Gedankensprung: Mein Herz für Chinesische Filme

Nachdem ich schon öfters erwähnt habe, dass ich gerne Filme aus China schaue, wird es Zeit, dass ich Mal ein paar mehr Worte darüber verliere.
Ich habe bereits ausgeführt, dass Jackie Chan mein absoluter Lieblingsschauspieler ist (Skiptrace). Seine Karriere hatte damals begonnen, als der Chinesische Film, bzw. der Hong Kong Film international an Beliebtheit gewann, nicht zuletzt Dank Bruce Lee. Die damaligen Filme machten intensiven Gebrauch von Stuntman, die fast allesamt in der historisch bedeutsamen Chinesischen Oper ihre Ausbildung genossen hatten, die wiederum von Musik, Gesang, Schauspiel, Tanz, Akrobatik und ausgefeilter Kampfkunst-Choreographie lebte. Diese jahrhundertealte chinesische Oper ist somit der Grundstein für all die Kampfkunstfilme aus China. Das erklärt auch, warum es bei Kämpfen in chinesischen Filmen nie um Realismus ging und geht, sondern um ein optisches Spektakel. Menschen, die an Seilen durch die Luft fliegen und zwischen Häuserwänden kämpfen, mag für das westliche Publikum lächerlich wirken, wird aber in China bejubelt und ist dort gern gesehen.
Die ersten Kinofilme Chinas entstanden noch zur Kaiserzeit und waren im Grunde nichts weiter, als mit Kamera aufgezeichnete Darstellungen der Chinesischen Oper. In den 1920ern entstanden dann in Shanghai die ersten reinen Unterhaltungsfilme, aber auch intellektuelle, sozial engagierte. Die Filmindustrie begann sich allmählich vom historischen Ballast zu lösen und das westliche Schaffen zu imitieren. Mit der Machtübernahme der Kommunisten 1949 wurde sämtliches Filmschaffen verstaatlicht und diente nur noch Propagandazwecken. Einzige Ausnahme blieb Hong Kong, die britische Kronkolonie. Dort war man bemüht, dem großen Nachbarn nicht zu reizen, weshalb sich dort ein kommerzielles Kino entwickelte, das nur an Unterhaltung und Rendite interessiert war. Kampfkunst ohne irgendwelche moralischen oder ethischen Botschaften war dafür am besten geeignet. Mit „Shaw Brothers“, „Cathay Film Productions“ und „Golden Harvest“ entstanden dort in den 50ern jene Konzerne, die das Hongkonger Filmschaffen bis heute beherrschten. Diese Filme beeinflussen sogar Hollywood, allen voran sei da Quentin Tarantino genannt.
Nach dem Tod Maos 1976 veränderte sich das Kino in China. Filme wurden nicht mehr für Propaganda produziert, wodurch es auch keine finanziellen Förderungen mehr gab. Dadurch entstand auch hier nach dem Vorbild in Hong Kong ein kommerzielles Kino. Unterhaltung war die Devise, ja keine Botschaften. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten, mit der Kommerzialisierung der gesamten Nation und mit einer gehobenen Bildung sowie einem erhöhten Lebensstandard, wurden auch in Filmen politische und andere Probleme thematisiert.
Mittlerweile werden in China filmtechnisch sämtliche Genres bedient, jeder findet etwas für seinen Geschmack, wenn man die für das westliche Publikum „abstrusen“ Stunts und „billigen“ Computereffekte ignoriert. Naja, ich finde sie nicht abstrus und nicht billig, mir gefällt’s.
Wenn wir uns aber nun konkret die Filme anschauen, dann muss man zunächst die Kampfkunst-Filme ansprechen, die seit den 50ern in Hong Kong und mittlerweile in ganz China gedreht werden. Wobei da aber ein großer Unterschied zu erkennen ist. Die Filme aus Hong Kong, allen voran jene von Jackie Chan, hatten und haben ganz konkrete Gegenstände, die für Stunts und Effekte verwendet werden. Die Leute verletzen sich, die Actionszenen sind echt, die Dreharbeiten sind schmutzig. In China hingegen wird sehr viel Wert auf Schönheit gelegt, es wird auf perfekt koordinierte Szenen und Computereffekte gesetzt. Beides hat seinen Reiz und strahlt einen ganz eigenen Charme aus.
Ein anderes Genre, das mir im Hong Kong Kino sehr gefällt, sind die Polizeifilme. Infernal Affairs ist nur das bekannteste Beispiel für eine ganze Reihe von tollen Gangsterfilmen. Mittlerweile ist es aber aufgrund der gemeinsamen Finanzierungen und der unterschiedlichen Drehorte kaum noch möglich, zwischen Hong Kong und China eine Trennlinie anzuführen.
Aber auch Komödien kommen aus China, wenn auch mit einem ganz speziellen Humor. Genannt seien hier Kung Fu Hustle oder Jian Bing Man (Pancake Man).
Die meisten chinesischen Filme der letzten Jahre sind entweder Historisch oder Fantasy. Speziell im Bereich der historischen Filme werden immer wieder philosophische Themen aufgegriffen, wie etwa letztens Konfuzius.
Aber auch in den berühmten Kassenschlagern Crouching Tiger Hidden Dragon, Hero und House of Flying Daggers kommt Philosophie nicht zu kurz. Immer natürlich gepaart mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen, spektakulären Kämpfen und einem spannenden Plot. Fantasy-Filme legen hingegen mehr Wert auf Action und Humor, wie etwa Monster Hunt oder The Sorcerer and the White Snake. Speziell in diesen Fantasy-Filmen kommt jene asiatische CGI-Technik zum Tragen, die dem westlichen Publikum überhaupt nicht gefällt.
Wie gesagt, kann man in China jedes Genre finden. Neben den erwähnten gibt es natürlich auch noch zeitgenössische Abenteuerfilme, wie etwa Mojin – The Lost Legend, Science-Fiction (2046), Liebesfilme (I Phone You) und Dramen (Lebewohl, meine Konkubine ; Beijing Bicycle – Fahrraddiebe in Peking) sowie Darstellungen zeitgenössischer Begebenheiten (Still Life).
In den letzten Jahren hat das Chinesische Kino enorm an Bedeutung gewonnen. Es ist also nicht mehr so, dass ausländische Produktionsfirmen nach China kommen, um dort einen Film zu drehen, sondern die Chinesen selbst internationale Stars einladen, in den eigenen Produktionen mitzuspielen, wie etwa in Man of Tai Chi, Dragon Blade oder The Great Wall.
Alle genannten Filme kann ich nur herzlich empfehlen.
Wo viel produziert wird, entsteht natürlich auch viel Schrott, so auch in China. Blind zugreifen, weil es ein chinesischer Film ist, würde ich nie. Iceman etwa, vom Trailer her super, war eine große Katastrophe. Man darf sich aber von solchen Beispielen nicht abschrecken lassen. Es gibt viele tolle chinesische Filme, aber leider finden nur die Wenigsten den Weg nach Europa. Ich würde schon jedem empfehlen, wenn er mal die Gelegenheit hat, einan anzuschauen.

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