Interview mit Frank Rehfeld (Fantasy Schriftsteller)

Frank Rehfeld, geboren 1962, ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Fantasy-Schriftsteller unserer Zeit. Bereits 1987 veröffentlichte er gemeinsam mit Wolfgang Hohlbein Die Saga von Garth & Torian. Von da an war er häufig als Autor von Kurzromanen für Fernsehserien wie Knight Rider, Hercules, Star Gate SG1 und Andromeda tätig. Unter den Pseudonymen Frank Thys, Frank Garrett und Jessica Atkins hat er für unterschiedliche Grusel- und Krimi-Romanheftserien geschrieben.
Der große Durchbruch gelang ihm 2009 mit der Zwergensaga.
Sein letzter Roman war Der Weg des Inquisitors, dessen Fortsetzung im Herbst erscheinen wird und im Rahmen dessen hatte ich die wunderbare Gelegenheit, dieses Interview zu führen. Ich wünsche euch viel Spaß damit!

Meine Kritiken: Guten Tag Herr Rehfeld! Sie zählen zu den bekanntesten deutschsprachigen Fantasy-Autoren. Woher kommt das Interesse für Fantasy? Worin liegt die Faszination für Sie? Was hat Sie bewogen, in diesem Genre aktiv zu werden?

Frank Rehfeld: Ebenfalls hallo. Meine erste Begegnung mit diesem mir damals noch völlig unbekannten Genre fand statt, als ich etwa 12-13 Jahre alt war. Damals hatten wir in der Schule eine Vertretungsstunde bei einem Lehrer, der normalerweise nicht bei uns unterrichtete, und es galt vor allem, die Zeit totzuschlagen. Er erwischte mich dabei, wie ich unter dem Pult heimlich einen Perry-Rhodan-Roman las, doch statt mir das Heft wegzunehmen, holte er mit dem Kommentar, wenn ich schon so was lesen wolle, dann wenigstens etwas Gutes, den ersten Band vom Herrn der Ringe aus seiner Aktentasche und drückte ihn mir in die Hand.. Nun besteht der Anfang des Buches vor allem aus nicht sonderlich spannenden Erklärungen, trotzdem faszinierte mich diese fiktive, von Magie durchdrungene Welt, und zum nächsten Geburtstag habe ich mir das Buch dann schenken lassen.
Ich hatte schon immer ein Faible für phantastische Geschichten und alles, was abseits unserer Rationalität liegt. Auch interessiert mich Historie mehr als Physik und andere Naturwissenschaften, deshalb begeistert mich die Fantasy mehr als beispielsweise die Science fiction. Hier kann man seiner Phantasie innerhalb selbst geschaffener Regeln und Gesetzmäßigkeiten freien Lauf lassen, es ist Abenteuer pur. In unserer rationalen Welt mangelt es meiner Meinung nach an Phantasie, und die Fantasy kann helfen, diesen speziellen Bereich unseres Geistes zu fördern.

MK: Ihr aktueller Roman heißt Der Weg des Inquisitors, dessen Fortsetzung Der Verrat des Inquisitors im Herbst erscheinen wird. Können Sie uns kurz verraten, was uns im zweiten Band erwarten wird?

FR: Der erste Band handelt davon, wie der Waisenjunge Torin als Kind zum Schwarzen Orden kommt und über Jahre hinweg zum Inquisitor ausgebildet wird. Im zweiten Band nun ist seine Ausbildung abgeschlossen, und er wird von der Inquisition ausgeschickt, um mutmaßliche Fälle von Ketzerei und Hexerei zu untersuchen. Schon bald findet er heraus, dass es der Kirche jedoch keineswegs um Wahrheit und Gerechtigkeit geht, sondern nur darum, Exempel zu statuieren, um ihre eigene Position zu festigen. Immer stärker gerät Torin dadurch in Gewissenskonflikte. Es kommt zu Unruhen innerhalb der Kirche, während das Böse in der Endlosen Wüste, mit dessen Handeln er schon im ersten Band mehrfach konfrontiert wurde, immer mächtiger wird und ganz Antasia bedroht. Insgesamt ist der zweite Band durch mehrere Handlungsebenen und zahlreiche verschiedene Schauplätze abwechslungsreicher und actionbetonter, bietet aber auch Stoff zum Nachdenken. Religiöser Fanatismus ist schließlich ein brandaktuelles Thema und findet sich in allen Religionen.

MK: Wie viele Inquisitor-Bände haben Sie denn geplant? Arbeiten Sie bereits am dritten?

FR: Nein, der Zyklus ist mit dem zweiten Band abgeschlossen, was auch damit zu tun hat, dass ich mittlerweile den Verlag gewechselt habe und künftig für Piper schreiben werde. Allerdings möchte ich nicht ausschließen, dass ich noch einmal in diese Welt zurückkehre, denn die Inquisition ist ja nur ein kleiner Teil davon. Der Background mit seinen Spannungen zwischen Kirche und Königshaus sowie die Kämpfe zwischen den Fürstenhäusern und der nur ein paarmal erwähnte Südkontinent spielen in den jetzt vorliegenden Romanen ja kaum eine Rolle. Ursprünglich trug das Projekt mal den Arbeitstitel „Die Falkenstein-Chroniken“, und die Ereignisse um Torin und Shirina sollten nur einen von mehreren Handlungsfäden bilden, aber auf Wunsch des Verlages sollte es stattdessen eine reine Inquisitoren-Geschichte werden.
Schon seit einiger Zeit spiele ich mit dem Gedanken, mal probehalber ein Fortsetzungsprojekt im Eigenverlag als Ebook bei Amazon zu starten, bei dem ich dann die völlige Kontrolle hätte und keinerlei Kompromisse mit Verlagen, deren Vertretern oder Buchhändlern eingehen müsste, die alle inzwischen mitbestimmen, wie ein Buch ihrer Meinung nach zu sein hätte. Wenn es wirklich einmal dazu kommt, werde ich dafür vielleicht auf meine ursprüngliche Planung bei den Falkenstein-Chroniken zurückgreifen, und dann wird wohl auch Torin darin wieder eine Rolle spielen.

MK: Als ich den ersten Band in die Hand genommen habe, war ich mir zunächst nicht sicher, ob es sich hier um einen Historischen Roman oder um Fantasy handelt. Dieselbe Kritik habe ich von mehreren Personen vernommen. War diese Ambivalenz bewusst gewählt oder war es einfach ein Fehler? Ich kann mir nämlich vorstellen, dass Personen, die Fantasy nicht mögen, etwas verärgert waren, während Fantasy-Fans vielleicht erst gar nicht zugegriffen haben. Wie sehen Sie das?

FR: Um es vorsichtig auszudrücken – mit der gesamten Vermarktung des Buches war ich nicht gerade glücklich, was einer der Gründe für den Verlagswechsel war. Ich bin nicht unbedingt ein Freund davon, Bücher in Genre-Schubladen zu packen, aber in diesem Fall wäre es sinnvoller gewesen. Es ist nicht klar, in welchem Genre das Buch angesiedelt ist, es findet sich kein Hinweis darauf, dass es es sich um den ersten Band eines Mehrteilers handelt, und das Titelbild hat mit dem Inhalt schlichtweg gar nichts zu tun. Selbst die Verlagsvertreter haben mit dem Buch offenbar wenig anfangen können und haben es deshalb nicht vermocht, es den Buchhändlern schmackhaft zu machen.

MK: Der Roman spielt zwar in einer Fantasy-Welt, wirkt aber Großteils wie ein historischer Mittelalterroman. Haben Sie viel Zeit in die Recherche investiert, um etwa die Kirche und die Inquisition so getreu wie möglich zu imitieren oder haben Sie eher Ihrer Phantasie freien Lauf gelassen?

FR: Eine Mischung aus beidem. Vieles erinnert an die katholische Kirche, anderes habe ich frei erfunden. Aus dem etwas nebulösen Konzept der Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist habe ich eine Göttliche Familie aus Vater, Mutter und Sohn gemacht, dazu (als Äquivalent zu Luzifer) eine Tochter, die verstoßen wurde, weil sie sich dem Vater nicht unterwerfen wollte. Auch ein Ausbildungszentrum, wo angehende Inquisitoren nicht nur in Allgemeinwissen und Theologie, sondern auch in der Kampfkunst geschult werden, hat es in dieser Form nie gegeben. Ähnliche Beispiele lassen sich noch viele finden, doch die Engstirnigkeit, der Absolutheitsanspruch und die brutale Unterdrückung aller abweichenden Meinungen lassen sich nicht nur in der katholischen Kirche und nicht nur in der Vergangenheit finden.

MK: Im Buch öffnet die Inquisition ihre Pforten und erlaubt Frauen in ihren Reihen. Kann man da ein bisschen Kirchenkritik hineininterpretieren?

FR: Oh, ich glaube, Kirchenkritik (auch hier wieder: nicht nur auf die katholische Kirche bezogen, sondern ganz allgemein auf religiösen Totalitarismus) findet sich in den Büchern naturgemäß zuhauf, zumal ich mich selbst als Atheisten betrachte. Wie im früheren Europa ist die Gesellschaft in Antasia streng patriarchalisch. Frauen besitzen kaum Rechte. Diesen Männlichkeitswahn führe ich an zahlreichen Stellen ad absurdum, aber die Entscheidung, die Inquisition (aus einem ja durchaus logisch-berechnenden Grund) für Frauen zu öffnen, war in erster Linie dem Sachzwang geschuldet, dass ich auch eine Liebesgeschichte in die Romane einbauen und nicht nur über eine rein männliche Macho-Clique schreiben wollte. Ich denke, mit Shirina Falkenstein ist mir eine selbstbewusste, interessante Frauenfigur gelungen, die vor allem gegen Ende des zweiten Bandes noch eine überaus wichtige Rolle spielt, wodurch dann auch einige Handlungsebenen im ersten Buch, die von einigen Lesern als störend oder zumindest unwichtig betrachtet wurden, eine völlig andere Bedeutung bekommen.

MK: Sprechen wir kurz über ein anderes Buch. Ihr Roman Blue Moon ist zwar schon etwas älter, steht aber immer noch an prominenter Stelle bei mir im Regal. Können Sie uns ein bisschen erzählen, wie es dazu kam, dass Sie diesen Roman schreiben durften? Wie intensiv haben Sie sich dabei mit dem Kartenspiel auseinandergesetzt?

FR: Bei Blue Moon ist der Verlag an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, zu dem Spiel einen Roman zu schreiben. Ich habe mich dann intensiv mit dem Spiel beschäftigt und hatte auch engen Kontakt zu Reiner Knizia, ohne dessen Hilfe ich mich niemals so mit der Materie hätte vertraut machen können. Das betrifft vor allem Völker wie die Buka, über die zu diesem Zeitpunkt noch kaum etwas bekannt war. Besonders gefreut hat es mich, dass er zahlreiche von mir ersonnene Buka-Charaktere dann in das nächste Erweiterungsset übernommen hat. Trotzdem war es ein extrem schwieriges Projekt. Was als groben Hintergrund-Rahmen für ein Spiel durchaus faszinierend wirkt, offenbart plötzlich zahlreiche kleine Widersprüche und Ungereimtheiten, wenn es darum geht, für ein Buch eine homogene, in sich schlüssige Welt zu schildern. Ich hoffe, dass mir das für die Fans des Spiels einigermaßen gelungen ist, während viele mit dem Spiel nicht vertraute Leser mit dieser knallbunten, von völlig gegensätzlichen Völkern bewohnten Welt leider nicht so viel anfangen konnten.

MK: Den größten Erfolg erlebten Sie mit Ihrer Zwergensaga. Was fasziniert Sie an diesem Volk und werden wir weitere Bücher von dort erwarten dürfen?

FR: Nein, dieser Zyklus ist abgeschlossen. Die Geschichte, wie sie mir vorschwebte, habe ich in den beiden Trilogien komplett erzählt, und es bleiben auch keine losen Handlungsfäden mehr offen. Ich wüsste nicht mehr, was ich dazu noch schreiben sollte, eine Fortsetzung liefe nur auf einen lauwarmen Aufguss hinaus, den ich weder mir noch den mir ans Herz gewachsenen Zwergen antun möchte. Da reizt es mich viel mehr, mir ganz neue Geschichten in neuen Welten und mit neuen Charakteren auszudenken. Ich brauche Abwechslung, deshalb habe ich es auch genossen, nach dem bunten Völkergemisch aus Zwergen, Elben, Trollen und Co für den Inquisitor eine eher düstere, mittelalterliche Welt ganz ohne diese Fabelwesen zu entwerfen,

MK: Was ist Ihnen wichtig, dass die Leser bei Ihren Romanen mitnehmen? Auf was legen Sie beim Schreiben besonders viel wert?

FR: In erster Linie möchte ich die Leser gut unterhalten, indem ich Geschichten schreibe, wie ich sie auch selbst gerne lesen würde, und dabei bemühe ich mich, diese Geschichten auch so gut zu schreiben, wie es mir möglich ist. Man merkt es vielleicht nicht, und mein Stil wird manchmal als einfach oder gar anspruchslos bezeichnet, dabei steckt viel Arbeit darin, ihn so unaufdringlich daherkommen zu lassen, dass er sich nicht in den Vordergrund schiebt und die Geschichte überlagert. Das beginnt mit der Selbstdisziplin, Sätze nicht ausufern zu lassen, sondern bei der Überarbeitung viel häufiger mal Punkte statt Kommas zu setzen. Außerdem bemühe ich mich, Wortwiederholungen so gut es geht zu vermeiden und die Sätze möglichst abwechslungsreich zu konstruieren, damit ein guter Lesefluss entsteht und der Leser nicht ständig über merkwürdige Formulierungen stolpert. Es klingt paradox, aber es ist manchmal schwerer, einen einfachen, gut verständlichen Stil zu schreiben, statt seine Gedanken in lange Schachtelsätze zu packen. Von Arthur Schopenhauer stammt sinngemäß der Satz, man benutze gewöhnliche Worte, um Ungewöhnliches zu sagen. Daran versuche ich mich zu halten. Autoren, die der Meinung sind, ihre blöden Leser sollten sich gefälligst ein bisschen anstrengen, um zu verstehen, was sie meinen, finde ich hochgradig arrogant und undiszipliniert. Diese Art von „Literaten“ halten Unterhaltung auch für etwas Schlechtes und Erfolg für anrüchig.
Obwohl der Unterhaltungsaspekt bei mir stets im Vordergrund steht, bemühe ich mich dennoch, aktuelle Themen in meine Bücher einfließen zu lassen und dem Leser Stoff zum Nachdenken zu bieten. Wie schon angesprochen, geht es beim Inquisitor sehr stark um religiöse Intoleranz. Meine Zwerge mussten vor den Dunkelelben aus ihrer unterirdischen Stadt fliehen und kamen als Flüchtlinge an die Oberfläche, wo sie von den Menschen keineswegs freundlich empfangen wurden. Einige Fanatiker versuchten sogar, ihre neu angelegten Felder und Häuser in Brand zu stecken. Und das Volk der Elben steuerte in der Vergangenheitshandlung in eine Katastrophe, weil immer mehr sich einer populistischen Bewegung anschließen, die Donald Trump heutzutage wohl mit den Worten „Elben first“ beschreiben würde. Das fand sich schon vor Jahren in meinen Zwergenbüchern, Wichtig ist mir aber, keine Botschaften mit dem Holzhammer zu verbreiten, sondern solche Themen nur unaufdringlich und in verfremdeter Form anklingen zu lassen, ohne den Lesespaß dadurch zu schmälern. Aus Gesprächen mit Lesern weiß ich, dass vielen diese Bezüge zur realen Gegenwart nicht einmal richtig bewusst geworden sind, und genau so war es auch von mir beabsichtigt. Man kann in seinen Werken Werte wie Toleranz, Mut, Tapferkeit, Freundschaft usw. vermitteln, aber man darf nie versuchen, dem Leser seine Weltsicht aufzuzwingen. Wer das will, soll politische Traktate statt Spannungsromane schreiben.

MK: Welche Tipps würden Sie jungen Autoren geben, die ebenfalls in diesem Genre aktiv werden wollen?

FR: Ich würde ihnen raten, sich ein anderes Genre zu suchen, lach. Aber im Ernst, nach einer Boomphase befindet sich die Fantasy zurzeit leider ziemlich im Keller, was die Verkaufszahlen betrifft. Das kann man von allen Autoren auf diesem Gebiet und auch von den Verlagen hören. Offenbar hat es eine massive Übersättigung des Marktes gegeben. Zudem wird ganz allgemein immer weniger gelesen. Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren rapide verstärkt, und die Fantasy hat dies offenbar besonders hart getroffen. Wer trotzdem auf diesem Gebiet etwas schreiben möchte, dem kann ich nur empfehlen, die gleichen Regeln zu befolgen, die allgemein für gute Bücher, egal in welchem Genre, gelten. Eine interessante, spannende und abwechslungsreiche Handlung, diese schreibmäßig gut präsentiert und gut ausgearbeitete Charaktere, mit denen sich die Leser identifizieren können oder die sie zumindest faszinierend finden. Das sind die Zutaten für jedes gute Buch. Bei der Fantasy kommt noch die Erschaffung einer Welt hinzu, die in sich stimmig sein muss, die nicht nur ein interessantes, sondern vor allem ein glaubwürdiges Öko-, Gesellschafts- und Politiksystem bietet.

MK: Die Werke von Autoren sind meistens von den eigenen Erfahrungen und Lebensumständen geprägt. Ihre ersten Veröffentlichungen waren in Zusammenarbeit mit Wolfgang Hohlbein. Wie sehr und inwiefern hat diese Kooperation Ihren Schreibstil und Ihre Weltsicht geprägt?

FR: Ich habe Wolfgang auf einem Horror-Con kennengelernt, als ich gerade meinen ersten Roman verkauft hatte. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, nicht zuletzt, weil wir beide über einen ausgeprägten Sinn für Sarkasmus und schwarzen Humor verfügen, und mittlerweile sind wir seit über dreißig Jahren befreundet. Da kommt natürlich zwangsläufig irgendwann die Idee auf, doch mal etwas gemeinsam zu schreiben. In unserem Fall kam hinzu, dass wir vergleichsweise ähnlich schrieben, ich brauchte mich also nicht übermäßig zu verbiegen, um mich Wolfgangs Stil anzupassen. So kam es zu einer Zusammenarbeit beim Hexer und bei Garth & Torian, später dann noch bei einigen weiteren Projekten. Allerdings sind das weitaus weniger, als die Leute manchmal vermuten, und ich habe während dieser Zeit stets auch eigene Projekte verfolgt, anfangs hauptsächlich Heftromane, später hauptsächlich Bücher. Da ich vor allem seit Beginn der Zwergenromane damit völlig ausgelastet war (ich schreibe leider sehr langsam), haben wir nun schon seit vielen Jahren nichts mehr zusammen gemacht, aber wenn sich wieder einmal Zeit und Gelegenheit ergeben, würden wir gerne mal wieder gemeinsam etwas verfassen. Es ist eine angenehme Abwechslung zu der sonst meist sehr einsamen Arbeit des Schreibens, gemeinsam mit einem anderen Autor an einem Text zu werkeln.

MK: Was lesen Sie denn eigentlich selbst gerne? Haben Sie ein Lieblingsbuch?

FR: Ein spezielles Lieblingsbuch habe ich nicht und auch keinen Liebslingsautor. Ich bemühe mich, ganz allgemein breit gefächert und auch genreübergreifend zu lesen, um meinen Horizont zu erweitern und der Gefahr entgegenzutreten, durch einen Autor oder eine bestimmte Art von Büchern zu stark beeinflusst zu werden. Das reicht von Astrid Lindgren und Enid Blyton (mit deren Büchern ich als Kind quasi aufgewachsen bin, und deren Werk ich mir vor kurzem möglichst komplett nochmal vorgenommen habe) über Tolkien, King, Barker und vielen anderen, hin zu Thrillern, allgemeiner Gegenwartsliteratur und den Klassikern, allerdings greife ich gerade zu den genannten Autoren häufiger als zu den meisten anderen. Alle diese Autoren haben ihre individuellen Stärken. Bei Blyton ist es hauptsächlich Nostalgie und ihre Fähigkeit, mit einfachsten Mitteln Spannung zu erzeugen, bei Lindgren beeindruckt mich ihr Humanismus und ich liebe es auch in meinem Alter noch, in die Welten einer längst entschwundenen Kindheit abzutauchen. An King bewundere ich seine Fähigkeit, Charaktere zum Leben zu erwecken, an Barker seinen Phantasiereichtum und seine unorthodoxen Ideen, sein Aufbegehren gegen gesellschaftliche Normen und Moral. Bei Tolkien schließlich schätze ich sein Erzähltalent und die ungeheure Detailfülle, mit der er seine Welt ausgestattet hat. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Autoren, von denen ich mir einzelne Titel oder auch ihr Gesamtwerk immer wieder vornehme, aber diese fünf nehmen schon eine gewisse Sonderstellung ein.

MK: Wie viel schreiben Sie pro Tag? Und passiert es Ihnen auch manchmal, dass sie hunderte von Seiten geschrieben haben und dann alles wieder verwerfen?

FR: Ich war nie ein Schnellschreiber, und mein Tempo hat sich gegenüber früher leider noch verlangsamt. Der Anfang und das Ende eines Romans gehen mir meistens recht flott von der Hand, aber dazwischen komme ich selten über 3-5 Seiten am Tag hinaus, wobei ich allerdings während des Schreibens die vorangegangenen Sätze ständig neu überarbeite und umändere, bis sie wirklich zu meiner Zufriedenheit sind. Der Vorteil dabei ist, dass ich beim Überarbeiten des fertigen Romans kaum noch etwas ändern muss.
Leider leide ich seit etwa zehn Jahren an einer ziemlich heftigen Angststörung, die in Panikattacken und Herzrhythmusstörungen gipfelt und bereits zu mehreren Klinikaufenthalten führte. Es ist ein Gefühl, als trüge man ständig einen engen Ring um die Brust, der einem die Luft abzuschnüren versucht. Eine Begleiterscheinung davon sind ständige Müdigkeit, rasche Erschöpfung und die Unfähigkeit, über einen längeren Zeitraum Konzentration aufrecht zu erhalten. Wie man sich denken kann, wird mein Schreibtempo auch dadurch stark gedrosselt.

MK: Was machen Sie als Ausgleich zum Schreiben? Wie aktivieren Sie Ihre kreative Ader?

FR: Ich bemühe mich, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und möglichst viele Eindrücke in mich aufzunehmen. Manchmal sind es ganz alltägliche Kleinigkeiten, die meine Phantasie anregen und zu Ideen für ein Buch oder einen Handlungsabschnitt führen. Auch gibt es kaum etwas besseres als einen Spaziergang, um die tief im Unterbewusstsein verankerte Ideenschmiede anzuregen. Wenn ich mal nicht weiß, wie ich meine Charaktere aus Schwierigkeiten befreien soll oder die Handlung glaubwürdig von Punkt A zu Punkt B vorantreiben kann, bringt es gar nichts, verbissen darüber zu grübeln. Viel besser ist es, sich abzulenken und mit Bewegung in frischer Luft die grauen Zellen auf Trab zu bringen, dann macht es nach einiger Zeit meistens Klick im Kopf, und plötzlich sprudelt zumindest die Rohfassung einer brauchbaren Idee hervor.

MK: Ich danke Ihnen für das Interview und das Schlusswort gehört Ihnen.

FR: Ich hoffe, dass es mir in einem immer schwieriger werdenden Umfeld auch weiterhin gelingen wird, Leser mit spannenden Geschichten zu begeistern, sie für eine Weile von ihren Alltagssorgen abzulenken und ihnen vielleicht den einen oder anderen Gedankenanstoß zu vermitteln. Die Menschheit steht vor ungeheuren Herausforderungen, und um diese zu bewältigen, braucht es nicht nur Rationalität, sondern vor allem viel Phantasie. Ohne Phantasie gibt es auch keine Kreativität, und wenn ich nur ein winziges Bisschen dazu beitragen kann, die Phantasie und die Träume der Leser mit meinen Geschichten anzuregen, bin ich zufrieden.

Hier könnt ihr mehr über den Autor erfahren:
Web: http://www.frankrehfeld.de/

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