Buch: Prokofiev, Roman – Project Stellar (Band 1–9; abgeschlossen)

Tolle epische Reise in die ferne Zukunft.
Hinter dem Namen Project Stellar verbirgt sich eine epische, neunteilige Buchreihe von Roman Prokofiev, die sich im rasant wachsenden Genre der LitRPG (Literary Role-Playing Game) und des Cyberpunks bewegt. Das Szenario bricht mit klassischen Sci-Fi-Tropen und wirft die Leser in eine düstere, postapokalyptische Zukunft. Trümmer des „Schwarzen Mondes“ sind auf die Erde gestürzt und haben eine feindliche Energie namens Azure freigesetzt, die Monster gebiert und die Menschheit auslöscht. Um den Untergang aufzuhalten, tritt das titelgebende Project Stellar in Kraft. Das Bewusstsein legendärer, verstorbener Krieger wird in künstliche Wirtskörper hochgeladen. Der Protagonist Grey erwacht als ein solcher „Inkarnator“ und muss sich fortan durch eine Welt kämpfen, die nach knallharten Rollenspiel-Mechaniken funktioniert, inklusive Fähigkeiten-Upgrades, Gen-Modifikationen, einem sarkastischen KI-Begleiter und einer erbarmungslosen Respawn-Mechanik.
Wer sich auf dieses literarische Experiment einlässt, erlebt über weite Strecken ein echtes Genre-Highlight. Die ersten sechs Bände der Saga (The Incarnator bis The Legate) zünden ein wahres Action-Feuerwerk. Die Verbindung aus strategischer Charakterentwicklung, düsterer Dark-Fantasy-Atmosphäre und einem treibenden Plot hat mir unglaublich gut gefallen. Prokofiev versteht es hier meisterhaft, die Spannung konstant hochzuhalten. Besonders bemerkenswert ist, dass Band 6 (The Legate) dramaturgisch so rund und wuchtig inszeniert ist, dass man diese Stelle problemlos als eine Art gelungenen, befriedigenden Abschluss betrachten könnte.
Leider kann der Autor dieses hohe Niveau im Anschluss nicht halten, und die Reihe schlittert in eine spürbare Durststrecke. Band 7 erweist sich im Grunde als ein quälend langer, zäher Epilog. Statt die Geschichte dynamisch voranzutreiben, wird hier vor allem erzählerisch aufgeräumt und bemüht ein Spin-off vorbereitet, was dem Lesefluss massiv den Wind aus den Segeln nimmt. Auch der darauffolgende achte Band geizt nicht mit Längen und plätschert über weite Strecken langweilig vor sich hin, da er fast ausschließlich die erzählerischen Weichen für den großen Showdown stellt.
Wer sich jedoch durch diese beiden literarischen Tiefpunkte durchbeißt, wird im Finale fürstlich belohnt. Band 9 (Prometheus) besinnt sich wieder vollends auf die alten Stärken der Reihe. Prokofiev liefert hier einen richtig tollen, epischen und vor allem emotional rundum zufriedenstellenden Abschluss ab, der die Schwächen der Vorgänger fast wieder vergessen macht. Für Fans von packender RealRPG-Action bleibt die Reise trotz der Durchhänger im letzten Drittel ein absolut lohnenswertes Erlebnis.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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