei Elemente, die als Basis für eine Fortsetzung dienen könnten. Wer das also weiter verfolgen möchte, kann da dann zugreifen, wer nicht, muss nicht. Da zu diesem Buch übrigens bereits die Filmrechte verkauft worden sind, bin ich mir ziemlich sicher, dass eine Fortsetzung folgen wird.
Wie gesagt, hat mir das Buch sehr gut gefallen, die erste Hälfte war großartig, die zentrale Szene etwas konfus aber okay, die zweite Hälft zu lange und das Ende dann absolut zufriedenstellend. Ja, wenn eine Fortsetzung kommt, werde ich sicher wieder zugreifen, denn schlussendlich war es ein richtig tolles Leseerlebnis.
Ich habe die Eragon-Bücher nie gelesen, kann also keinen Vergleich anstellen, aber wenn man nur wegen des Sci-Fi-Themas kommt, wird man nicht enttäuscht werden. Oft ist es ja so, dass Sci-Fi-Bücher von Fantasy-Autoren im Grunde Fantasy-Bücher mit einem Sci-Fi-Mantel sind. Hier jedoch liegt wirklich ein Sci-Fi-Buch vor und daher weiß ich nicht, wie glücklich Eragon-Fans damit sind.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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