Gedankensprung: Pokemon Go

Ich habe diese Woche Pokemon Go getestet und dabei gleich zwei sehr interessante Diskussionen gestartet, bzw. sind mit mir gestartet worden, die ich euch nur ungern vorenthalten möchte.
Zunächst einmal einige Worte zu Pokemon Go. Ich finde die Idee des Spiels super, dass man sich bewegen muss, die Gegend erkunden und die Natur erforschen muss, um erfolgreich zu sein. Und weil ich solche Dinge, die Menschen dazu anregen, die eigenen vier Wände zu verlassen, grundsätzlich immer gutheiße, wollte ich natürlich auch Pokemon Go ausprobieren.
Mir gefällt das Spiel wohl aus einem anderen Grund als anderen Spielern. Ich finde es nämlich viel interessanter die Pokestops zu besuchen, als irgendwelche Pokemon zu jagen. Diese Pokestops sind nämlich immer irgendwelche Sehenswürdigkeiten und es ist sehr faszinierend zu entdecken, was es da in der Umgebung des eigenen Hauses alles gibt, von dem man vorher nichts mitbekommen hat. Ich nutze Pokemon Go also konkret, um meine Gegend kennenzulernen.
Natürlich fange ich auch Pokemon, aber das ist schon nach dem Dritten langweilig geworden. Zuerst ist es ganz witzig die Pokemon in der realen Welt zu sehen und Fotos mit ihnen zu machen, aber das Fangen ist sehr eintönig. Da muss man einfach so einen Ball werfen. Und was macht man dann mit den Pokemon? Es gibt für mich keinen Anreiz sie alle zu fangen und die Arena-Kämpfe sind ebenfalls sehr langweilig.
Für mich heißt das, dass ich sicher kein Geld investieren werde und sobald ich alles erkundet habe, werde ich Pokemon Go vielleicht auch wieder deinstallieren.
Aber wie bereits gesagt finde ich es sehr positiv, wenn jemand den Ehrgeiz hat, sie alle zu fangen und dadurch sich bewegt und an die frische Luft geht. Ich denke aber nicht, dass dieses Spiel die Kraft hat, Spieler lange gefesselt zu halten, es sei denn, es kommen bald neue Möglichkeiten und Optionen.

Man hört bzgl. Pokemon Go sehr oft die Kritik, dass alle nur noch aufs Handy schauen und die Umgebung ignorieren. Aber das verstehe ich wirklich nicht. Das Handy vibriert ja, wenn ein Pokemon auftaucht, es ist also nicht nötig, ständig auf den Bildschirm zu blicken. Wer es dennoch tut, hat dadurch keinen Nutzen.

Kommen wir nun aber endlich zu meinen beiden Diskussionen diese Woche:

a) Eine Kollegin meinte, dass nur 14-jährige Buben Pokemon Go spielen dürften und die Natur so viel zu bieten habe. Warum ich dann also mit dem Bildschirm vor Augen da hinauslaufe?

Teil 1 ihrer Bemerkung ist einfach lächerlich. Ich finde, dass jeder Mensch machen sollte, was einem glücklich macht, was einem gefällt. Wir sind im Schnitt 80 Jahre auf diesem Planeten, also ist es absolute Zeitverschwendung, sich in irgendein gesellschaftliches Korsett zu zwingen. Ich kritisiere niemanden für seine Hobbys, seine Interessen (z.B. Fußball) und erwarte mir halt das Gleiche.
Teil 2 ihrer Bemerkung ist da schon viel legitimer. Sie hat natürlich Recht, dass die Natur viel zu bieten habe und man dafür keinen Bildschirm brauchen sollte. Aber das geht leider am Problem vorbei. Ich bin durchaus ein Mensch, der einen Sonntag wandern oder am Abend spazieren geht, aber es gibt genug andere, Jugendliche im Speziellen, die das halt nicht so machen. Warum sollte man also etwas kritisieren, das diese Leute rausschickt? Vielleicht sind sie am Ende sogar davon begeistert und verbringen ihre Freizeit ohne Pokemon Go in der Natur?

b) Ein Kollege meinte, dass Pokemon Go datenschutztechnisch eine Katastrophe sei, dass die Firma durchs GPS meine Bewegungsmuster kenne und diese weiterverkaufe.

Es ist eine schwierige Diskussion und ich verstehe seinen Standpunkt durchaus. Wenn etwas gratis ist, ist der Benutzer das Produkt. Man muss sich schon immer bewusst sein, welche Daten man preisgibt und was mit diesen geschehen kann. Wenn mein Supermarkt durch meine Bankomatkarte mein Einkaufsverhalten kennt, wenn Amazon-Einkäufe die Werbung auf allen Internetseiten bestimmen, dann zeigt das einfach, wie vernetzt alles schon ist.
Man muss sich aber auch im Klaren sein, dass man mit dem Erwerb eines Smartphones kaum noch irgendwelche Daten geheim halten kann. All die Apps und anderen Programme bekommen einfach immensen Zugriff, der nur schwer zu kontrollieren ist. Google erfährt ständig deinen Standort, weiß, was du anschaust, was dich interessiert. Facebook ebenso.
Glücklich bin ich mit dieser Situation überhaupt nicht, aber das bedeutet wiederum, dass durch Pokemon Go keine Daten von mir erfasst werden, die nicht eh schon bekannt sein sollten. Also kann man es getrost spielen oder man muss sich wirklich konsequent aus dem Internet zurückziehen. Aber ein Spiel alleine macht leider keinen Unterschied.

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3 Antworten zu Gedankensprung: Pokemon Go

  1. Ma-Go schreibt:

    Ich stimme dir vollkommen zu. Ich selbst habe früher die klassischen Pokemon-Spiele auf dem Game Boy nicht gespielt und werde jetzt auch nicht damit anfangen. Trotzdem kann ich die Euphorie der Fans komplett nachvollziehen, da die Spielidee (nach allem was ich höre) wirklich genial ist.

  2. zandro schreibt:

    Punkt a widerspricht ja auch deiner Erfahrung: es fallen einem plötzlich kleine Details in der realen Welt auf, die man bisher überhaupt nicht beachtet hat. Davon abgesehen kann ich den Hype was die Spielmechanik betrifft auch nicht nachvollziehen.

  3. Pingback: Gedankensprung: Brettspiel-Apps | Meine Kritiken

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