Nächtliches Set-Collection Spiel.
Von David Iezzi (ca. 45-60 Min.; 1-4 Spieler)
In diesem Brettspiel schlüpfen wir in die Rolle von mystischen Fuchsmagiern und konkurrieren um die Zutaten des Waldes für unsere Zauber. Was sehr interessant klingt, entpuppt sich leider als hohle Fassade. Das Thema ist einfach nur draufgeklebt. Es sind zwar schöne Bilder, aber vom Spielfeeling her bleibt Nocturne absolut abstrakt. Es wird auch nie erklärt, warum das alles in der Nacht stattfindet, außer halt um irgendein Thema zu haben.
Bleibt also die Mechanik, das Spiel an sich. Wir legen der Reihe nach unsere Marker auf die Zutatenplättchen und sobald alle passen, erhält der Spieler eine Zutat, der den höchsten Marker ausgespielt hat. Dabei versucht man jene Zutaten zu sammeln, die man für seine eigenen Zaubertränke braucht. Das taktische Element des Spiels dabei ist zu überlegen, welchen Marker man ausspielen möchte und wann man besser passt, was immer wieder zu interessanten Dilemmata führt.
Leider ist der Spielfluss dabei eher langsam und das ständige Auslegen und Einsammeln der Marker eher mühsam. Außerdem gestaltet es sich als überaus schwer Zaubertränke zu vervollständigen, weil es ein Glückselement ist, welche Zutaten aufgedeckt werden. Was an sich kein Problem ist, denn die meisten Punkte erhält man durch die Sets an Zutaten bei Spielende. Nur wenn das ganze Thema ist, Zutaten für die Mixturen zu sammeln und es über 40 Mixturrezeptkarten im Spiel gibt, dann würde man sich halt schon erwarten, dass das der zentrale Punktefaktor ist. Bei der ersten Partie ist das eine ziemlich frustrierende Erkenntnis, aber danach weiß man es und spielt anders.
Leider war auch der Solomodus eine Enttäuschung. Der Automaton funktioniert zwar einwandfrei und flüssig, doch ist hier versucht worden die gleiche spielerische Wanderung mit Szenarien und Herausforderungen wie in Cascadia und Cascadia Rolling einzubauen. Was dort super funktioniert, ist hier beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, weil es eben ein großes Glückselement ist, welche Zutaten aufgedeckt werden oder während einer ganzen Partie fast gar nicht vorkommen.
Für mich persönlich hat dieses Spiel leider einen zu großen Kontrast zwischen Thema, Mechanik und finaler Punktewertung. Wenn alle Spieler aber das Spiel schon kennen, also wissen, wie der Hase läuft, gibt es keine negativen Überraschungen und dann ist Nocturne bei 3-4 Spielern auch ein interessantes abstraktes Spiel. Doch am Ende bietet Nocturne leider nichts, was es irgendwie besonders auszeichnet und weshalb man es unbedingt mal spielen sollte.
Fazit: Kann probiert werden.
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