Gedankensprung: Das Dilemma der unbekannten Autoren

Als junger Autor hat man es heute nicht leicht, sei es als Spieleerfinder oder als Schriftsteller. Ich kenne aus beiden Bereichen Personen und interessanterweise haben sie dieselben Probleme und Beschwerden. Wenn du nicht schon bekannt bist, ist es fast unmöglich eine Veröffentlichung zu erreichen.
Spieleverlage verlangen von neuen Erfindern innovative, großartige Mechanismen. Dass sie selbst wie am Fließband 0-8-15 Spiele produzieren, wird da geflissentlich ignoriert. Ich finde das sehr schwierig und unfair, ist wirtschaftlich aber verständlich. Ein Kinderbuch mit dem Namen Heidi Klum drauf verkauft sich nun mal viel besser als eines von einem unbekannten Autor, auch wenn das noch so gut ist.
Wenn ich ein Spiel bastle, das thematisch sehr akkurat ist, das die Spieler in eine Welt eintauchen lässt und sie dabei Spaß haben, wird es für jeden Verlag dennoch uninteressant sein, wenn der Mechanismus nicht „innovativ“ ist. Dafür nehmen diese dann hauseigene oder bekannte Autoren, die sie kennen, und basteln selbst Spiele zu diesem Thema, die viel weniger akkurat sind, viel weniger Spaß machen, sich wie der hundertste Abklatsch anfühlen, also ganz und gar nicht innovativ sind, aber sie verkaufen sich.
Das gleiche ist mit Büchern. Als unbekannter Autor muss mein Erstlingswerk etwas phänomenal großartig einzigartiges sein, damit Verlage überhaupt darüber nachdenken, das Buch ins Programm zu nehmen. Wenn ich dann Mal aber einige Bücher draußen habe, oder gar eine Serie begonnen habe, kann ich sogar Müll fabrizieren und es verkauft sich.
Es ist ja verständlich, dass Verlage nur an den Gewinn denken. Als Autor muss man sich daher die Frage stellen, ob ich das bastle / schreibe, was ich will, was mir Spaß macht, mit der sehr großen Wahrscheinlichkeit, es nie zu veröffentlichen, oder ob ich mich am Markt orientiere und das produziere, was gefragt ist. Nicht umsonst erklären Autoren immer wieder, dass ihre Tätigkeit ein Handwerk ist, eine Arbeit.
Wenn du dir vornimmst, deinen Lebensunterhalt als Autor zu bestreiten, musst du dich am Markt orientieren und hart an deinem Einstiegswerk arbeiten. Betreibst du das Autoren-Sein jedoch nur als Hobby und würdest gerne „dein“ Werk veröffentlicht sehen, ist das beinahe ein Ding der Unmöglichkeit.
Das Tragische, was meine Freunde mir berichten, ist jedoch folgendes. Ihre Bücher und Spiele sind solide Werke, die qualitativ dem entsprechen, was man im Fachhandel finden kann. Das ist natürlich nicht ihre eigene Meinung, sondern die Antwort von Verlagen und Agenten. Aber eben nicht gut genug, um als unbekannter Autor den Markt zu betreten. Diese Hürde ist sehr groß, für viele leider zu groß. Denn wie viele schaffen es schon, etwas innovatives, einzigartiges aus dem Hut zu zaubern?
Als Autor beklagt man sich natürlich darüber, dass sein Werk es nicht ins Regal schafft, irgendein Blödsinn mit einem berühmten Namen darauf aber schon. Wir leben in einer kapitalistischen Gesellschaft und müssen die Sache halt dementsprechend realistisch betrachten.
Glücklich der, der das gerne und gut bastelt / schreibt, was auch die Mehrheit dann kauft.

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3 Antworten zu Gedankensprung: Das Dilemma der unbekannten Autoren

  1. Corly schreibt:

    Huhu,

    traurig ist das. Ich seh auch oft so viel Müll auf dem Büchermarkt und das auch von unbekannten. Viele Klappentexte klingen einfach nur noch gleich sodass ich das hier kaum glauben kann. Denn es sind nicht alles bekannte Autoren. Und so wirklich bekannt werden tun ja wirklich eher eine kleinere Gruppe. Die meisten bringen ein paar Bücher raus und verschwinden dann wieder vom Markt. Eigentlich sollte man doch das Werk an sich betrachten und nicht die Bekanntheit des Autors. Aber einzigartig ist im Jugend- oder Fantasybereich doch kaum noch was. Vieles ist einfach austauschbar. Zumindest was jetzt Bücher anbelangt.

    LG Corly

  2. Pingback: Bloggestöber 4: 8/9 2016 | Corlys Lesewelt

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