Gedankensprung: Pen & Paper Rollenspiele

Ein großes Hobby, das ich jahrelang betrieben aber mit dem ich mittlerweile wieder abgeschlossen habe, sind Pen & Paper Rollenspiele. Aber das hat einfach mit meinem Zeitmangel zu tun, mit nichts anderem. Bitte nicht missverstehen, ich liebe RPGs!
Allgemein
Was aber sind denn nun solche Pen & Paper Rollenspiele? Kurz erklärt sind das Spiele mit mindestens drei Personen, idealerweise aber zwischen fünf und sieben, die um einen Tisch herum sitzen. Einer davon ist der Meister und er erzählt eine Geschichte. Die anderen Spieler übernehmen die Rolle eines Charakters und versuchen sich so wie diese zu verhalten. Die Geschichte verläuft nun aber nicht geradlinig wie in einem Buch, sondern entwickelt sich je nach dem, was die Charaktere entscheiden. Ein banales Beispiel: Der Meister erzählt, dass die Gruppe in einen Wald kommt und dort auf eine Weggabelung trifft. Links ist ein breiter, vielbefahrener Weg, rechts ein schmaler, vernachlässigter Weg, der aber kürzer sein soll. Die Charaktere diskutieren nun und entscheiden gemeinsam, ob sie links oder rechts gehen wollen. Je nach dem, was die Charaktere entscheiden, wird der Meister die Geschichte weiter erzählen. Je kreativer die Spieler also sind, desto abstruser und fantastischer wird sich die Geschichte entwickeln. Das ist der Kern von Pen & Paper Rollenspielen: Die Fähigkeit des Meisters, auf die Entscheidungen der Charaktere einzugehen, zu improvisieren, kreativ zu bleiben. Wenn das gut funktioniert und die Spieler das Gefühl haben, dass ihre Entscheidungen tatsächlich Einfluss haben, wird so ein Treffen ein tolles Erlebnis sein.
Das aber alleine ist noch nicht Alles, die Charaktere sind nämlich keine Superhelden. Jeder Spieler erhält also ein Blatt mit den Werten und Fähigkeiten seines Charakters. Daran sollte er sich orientieren. Denn es gibt nichts Lustigeres, als wenn ein Charakter eine Wand hinaufklettert und dann entdeckt man, dass der ja gar nicht die Fähigkeit dazu besitzt. Solche Stürze tief hinab können sehr unschöne Folgen haben. Dazu kommen auch noch die Würfel. Selbst wenn mein Charakter etwas kann, wird er es nicht automatisch erfolgreich schaffen. Nein, es müssen Würfel geworfen werden und der Wert entscheidet dann, ob man das Ende der Wand erreicht oder nicht. Die Spieler versuchen also für ihre Charaktere Entscheidungen zu treffen, bei denen ein erfolgreicher Ausgang wahrscheinlich ist.
Gemeinsam da zu sitzen und Abenteuer im Kopf zu erleben ist einfach etwas Tolles. Von mittelalterlicher Fantasy über Steam Punk bis hin zu ferner Science Fiction kann man überall Abenteuer erleben, Gefahren bestehen, Rätsel lösen. Mit der richtigen Gruppe kann man enormen Spaß haben und unvergessliche Stunden verbringen. Wenn man etwa auf epische Weise einen Drachen tötet oder eine Stadt sabotiert, damit sie erobert werden kann, wenn man auf hoher See mit einem Schiff einem brutalen Sturm trotzt oder eine gigantische Weltraumschlacht um Haaresbreite überlebt, wenn man die Welt rettet oder das Dämonenreich zerstört, dann sind das einfach fantastische, befriedigende Momente, die einem noch lange in Erinnerung bleiben werden.
Aber Achtung, das Wort „Rollenspiel“ ist nicht allen geläufig und kann auch seltsame Assoziationen hervorrufen. Als mich vor einigen Jahren im Studium jemand nach meinen Hobbys gefragt hatte und ich mit „Rollenspiele“ antwortete, war auf dessen Gesicht klar abzulesen, dass er etwas anderes meinte. Also vorsichtig sein, wie ihr dieses Wort verwendet.
Spielertypen
Wenn man beschlossen hat, ein P&P-RPG zu spielen, kommt die große Herausforderung, eine Gruppe zu finden. Es reicht jedoch nicht, genug Leute zu haben, sie müssen aber auch die gleiche Einstellung zu RPG haben. In meiner mehr als fünfzehnjährigen RPG-Laufbahn habe ich unterschiedliche Spielertypen kennengelernt. Oft reicht es einfach, konträre Typen zu akzeptieren, manchmal hingegen muss man einfach eine andere Gruppe suchen.
Ein großer Punkt, an dem sich die Geister scheiden, ist die Regelversessenheit. Die meisten etablierten Systeme haben große Regelkompendien, deren Kenntnis erforderlich ist, um in diesem Universum zu spielen. Die Regeln sind an sich nichts Schlechtes, dienen Sie doch dazu Realismus so gut als möglich zu simulieren, Fairness und einen Überraschungsmoment zu kreieren. Aber sie sind meistens viel zu viel und oft sehr kompliziert verfasst. Persönlich bin ich ein Meister / Spieler, der die Regeln eher Pi mal Daumen betrachtet. Bei mir steht das dramaturgische Element im Vordergrund, die Handlung, die Spannung, die Mysterien. Es gibt aber genug Spieler, die das ganz anders sehen und jedes Regeldetail punktgenau gespielt haben wollen. Langes Blättern und Diskutieren ist für sie ein typischer Teil des Abends. Es liegt durchaus ein besonderer Reiz darin, wenn man sagen kann, dass man ein Abenteuer bestanden hat, indem man die Regeln exakt eingehalten hat und nicht immer wieder einfach dem Bauchgefühl gefolgt ist. Das Problem entsteht dann, wenn diese beiden Typen aufeinandertreffen. Entweder man akzeptiert da den Stil der Mehrheit oder man packt seinen Rucksack. Das klingt harsch, aber bevor ich mich fünf Stunden ärgere, setz ich mich lieber in ein Café und suche mir im Internet eine andere Gruppe. Dort kann man schließlich sehr viele finden.
Ein größeres Hindernis, das man am Anfang meistens so nicht bemerkt, ist die unterschiedliche Herangehensweise ans Spiel selbst. Ob ich Regeln pingelig beachte oder nicht, es kann durchaus zu einem Konflikt kommen, wenn ein Spieler nur daran denkt seinen eigenen Charakter voranzutreiben und zu verbessern, während der andere sich auf die Geschichte, den Plot und die Rätsel konzentriert. Als Beispiel möchte ich hier meine Erfahrung in einer Star Wars – Runde anführen: Unser Auftrag lautete, irgendwo einzubrechen und ein Objekt zu stehlen. Während ich also mit meinem Charakter herumgeschlichen bin, um die Gegend zu erkunden, Informationen über das Sicherheitssystem zu erlangen und allgemein einen Plan zu schmieden, sind die anderen Spieler allein herumspaziert, haben sich Ausrüstung gekauft, neue Fähigkeiten gelernt und individuelle Abenteuer erlebt. Für die Spieler dieser Gruppe war das etwas Tolles, was ihnen viel Spaß gemacht hat. Ich aber habe mich enorm gelangweilt. Für mich ist ein P&P-RPG ein Spiel, in welchem man gemeinsam, kooperativ Abenteuer erlebt und Aufträge erfüllt. Aber vier Stunden dazusitzen und den anderen zuzuhören, wie sie individualistisch ihren Charakter pflegen, ist für mich einfach nur langweilig.
Damit möchte ich sagen, dass solche Spiele wirklich etwas Tolles sind, aber jeder hat da eine andere Herangehensweise. Keine ist schlechter und keine besser, aber man sollte sich ein Gruppe gleichgesinnter suchen, wenn man sich nicht mehrere Stunden einfach nur ärgern oder langweilen möchte.
System & Universum
Wenn man dann endlich eine Gruppe hat, mit der man spielen möchte, kommt die große Frage, welches System und in welchem Universum man spielen möchte. Da gibt es mittlerweile so viel, dass sich auch einiger Müll eingeschlichen hat (z.B. NOVA), wie immer, wenn ein Genre an Popularität gewinnt. Das weltweit größte RPG ist sicherlich Dungeons & Dragons (D&D), im deutschsprachigen Raum ist es Das Schwarze Auge (DSA), beide High Fantasy, also eine mittelalterliche Welt mit Magie, Elfen, Zwergen und vielen weiteren Kreaturen. Wer RPGs spielt, wird zwangsläufig mit diesen in Kontakt kommen. Der große Flair von DSA ist es, dass dieses Universum enorm ausgearbeitet ist, mit viel Liebe zum Detail. Außerdem gibt es dort eine konstante Geschichte, die ständig vorangetrieben wird und die Spieler können dadurch jede Woche neue Nachrichten hören, Veränderungen in der Spielwelt zeitnah miterleben. Das Problem ist aber das enorm komplexe Regelsystem, was viele abschreckt. Einsteigerfreundlich ist es sicher nicht, wenn nicht ein erfahrener Spieler die ersten Runden leitet und die Neulinge führt. Selbst habe ich fast ein Jahrzehnt lang regelmäßig DSA gespielt und ich verdanke dem viele tolle Erinnerungen. Besonders möchte ich hier die Kampagne Die Schwarze Eiche empfehlen, ein tolles Abenteuer für Spieler ohne Gruppe.
DSA besteht aus zwei Kontinenten: Aventurien und Myranor. Mit meiner Gruppe habe ich auf beiden gespielt, dabei habe ich erkannt, dass es für mich als Meister in Aventurien einfacher war, für die Spieler aber in Myranor interessanter. Dort gibt es einfach sehr untypische und dementsprechend reizvolle Spezies und Orte. Zwergen und Elfen kann ich überall spielen, aber Katzenwesen oder kleine vierarmige Gnome nicht.
In Konkurrenz zu DSA erschien dann Splittermond, ebenfalls High Fantasy, mit dem Fokus auf einfachen Regeln und einem intuitiven Zugang. Mir hat es sehr gut gefallen, einzig das Kampfsystem hat meine Gruppe gespalten. Als dann jedoch DSA als Antwort darauf die fünfte Edition produzierte, die in unseren Augen alles verschlimmbesserte, haben wir endgültig Lebewohl gesagt und haben das Universum gewechselt. Tatsächlich ist Splittermond in den letzten Jahren sehr erfolgreich geworden und ich kann es wirklich jedem empfehlen.
Neben High Fantasy habe ich aber auch viele andere Systeme besucht. Im Sci-Fi-Bereich waren dies Star Trek, Star Wars, Stargate und Justifiers. Auch wenn ich ein großer Star Trek- und Stargate-Fan bin, war ich von den RPGs doch sehr enttäuscht. An sich ist es sehr toll in diese Universen einzutauchen, aber leider gibt es dort so strenge hierarchische Militärstrukturen, die imitiert werden, sodass individuelle Entfaltungen unmöglich sind. Vor allem aber sind die Charaktere nicht ebenbürtig, was auch zu Konflikten innerhalb der Gruppe führen kann. Star Wars hingegen hat dieses Problem nicht, aber dafür möchte dort jeder einen Jedi spielen, was wiederum seine eigenen Probleme im Bereich der Balance und der Ebenbürtigkeit mit sich bringt, vor allem aber erschwert es die Arbeit des Meisters immens. Einzig Justifiers hat mich als Sci-Fi-RPG überzeugt.
Das Lieblings-RPG war bei uns aber dann in den letzten Jahren Finsterland, ein Steam Punk RPG aus Österreich, dessen Kampagne Dracolith ich nur empfehlen kann. Die Regeln sind einfach zugänglich und ins Universum kann man problemlos eintauchen. Abenteuer in einer Welt der Magie und des Fortschritts.
Ein großes Debakel habe ich hingegen mit Legends of the Five Rings erlebt. Selbst hat mich das Universum sehr interessiert, mehr noch aber war meine bessere Hälfte dafür Feuer und Flamme. Sie hat sich nie für RPGs interessiert, aber das mittelalterliche Japan hat sie einfach zu sehr gereizt. Also habe ich eine Gruppe organisiert, wir haben gespielt und es hat Niemandem gefallen (Regeln und Universum), außer uns beiden. Wir haben anschließend nie wieder jemand gefunden, der mit uns spielen möchte und mittlerweile hätten wir auch gar keine Zeit mehr.
Zwei sehr bekannte und beliebte Spiele, die mich persönlich aber weder vom Universum noch vom System interessieren, sind Shadowrun (Cyber-Punk) und Cthulhu (Horror). Was mich hingegen sehr wohl interessieren würde, was ich aber leider noch nie ausprobiert habe, wären Space 1889 (Space-Steam-Punk), Numenera (Fantasy / Sci-Fi) und 7te See (Piraten).
Fazit
Ihr seht, zu diesem Thema könnte man ewig schreiben. Ich hoffe, einen kleinen Überblick gegeben und den einen oder anderen motiviert zu haben.

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