Buch: Ferrara, Silvia – Die große Erfindung. Eine Geschichte der Welt in neun geheimnisvollen Schriften

Aktuell, faszinierend, spannend.
In diesem gelungenen Buch wird auf schöne Art und Weise die Erfindung der Schrift besprochen. Es geht also nicht um die Geschichte und die Entwicklungen bis heute, sondern konkret um die Anfänge. Wie entsteht eine Schrift? Was braucht es, damit ein Schriftsystem erfunden wird? Mindestens sieben Mal ist in der Geschichte der Menschheit rund um den Globus eine Schrift entwickelt worden, autochthon, ohne äußeren Einfluss. Vier davon sind entziffert und heute lesbar, die anderen drei bilden noch ein Rätsel.
Aber nicht nur diese großen Schriften, die Jahrhunderte und Jahrtausende überdauert haben, werden thematisiert, sondern auch die kleineren, einzigartigen, teilweise von namentlich bekannten Individuen ersonnen, wie z.B. Voynich, Cherokee, Inka-Knoten, Diskos von Phaistos, etc. …
Ich selbst habe mich vor über einem Jahrzehnt intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und muss sagen, dass mir dieses Buch persönlich deshalb so gut gefallen hat, weil ich nach so vielen Jahren Abstand zahlreiche neue und vor allem aktuelle Informationen erhalten habe.
Die Autorin ist die Leiterin des vom Europäischen Forschungsrat finanzierten Projekts INSCRIBE („Invention of Scripts and their Beginnings“). Dieses Buch hier wurde 2019 veröffentlicht, um dieses Thema der allgemeinen interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren, und wurde jetzt eben auf Deutsch übersetzt. Ich finde, das Buch erfüllt diesen Zweck wunderbar.
Das Projekt selbst, das im Buch auch mehrmals erwähnt wird, dauert von 2018-2023 und ich bin sehr daran interessiert, in ein paar Jahren das abschließende Buch mit den Ergebnissen zu lesen.
Anhand der gewählten Beispiele und Vergleiche merkt man eindeutig, dass die Autorin Italinerin ist, was einen ganz eigenen Charme hat. Ein bisschen lustig wird es halt dann, wenn der Übersetzer das Wort „Italiensch“ regelmäßig mit „Deutsch“ übersetzt und dann versucht, den Text daran anzupassen. Speziell im Kaptil „Rebus“ (S.67) hat der Übersetzer wohl ordentlich zu kämpfen gehabt, aber es ist gelungen und gut an die deutschsprachige Leserschaft angepasst.
Jedenfalls ist das Buch hier sehr gut und flüssig geschrieben, behandelt ein faszinierendes Thema sehr spannend und ist für jeden interessierten Laien verständlich. Ein gelungenes Sachbuch eben.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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