Gedankensprung: Neid

Neid ist schon etwas nerviges.
Ich finde es faszinierend, wie ich auf bestimmte Personen neidisch bin und auf andere nicht, obwohl sie das gleiche erreicht habe. Es liegt einfach an deren Hintergrund. Nehmen wir etwa Andreas Brandhorst (Science Fiction Schriftsteller) oder Alexander Pfister (Spieleautor). Beide haben sich seit Kindesbeinen an für ihre jeweiligen Bereiche interessiert, haben lange und hart dafür gearbeitet und schließlich hat sich der Erfolg eingestellt. Denen gegenüber verspüre ich überhaupt keinen Neid, im Gegenteil bewundere ich sie, freue ich mich für sie und betrachte sie ein bisschen sogar als Vorbilder. Hjalmar Hach hingegen, der Autor des sehr erfolgreichen Brettspiels Photosynthese hat sich nie wirklich für Brettspiele interessiert, kommt aus einer ganz anderen Richtung und hat einfach spontan beschlossen, eines zu basteln, weil er von diesem immer beliebter werdenden Hobby gehört hat. Wolfgang Warsch, der momentan mit drei Spielen für das Spiel des Jahres nominiert ist, schlägt in die selbe Kerbe. Bei den beiden hingegen packt mich schon der Neid. Warum schaffen manche Leute es auch nach jahrzehntelanger Arbeit nicht, während es bei anderen schon im ersten Anlauf klappt?
In der aktuellen Anime-Staffel läuft eine Serie (Hanebado!), die genau das auch thematisiert. Eine Badmintonspielerin trainiert schon ihr ganzes Leben lang sehr hart und ist auch durchaus gut, hat aber keine Chance gegen eine Spielerin mit scheinbar angeborenem Talent. Sie verfällt in Depressionen und überlegt sogar mit ihrem geliebten Hobby aufzuhören.
Ich habe viel Kontakt mit Schriftstellern und Spieleautoren, lese Manuskripte und teste Prototypen. Und bei vielen von ihnen bemerke ich eben genau jenen Gemütszustand wie bei dieser Badmintonspielerin. Man kämpft, opfert teilweise sogar einiges, erreicht aber nie den Platz an der Sonne, während andere mit Leichtigkeit an einem vorbeispringen.
Achtung, Neid ist nicht Missgunst. Hach und Warsch haben gute Spiele gebastelt, die zurecht veröffentlicht wurden, darüber soll auch gar nicht diskutiert werden. Es geht mir hier um die Leute, die das eben nicht schaffen, die die Spitze trotz noch so großer Mühe einfach nicht erklimmen können. Und ich habe schon viele davon getroffen, kennengelernt. Doch was kann man tun, um in dieser Situation nicht depressiv zu werden? Es gibt Leute, die ziehen irgendwann einen Schlussstrich. Sie erkennen, dass sie nicht das nötige Talent haben, nicht den nötigen Ehrgeiz, sich weiter vorzukämpfen. Es ist immer ein schwerer Schritt, etwas aufzugeben, aber oft ist es genau der richtige Schritt, um innere Ruhe zu finden und mit was anderem glücklich zu werden. Andere machen weiter, betrachten es als Hobby und sind glücklich mit der Aktivität des Schreibens, bzw. des Bastelns an sich. Irgendwann eine Publikation? Vielleicht ja, vielleicht nein, egal. Das Zusammensitzen und gemeinsame Prototypen testen macht Spaß, Manuskripte austauschen macht Spaß. Und wenn dann einer aus dem Kreis den Durchbruch schafft, dann freut man sich für ihn.
Dennoch ist es unmöglich den Neid ganz abzudrehen. Man sollte ihn als Ansporn betrachten, sich nicht von ihm zerfressen lassen. Das größte Problem entsteht dann, wenn man etwas zu seiner Karriere machen will, es aber nicht funktioniert. Dann sieht man erst recht die anderen mit Neid, aber auch mit Missgunst. Was viele nicht können, in so einer Situation aber enorm wichtig ist, ist einmal einen Schritt zurück zu machen, sich selbst zu hinterfragen und einfach etwas Abstand gewinnen. Wenn man mit dem Kopf zu tief im Sand steckt, geht einfach nichts weiter.

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Eine Antwort zu Gedankensprung: Neid

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