Buch: Brandhorst, Andreas – Das Erwachen

Eigentlich ein großartiger Sci-Fi-Thriller.
Inhalt: Der ehemalige Hacker Axel setzt versehentlich ein Computervirus frei, das unzählige der leistungsfähigsten Rechner auf der ganzen Welt vernetzt. Als sich daraufhin auf allen Kontinenten Störfälle häufen und die Infrastruktur zum Erliegen kommt, die Regierungen sich gegenseitig die Schuld geben und die geopolitische Lage immer gefährlicher wird, stößt Axel gemeinsam mit der undurchsichtigen Giselle auf ein Geheimnis, das unsere Welt für immer verändern wird: In den Computernetzen ist etwas erwacht, und es scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein.
Während des Lesens gab es einige Stellen, die ich mir zum Kritisieren markiert hatte, doch jetzt, wo ich fertig bin, will ich das gar nicht mehr. Ich habe dieses Buch regelrecht verschlungen und sogar am Ende, als es einen Durchhänger hatte, war es dennoch spannend genug, dass ich nicht pausierte oder Seiten übersprang. Ja, die letzten Kapitel, in denen die Reise von Hamburg nach Rom beschrieben wird, sind unnötig lang geraten, wohingegen das Ende dann viel zu abrupt und schnell wirkt. Aber das Ende hat es wirklich in sich, war ein positive Überraschung. Aufgrund meines Deus Ex – Hintergrundes hatte ich eine bestimmte Erwartungshaltung und es gab auch einige Momente, die diese zu untermauern schienen. Andere Stellen hingegen ließen mich andere Theorien aufbauen, doch dass es dann so endet, hätte ich nicht gedacht. Als Konsequenz davon könnte man dieses Buch als Prequel zu einem anderen Brandhorst-Roman sehen, nämlich Das Schiff, muss man aber nicht und wird vom Autor auch nirgends erwähnt.
Die Charaktere sind allesamt, außer dem Hauptcharakter Axel, durchaus interessant geschrieben, sind jedoch nicht mehr als Fenster in die Welt. Durch sie sehen wir, was passiert, erfahren wir von der Maschinenintelligenz und wie sich unsere Zivilisation verändert. Und genau das ist das fantastische an diesem Buch. Der Autor hat nämlich genau recherchiert, was er auch im Nachwort erklärt und mit Quellen belegt, wie – und vor allem wie schnell – unsere Zivilisation zusammenbrechen würde, wenn es keine Elektrizität und keine Kommunikationswege mehr auf der gesamten Welt gäbe, wie eine Maschinenintelligenz entstehen könnte und was wohl die möglichen Konsequenzen wären.
Der Plot des Buches birgt eine angenehme Grundspannung bis zum Ende, ist aber nur eine Leinwand, auf welcher der Autor seien Rechercheergebnisse präsentiert, seine Gedanken und Visionen. Wem das Ausgestalten von Szenarien, in diesem Fall realistischen, gefällt, der sollte hier unbedingt zugreifen. Das Buch spielt zehn oder zwanzig Jahre in der Zukunft und behandelt Dinge, vor denen wir heute gewarnt werden: Künstliche Intelligenzen, Klimawandel, zu Kriege ausgeartete Grenzkonflikte. Was die geopolitische Zukunftsvision betrifft, kann ich nicht wirklich übereinstimmen, ich habe da andere Vorstellungen und vermutlich sind beide falsch. Aber die technologische und klimatische Zukunftsvision finde ich sehr interessant und spannend.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Serie: Orange Is the New Black – Staffel 5

Ein fehlgeschlagenes Experiment. Leider hat man aus der letzten Staffel von How I met your mother nichts gelernt.
Hier werden die Ereignisse von ca. 48 Stunden auf 13 Folgen zu je 60 Minuten aufgebläht. Das ist zu viel. Man hätte den Cliffhanger in ein paar Folgen abschließen können, dann noch einige normale Folgen nachschieben und am Ende mit Pipers Entlassung die Serie abschließen. Das ist nicht geschehen. Im Gegenteil wurde die gesamte Staffel darauf verwendet Möchtegern-Action mit misslungenem Humor zu paaren und dazwischen persönliche Dramen einzustreuen. Für mich war die gesamte Staffel einfach nur langatmig, die Dialoge teilweise peinlich. Außerdem ist den Machern auch das Fingerspitzengefühl abhanden gekommen, kulturelle Differenzen darzustellen. Es wirkt hier alles so plakativ und irgendwie nur noch schwarz-weiß, ohne die vielen Grautöne, welche die Serie eigentlich so toll gemacht haben. Dazu kommt noch die letzte Folge, die wohl vermuten lässt, dass Piper doch nicht entlassen wird und wir daher noch einige Staffeln vor uns haben. Aber ohne mich. Die Serie hat für mich bereits ihren Zenit überschritten und konnte mich schon in der vorherigen Staffel nicht mehr fesseln. Es gibt ja noch andere Serien zu schauen.
Fazit: Wenn die Staffeln nicht immer mit solchen Cliffhangern enden würden, würde ich empfehlen, zumindest die ersten drei zu schauen.

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Film: Ancien and the Magic Tablet (Anime 2017; Originaltitel: Hirune Hime – Shiranai Watashi no Monogatari)

Netter Film mit dem Spiel zwischen Traum und Realität.
Anime, Fantasy, Science-Fiction von Kenji Kamiyama. 111 Min.
Inhalt: Ein Oberschul-Mädchen, das ständig davon träumt als Prinzessin magische Roboter zu bauen und das Königreich zu schützen, wird plötzlich Ziel einiger böser Gestalten. Was hat das Tablet ihrer verstorbenen Mutter damit zu tun und welche Geheimnisse verbirgt der Vater?
Die Animationen sind sehr schön und auch der Plot ist durchaus interessant. Mich persönlich hat es nicht so überzeugt, als sie die Grenze zwischen Traum und Realität aufgebrochen haben, ich hätte eine strikte Trennung bis zum Ende viel interessanter gefunden, wenn der Traum also rein eine Metapher der Realität und eine Erinnerung geblieben wäre. So ist es irgendwann ziemlich verwirrend geworden und am Ende für mich eher enttäuschend. Es gibt durchaus Personen, denen diese Art der Realitätsveränderung und Plotkonfusion gefällt, mir jedoch nicht. Mehrere Ebenen in einer Geschichte finde ich schon interessant, wenn sie sinnvoll miteinander verwoben sind, nicht einfach des Spektakels wegen.
Fazit: Große Animefans werden den Film sicher schauen, der Rest sollte die Finger davon lassen, es gibt bessere Animefilme.

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Gedankensprung: Die Bücher meiner Kindheit / Jugend

Nachdem ich letzte Woche über die Anfänge meines Spielens nachgedacht hatte, habe ich mir überlegt, das gleiche zu meinen Büchern zu machen.
Die ersten Bücher, an die ich mich konkret erinnern kann, waren die Leselöwen– und Was ist was – Bände, sowie sämtliche Disney-Bücher zu den Filmen. Auch wenn das die ersten Bücher sind, an die ich mich erinnere, sie in Händen gehalten zu haben, war es doch etwas anderes, das mich geprägt hat. Meine Nachbarin hat ihrem Sohn und mir nämlich immer die Bücher von Auguste Lechner vorgelesen, also die jugendgerecht aufbereiteten Sagen und Mythen der Antike und des Mittelalters. Ich war dann in der Schule der Einzige, der all die Geschichten um Herkules, der Odyssee und vom Goldenen Vlies bis zu den Sagen um König Artus, die Nibelungen und Parzival kannte. Später habe ich all diese Bücher dann noch einmal selbst gelesen, aber dieses Vorlesen damals war der entscheidende Faktor, der mich beeinflusst und meine Liebe zur Literatur, zu Geschichten und Abenteuern geweckt hatte. Im Gegensatz zu meinen Schulkollegen strebte ich schnell dicke Bücher an, weil ich mehr Abenteuer erleben wollte. Meine Favoriten waren dann schnell verschiedene Kinder-Krimi-Reihen, speziell die Knickerbocker-Bande von Thomas Brezina hatte es mir angetan. Die hatte auch sehr viel mit meiner späteren Reiselust zu tun. Ebenso in guter Erinnerung sind mir die Quintus-Bücher von Hans Dieter Stöver geblieben. Ansonsten tue ich mich sehr schwer, mich an konkrete Bücher zu erinnern, die ich gelesen habe. Nur zwei Werke haben mir so gut gefallen, dass ich sie wohl nie vergessen werde: Hüter der Erinnerung von Lois Lowry und eines, dessen Titel und Autor ich nicht mehr weiß. Es spielte in einem kleinen Dorf in Schottland. Ein Mann wird ermordet und ein kleiner Junge will den Mörder finden. Man folgt ihm bei seiner Detektivarbeit, nur um am Ende zu merken, dass er immer die falschen Schlüsse gezogen hat, während sein Bruder, ein Jurisprudenz-Student, den wahren Mörder offenbart. Ich habe diese beiden Bücher einfach super gefunden und denke auch heute noch manchmal daran zurück.
Erst dann die Bücher ab meiner Gymnasialzeit sind mir ziemlich vollständig in Erinnerung geblieben und ich muss an dieser Stelle meinem ersten Deutschlehrer danken, der uns immer sehr tolle Bücherlisten gegeben hat, was ich von den späteren Deutschlehrern nicht behaupten kann. Dadurch stieß ich auf Fluchtstücke von Anne Michaels, was ich auch heute noch zu meinen Lieblingsbüchern zähle, oder Herr der Fliegen von William Golding. Außerdem brachte er mich in Kontakt mit Hesse, Zweig, Frisch, Dostojewski und vielen anderen bekannten Autoren, aber nicht auf eine standardisierte, unmotivierte Art, sondern angenehm ungezwungen und mit einer ansteckenden Leidenschaft.
Meine eigene Biographie zeigt, wie wichtig Personen sind, um Leidenschaften zu entfachen. Ich weiß nicht, ob ich ohne jene Nachbarin oder diesem Deutschlehrer zu so einer Leseratte geworden wäre. Mein Bruder war nie bei unserer Nachbarin, ging dann in eine andere Schule und hat in seinem Leben wohl nicht mehr als eine Handvoll Bücher gelesen.

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Spiel: Kodama – Die Baumgeister (Kosmos)

Ich möchte dieses Spiel mögen, aber das kann ich irgendwie nicht.
Von Daniel Solis (ca. 40 Min.; 2-5 Spieler)
In diesem Spiel baut jeder seinen eigenen Baum vor sich auf, verlängert die Äste und hofft darauf, genug verschiedene Dinge zu haben, um Punkte zu bekommen. Das Spiel schaut optisch super aus und hat ein echt tolles Thema. Man merkt jedoch, dass dies hier im Zentrum steht und die Mechanik irgendwie da drum herum angehängt wurde. Mir hätte es besser gefallen, wenn es wirklich darum gegangen wäre den schönsten oder kreativsten oder blühendsten Baum zu errichten, aber nicht so eine Rechnerei. Denn das ist es, lediglich eine Rechnerei. Ich lege einen Ast an und addiere dann die darauf abgebildeten Symbole mit anderen auf diesem Ast bis hin zum Stamm, jedoch nach bestimmten Regeln. Gleichzeitig habe ich noch Baumgeisterkarten auf der Hand, die mir dann bei Rundenende Bonuspunkte geben. Ich muss also die kurzfristigen und die langfristigen Rechnungen im Auge behalten. Dazu kommen noch die Jahreszeitenkarten, die weitere Einschränkungen und Veränderungen bei den Werten mit sich bringen.
Ich habe grundsätzlich nichts gegen rechenlastige Spiele, wenn die Aktionen entsprechend angepasst sind. Aber hier nimmt man einfach eine Karte aus der Auslage und legt sie an. Da ist also ein sehr großer Glücksfaktor dabei. Außerdem kann es auch zu einer großen Downtime kommen, wenn jemand sämtliche Karten der Auslage durchrechnet, um das Maximum herauszuholen.
Nein, Thema und Mechanik passen für mich hier gar nicht zusammen. Das ist schade, denn die Grundidee wäre wirklich super.
Fazit: Leider nicht zu empfehlen.

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Buch: Fletcher, Tom – Der Weihnachtosaurus

Allein wegen der Optik passt es gut in jedes Kinderregal.
Inhalt: Die Weihnachtswichtel am Nordpol sind ganz aus dem Häuschen, als sie tief im Eis ein geheimnisvolles Ei entdecken. Der Weihnachtsmann höchstpersönlich brütet das Ei unter seinem dicken Po aus. Zur Verblüffung aller schlüpft ein freundlicher kleiner Dinosaurier: der Weihnachtosaurus. Zufällig schickt zur gleichen Zeit, tausende Kilometer entfernt, ein kleiner Junge namens William seinen Wunschzettel an den Weihnachtsmann ab: Er wünscht sich einen echten Dinosaurier. Als William und der Weihnachtosaurus einander in der Weihnachtsnacht begegnen, erleben die beiden nicht nur ein fantastisches, zum Brüllen komisches Abenteuer, sondern auch, was es heißt, den Wünschen seines Herzens zu folgen.
Das Buch eignet sich laut eigener Angabe für Kinder ab 8 Jahren, aber es eignet sich auch zum Vorlesen für jüngere Kinder. Denn welches Kind träumt nicht davon, einen eigenen Dinosaurier zu haben? Die Idee ist witzig und das darauf folgende Abenteuer kreativ-lustig mit viel Spannung, wie es sich eben für ein Kinderbuch gehört. Dazu passt auch der angenehm flüssige Schreibstil in kindgerechter Schreibgröße und mit über 100 tollen Illustrationen.
Man könnte natürlich darüber diskutieren, inwiefern es angebracht ist, bei uns hier ein Buch über den Weihnachtsmann und nicht über das Christkind zu lesen, aber wer sich darüber Gedanken macht, der dürfte auch um diese Jahreszeit keinen Fernseher einschalten. Was schade ist, denn in diesem Buch geht um Freundschaft, die Überwindung einer traurigen Vergangenheit und die Kraft der Familie, was eigentlich Themen für das ganze Jahr wären.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Film: Monsieur Claude und seine Töchter (2014)

Auf die Franzosen ist doch immer Verlass, wenn man einen guten Film sucht.
Komödie mit Christian Clavier von Philippe de Chauveron. 97 Min.
Inhalt: Claude und Marie Verneuil, ein Ehepaar aus der katholischen Mittelklasse, sind ziemlich konservative Eltern, obwohl sie sich stets selbst dazu angehalten haben, weltoffen zu sein. Doch ihre Toleranz wird auf eine harte Probe gestellt, als ihre vier Töchter heiraten wollen: Eine hat einen Muslimen als Ehemann auserwählt, eine andere einen Juden und die Älteste einen Chinesen. Nun ruhen alle Hoffnungen der Eltern für eine kirchliche Hochzeit auf der jüngsten Tochter, die gerade – Hallelujah! – einen Katholiken kennengelernt hat.
Der Film ist sehr lustig. Ich habe mich köstlich amüsiert und kann ihn daher nur wärmstens empfehlen. Gute Schauspieler und gelungene Witze bieten hier ein tolles Vergnügen.
Der Film spielt mit vermeintlichen Stereotypen und falschen Eindrücken, wobei er sich als Plädoyer für Toleranz und Vielfalt versteht. Das zentrale Element des Films aber sind nicht die Töchter und deren Ehemänner, die tolerant und weltoffen sind und ihre eigenen Kulturen eigentlich gar nicht so ernst nehmen, sondern die konservativen Eltern, die sich wirklich bemühen tolerant und weltoffen zu sein, aber gewisse Grundsätze doch nicht aufgeben wollen. Der Spagat zwischen eigener Zufriedenheit und Wohlergehen der Töchter wird hier wunderbar beschrieben. Wenn dann die Mutter beim Psychologen ist, um herauszufinden, ob sie eine Rassistin sei oder wenn der Vater von den Schwiegersöhnen die Nationalhymne hören möchte, sind das einfach tolle Filmmomente.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Gedankensprung: Die Anfänge meines Spielens

Ich habe letzte Woche darüber nachgedacht, wie ich eigentlich so ein Brettspielfan geworden bin.
Ich war circa 16 Jahre alt, als uns ein Freund Risiko gezeigt hat, das Standard-Einführungsspiel. Wie süchtig haben wir das gespielt, bis irgendwann Siedler von Catan dazu stieß. Dieses Risiko-Spiel war sicher der Startpunkt für meinen Werdegang als Spieler, aber nicht der eigentliche Anfang. Nein, denn gespielt habe ich schon viel früher. Als ich klein war, hat meine Urgroßmutter mich in die Welt der Kartenspiele eingeführt, diese traditionellen regionalen, von denen es unzählige Varianten gibt. Meine Großmutter war es dann, bei der es die Brettspiele gab, jedes Wochenende, von Mensch ärgere dich nicht über Halma und Leiterspiel bis Pferderennen. Es gab dann einen Bruch, als ich in meinem elften Lebensjahr für drei Jahre auf ein Internat wechselte. Doch auch dort begleiteten mich Brettspiele, denn mit drei Kollegen spielte ich regelmäßig nachmittags in der dortigen Bibliothek Cluedo oder das Spiel des Wissens. Ein glücklicher Tag war, als das Spiel des Lebens und Trivial Pursuit dazugekauft wurden.
Nach dem Ende dieses Lebensabschnitts und der Rückkehr in meinen Heimatort hätte ich die Brettspiele beinahe vergessen, so konzentriert war ich auf die Schule. Bis dann eben einer unserer Clique irgendwann Risiko brachte. Daher ist dieses Spiel nicht meine erstes, aber wohl der Anfang meines Hobbys. Unser Zugang zu Spielen blieb auch deshalb lange beschränkt, weil es bei uns kein Spielegeschäft gab und die nächste Stadt etwa zwei Autobahn-Autostunden entfernt lag. Nur einer von uns begab sich manchmal dorthin und brachte neue Spiele mit. Daher kamen dann irgendwann Ohne Furcht und Adel sowie Alhambra dazu. Speziell Alhambra haben wir intensiv gespielt, da dies für das einzige weibliche Mitglied unserer Clique das Lieblingsspiel war. Mein bester Freund fuhr auch mal mit seinen Eltern dorthin und kehrte mit dem Catan-2-Personen-Kartenspiel zurück, das wir beide dann bis zum Umfallen gespielt haben.
2004 war dann die Wende. Wir sind als Gruppe in die große Stadt gefahren und ich habe das Spiel Blue Moon entdeckt, ein fantastisches 2-Personen-Spiel, das ich auch heute noch als mein Lieblingsspiel bezeichne. Es war das erste Spiel, das ich mir je gekauft habe, also der Start meiner Sammlung. Auch war es das erste Spiel, dessen Regeln ich selbst studiert habe, es wurde mir also nicht von jemanden erklärt. Vor allem aber war es das erste Spiel, wegen dem ich im Internet Strategien recherchiert und mich online mit anderen Personen ausgetauscht habe. Blue Moon war somit mein Schritt vom Mitspieler hin zum aktiven Enthusiasten. Damit aber nicht genug. Als ich ein Jahr später nach Wien zog, war es Blue Moon, mit dem ich eine neue Clique fand, mit der ich auch heute noch spiele. Damit war dann der Schritt in die Brettspielwelt endgültig vollzogen.

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Spiel: Hanamikoji (Kosmos)

Was für ein cooles 2-Personen-Spiel. Ein einzigartiger Mechanismus.
Von Kota Nakayama (ca. 15 Min.; 2 Spieler)
Die beiden Spieler sind Restaurantbesitzer im mittelalterlichen Japan und wollen die besten Geishas zu sich ziehen. Das geht maximal drei Runden lang, kann aber schon nach der ersten zu Ende sein, wenn eine der beiden Siegbedingungen erfüllt ist.
Jeder Spieler hat vier Aktionen, die er in beliebiger Reihenfolge ausführt. Ein Spieler eine Aktion, dann der andere eine uns so weiter. Diese Aktionen erlauben es Geschenke zu den Geishas zu legen. Wer am Rundenende am meisten zu einer gelegt hat erhält diese. Pro Runde ist also jeder Spieler vier mal am Zug und spielt insgesamt zehn Karten.
Das faszinierende sind nun diese Aktionen. Wenn man sich die Regeln am Anfang durchliest, versteht man nicht, was da jetzt so knifflig sein soll. Es ist recht geradlinig. Doch kaum hat man eine Runde hinter sich, erkennt man die Tiefe dieses Spiels. Die Aktionen erlauben es nämlich nie, einfach eine Karte zu einer Geisha zu legen, es gibt immer noch mehr zu beachten, speziell bei den zwei Aktionen, bei denen auch der Mitspieler profitiert. Welche Aktion führe ich zu welchem Zeitpunkt aus? Welche Karte möchte ich für welche Aktion verwenden? Es ist absolut faszinierend mit wie wenig Material und mit welch einfachen Regeln so ein strategisches Spiel erschaffen werden kann.
Fazit: Absolut zu empfehlen!

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Buch: Bannister, Andrew – Die Verlorenen (Die Spin-Trilogie 2)

So seltsam, cool und konfus wie der erste Teil.
Inhalt: Die Spin-Galaxie steht vor dem Untergang. Alle Handelsrouten zwischen den ehemals wohlhabenden Planeten wurden abgeschnitten. Als die Sklavin Seldyan das letzte verbliebene Kriegsschiff stiehlt, um in die freie Kolonie zu fliehen, entdeckt sie etwas Sonderbares. Ein neuer grüner Stern erleuchtet den Himmel über der freien Kolonie und entfacht die rasante Verbreitung eines Kults, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Gesellschaft zu unterdrücken. Unterdessen wird der Hafenmeister Vess damit beauftragt, herauszufinden, wie Seldyan aus der Sklaverei entkommen konnte.
Grundsätzlich gefällt mir dieses Buch sehr gut. Der Ideenreichtum ist fantastisch und das ist es, was für mich gute Sci-Fi ausmacht. Der Spin ist ein abstruser, künstlich erschaffener Ort im Universum, mehrere Millionen Jahre alt und bietet daher genug Platz für absurde und kreative Elemente. Eintauchen, lautet hier die Devise, und sich treiben lassen.
Der Plot selbst war für mich leider sehr konfus und vor allem am Ende überhastet. Er ist jedoch wie der erste Teil abgeschlossen und könnte eigentlich auch eigenständig gelesen werden. Sollte er aber nicht. Die Verlorenen spielt 10.000 (?) Jahre nach dem ersten Band und hat oberflächlich betrachtet gar nichts mit diesem zu tun. Doch da kommt das Spezielle dieser Trilogie zum Tragen. Die beiden Bücher erzählen unabhängige Geschichten des Spins, für den Leser erschließt sich jedoch ein Bild, ein Rätsel, das die Protagonisten so gar nicht wahrnehmen, für sie auch gar nicht wichtig ist. Während wir also im ersten Band die Geschichte von Fleare Haas und jetzt jene von Seldyan gelesen haben, haben wir gleichzeitig die Geschichte des Spins kennengelernt.
Vom Plot und den Charakteren her ist das Buch nicht wirklich spannend, kaum erwähnenswert, wenn da nicht dieser Spin wäre.
Ich muss aber ein Wort zur Übersetzung verlieren. Leider bin ich einige Male im Lesefluss gestolpert und hatte das Gefühl, dass Sätze fehlten oder Perspektiven falsch wiedergegeben wurden. Der Großteil passt eh, aber es gibt so circa fünf Absätze, bei denen ich sogar nach mehrmaligen Lesen nicht sicher war, was da jetzt los ist. Ich habe dann einfach aus dem Kontext den Sinn eruiert und weitergelesen.
Fazit: Ich freue mich auf den abschließenden dritten Band.

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