Buch: Hunt, Nick – Mit dem Wind. Wanderungen vom Atlantik bis zum Mittelmeer

Nette Mischung aus Seminararbeit und Reisebericht.
Ich finde dieses Buch einerseits durchaus faszinierend und habe es auch gerne gelesen, andererseits ist es überfüllt und ich habe viel übersprungen. Was genau meine ich damit? Der Autor ist ein bekannter Reiseschriftsteller, der von der Society of Authors ein Stipendium erhalten hat, um ein neues Buch zu schreiben. Auf der Suche nach einem interessanten, ungewöhnlichen Thema, stieß er eines Tages auf eine Karte, wie er sie noch nie gesehen hatte: „Es war eine Landkarte von Europa, überzogen mit bunten Linien und marodierenden Pfeile. … Diese verbanden Gebiete und Kulturkreise, die in meiner Vorstellung nur wenig miteinander zu tun hatten. … Sowie ich besagte Landkarte zu Gesicht bekommen hatte, wusste ich: Ich würde den Winden folgen.“ (S. 17-18)
Der Autor wählte dann vier davon aus: Helm, Bora, Föhn und Mistral. Vier Winde in vier verschiedenen Gegenden und benutzte sein Stipendium, um die Reisen dorthin zu finanzieren. Alles sehr spannend und interessant. Die Beschreibungen der Landschaften, der Menschen und seiner Wanderungen sind sehr gelungen, ist der Autor doch ein erfahrener Reiseschriftsteller. Äußerst interessant waren seine Ausführungen, wie die Winde entstehen und wie sie Einfluss auf die jeweiligen Landschaften und Menschen haben, auf Kultur, Architektur und Lebensweise. Aber dann kommt der Punkt, wo es zu viel wird. Es fühlt sich so an, als wäre er ein Student an der Universität und hätte bemerkt, dass er zu wenig Material für seine Seminararbeit hätte und daher jedes kleinste Detail aus den unterschiedlichsten Quellen hervorkramte, das er finden konnte, sei es Geschichte, Philosophie, Poesie, Theologie usw. Das hat mir nicht gefallen und da habe ich auch sehr viel übersprungen. Wie so oft wäre weniger mehr.
Wenn der Autor dann aber beschreibt, wie er einem Wind begegnete und sich diesem entgegenstellte, was er dabei fühlte und erlebte, dann hat sich die Lektüre absolut gelohnt. Andererseits ist es für den Leser doch ziemlich enttäuschend, wenn man zahlreiche Seiten liest, sich durch endloses Geschwafel durchkämpft und keinem Wind begegnet, genauso wie für den Autor, der tagelang durch teils trostlose Gegenden marschierte und nicht fand, was er suchte. „Ich war hier hergekommen, um mit dem Wind allein zu sein, und weil kein Wind kam, war ich einfach nur allein.“ (S. 69) Dafür ist es dann umso befriedigender, wenn es andersrum ist: „Da wartet man drei Wochen lang auf einen Bora, und dann kommen gleich zwei auf einmal.“ (S. 202)
Fazit: Weder Sachbuch noch Reisebericht, aber irgendwas faszinierendes dazwischen. Ich bin froh es gelesen und die Winde kennengerlernt zu haben.

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