Gedankensprung: Warum Science Fiction?

Treue Leser dieses Blogs haben schon vor langer Zeit bemerkt, dass ich ein Sci-Fi-Fan bin. Raumschiffe, fremde Planeten, Außerirdische und futuristische Technologie faszinieren mich einfach. Aber warum kann ich genau diesem Genre so viel abgewinnen? Das liegt nicht zuletzt an meinem, der Menschheit inhärentem Streben nach Neuem, nach Unbekanntem. Warum sind wir auf der ganzen Welt verstreut und sprechen bereits von der Reise zum Mars? Weil wir immer wissen wollen, was sich hinter dem nächsten Horizont befindet, hinter dem nächsten Atom, hinter der nächsten Ecke.
In meinen ersten Studienjahren bin ich mit großer Enttäuschung konfrontiert worden und musste resignierend und ernüchtert feststellen, dass ich ein Jahrhundert zu spät auf die Welt gekommen bin. Ich habe mein spezielles Studium nicht zuletzt deswegen ausgewählt, weil ich die Welt erkunden wollte, unbekannte Dinge entdecken wollte. Aber es gibt heute nichts Unbekanntes mehr. Von jedem Ort gibt es schon hunderte Fotos im Internet. Am abgelegenen Strand von Costa Rica treffe ich auf Landsmänner aus meinem Heimatort, im kleinen Geschäft in Tokyo begegne ich Kollegen aus meiner Studienzeit, auf den Bergen von Kasachstan stoße ich mit einer Wandergruppe aus meinem Heimatland zusammen. Aber nicht nur, dass ich überall Leute treffe, es gibt auch überall die gleichen Produkte, die gleichen Speisen in den Restaurants, wie etwa das Wiener Schnitzel in der kleinen Hütte in den Anden.
Und diese Erkenntnis, dass es nichts mehr zu entdecken gibt, hat eine große Leere in mir hinterlassen. Natürlich sind die Steppen in der Mongolei und die Täler in Neuseeland wunderschön anzusehen, aber sie sind nicht mehr neu, nicht unberührt und unbekannt. Ich habe mich dann früh in die Fantasy-Literatur gestürzt und habe dadurch meinen Durst gestillt, die Leere ausgefüllt. Doch Fantasy ist recht bald langweilig geworden, vor allem, weil ich in keiner der beschriebenen Welten selbst leben wollte. Die Geschichten sind durchaus spannend, keine Frage, aber außer bei Harry Potter hätte ich nie davon geträumt, dort herumzulaufen.
Ganz anders verhält es sich hingegen mit Science-Fiction. Dort sind nicht nur die Geschichten spannend, aber vor allem sind das regelmäßig Orte, in denen ich wirklich gerne leben würde. Und während man eine Fantasy-Welt irgendwann zu Ende erforscht hat, bleibt bei Space Operas immer noch diese offene Fragen, was es dort draußen noch alles geben könnte. Was wiederum auch ein reale Frage ist, wenn man des Nachts in den Sternenhimmel blickt. Im Gegensatz zu Fantasy schwebt bei Sci-Fi auch immer dieses Körnchen Realismus mit, da es ja in der Zukunft wirklich so sein könnte, es auf fremden Planeten wirklich so sein könnte. Hier wird meine Träumerei, mein Wunsch nach dem Unbekannten einfach viel besser gesättigt als in den anderen Genres.
Science Fiction gefällt mir aber auch deshalb so gut, weil es so viele Möglichkeiten für interessante und philosophische Geschichten bietet. Ein guter Sci-Fi-Autor ist nämlich nicht nur ein guter Schreiberling, sondern vor allem ein guter Beobachter und Analyst. Er sieht, was auf der Welt passiert, welche Entwicklungen es gibt, welche Technologien und extrapoliert davon ein mögliches Zukunftsszenario. Die besten Sci-Fi-Werke halten dem Leser einen Spiegel vors Gesicht, damit er sich und seine Umgebung hinterfragt. Oder es sind einfach fantastische Abenteuer in den Weiten des Weltalls.

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