Gedankensprung: Filme aus Österreich

Da ich letztens den Film Die Mamba gesehen habe, dachte ich mir, ich könnte mich ja Mal etwas näher mit der österreichischen Filmindustrie auseinandersetzen. Und da werden wir auch schon mit einem großen Problem konfrontiert: Sprache.
In Österreich wird das gleiche Standarddeutsch, bzw. Hochdeutsch gesprochen wie auch in Köln, Hamburg oder Berlin. Auch in der Schweiz ist dies der Fall. Alle lernen in der Schule das gleiche Deutsch, um sich im gesamten deutschsprachigen Raum verständigen zu können. Und überall wird im regionalen, familiären Kontext Dialekt gesprochen. Ein Berliner, der im ärgsten Dialekt spricht, wird in Wien nicht verstanden und umgekehrt. Nun ist es aber so, dass man in Österreich eine andere Beziehung zum Dialekt hat als in Deutschland und in der Schweiz ist es sogar noch stärker. Die Fernseh-, Film- und Musikindustrie in Deutschland produziert alles im überall verständlichen Standarddeutsch. In der Schweiz ist hingegen das Swyzer Dütsch omnipräsent, im Radio, bei der Fußballmoderation oder bei den Nachrichten. Die Schweizer können Standarddeutsch, sprechen es aber nur, wenn unbedingt nötig. Da wird sicher ein gewisser Stolz auf die kulturelle Eigenart eine Rolle spielen. In Österreich gibt es eine Mischform dieser beiden Extreme. Im Fernsehen, Radio und dem alltäglichen öffentlichen Leben gilt nur das Standarddeutsch, Musik und Film ist hingegen vom Dialekt geprägt, bzw. war es lange Zeit. Da diese beiden Kunstformen hauptsächlich in Dialekt gehalten sind, wurden sie auch nur selten über die Grenzen dieses kleinen Landes hinweg bekannt. Daher rührt vermutlich auch der Eindruck in Deutschland, dass die da in Österreich kein Deutsch können, sondern nur Dialekt.
Natürlich hat es immer Ausnahmen gegeben und vor Allem in den letzten Jahren hat auch in diesem Bereich Standarddeutsch Einzug gehalten, um nicht zuletzt ein größeres Publikum anzusprechen. Also, nur weil ein Film aus Österreich kommt, sollte man nicht automatisch abgeschreckt sein. Denn was Plot und Genre betrifft, gibt es auch hier eine große Varianz.

Sehr zu empfehlen ist der großartige Film Die Fälscher, der auch den Auslands-Oscar gewonnen hat. Wer Popcorn-Kino und Horror mag, sollte zu In 3 Tagen bist du tot greifen.
Ein sehr guter Film für all jene, die den Dialekt nicht scheuen, ist Komm, süßer Tod, einfach nur großartig.
Österreich ist aber auch für seine Dokumentationen bekannt, die sich jeder unbedingt anschauen sollte, z.B. Darwin’s Nightmare, Let’s Make Money, More than Honey, Alphabet und Plastic Planet.
Zu erwähnen sind auch noch Falco – Verdammt, wir leben noch!, ein gutes Biopic über Falco, Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott, eine lustige Komödie, Risse im Beton, ein gefühlvolles Migrantendrama, und Das finstere Tal, ein dunkles Genre-Mix aus Western und Heimatfilm.

Fazit: Gebt auch den Filmen aus Österreich eine Chance! Es muss nicht immer der neueste Hollywood-Blockbuster sein.

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Eine Antwort zu Gedankensprung: Filme aus Österreich

  1. Film und Buch schreibt:

    Österreichische Filme finde ich ebenfalls klasse. Eine wirklich sehr sehenswerte TV-Miniserie (acht Teile) aus Österreich ist „Braunschlag“ – eine unglaublich gute Satire, die so ziemlich alles durch den Kakao zieht. Den ersten österreichischen Monsterfilm „Blutgletscher“ fand ich ebenfalls genial.

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