Gedankensprung: Nollywood

Jeder von uns kennt Hollywood und Bollywood. Aber wer hat schon mal etwas von Nollywood gehört?
Die meisten Filme der Welt werden in Indien, in Bollywood gedreht. Aber wusstet Ihr, dass in Nigeria, in Nollywood, mehr Filme gedreht werden als in den USA, als in Hollywood? Doch Quantität hat natürlich nichts mit Qualität zu tun. Die 400 bis 2.000 Filme pro Jahr werden mit einem minimalen Budget und einfachen DV-Camcordern in nur wenigen Tagen gedreht, erreichen aber dennoch ein Millionenpublikum in ganz Westafrika. Von Liebe über Drama, Horror und Action sind alle Genres vertreten. Und das ist auch das Merkmal von Nollywood: Es gibt fast nur Genrefilme. Dass man mal ein literarisches Werk, wahre Begebenheiten oder politische Ereignisse verfilmt, kommt kaum vor. Die Filme dienen lediglich der Unterhaltung.
Nollywood-Filme werden in den lokalen Sprachen gedreht, was natürlich das Zielpublikum mehr anspricht als irgendwelche Untertitel oder schlechte Synchronisierungen. Im frankophonen Afrika werden auch zahlreiche Filme auf Französisch gedreht, doch die erreichen ein viel kleineres Publikum, sind aber jene Filme, die man auch manchmal in Europa und woanders sieht. Nollywood bleibt in Afrika, frankophone Filme werden nicht dazugezählt.
Das erste Mal kam ich vor fast 10 Jahren mit Nollywood in Kontakt, als in einem kleinen Filmclub ein solcher Liebesfilm gezeigt wurde. Es war eigentlich ein sehr schöner Film über eine alleinerziehende, arbeitende Mutter, die einen guten Mann sucht. Mit wenigen Mitteln ist eine wirklich hohe Qualität zustande gekommen. Einige Jahre später, ich arbeitete damals in einem Kino an der Kassa, kam eine Vertreterin des Afrikanischen Kulturvereins zu uns, weil sie ein Kino suchte, das Nollywood-Filme zeigen würde. Unser Manager hatte überhaupt kein Interesse daran afrikanische Filme zwischen Hollywood-Blockbuster zu schieben. Die Dame hat auch kein anderes Kino gefunden und am Ende blieb Nollywood auf die Clubräume des afrikanischen Kulturzentrums beschränkt. Aus künstlerisches Sicht finde ich es schade, aus finanzieller Sicht verstehe ich es.
Also ja, wer mal über unseren westlichen cineastischen Tellerrand blicken möchte, dem sei hiermit gesagt, dass ein ganzer Kontinent auf seine Entdeckung wartet.

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Film: Underworld 5 – Blood Wars (2016)

Der Verstand sagt ‚Nein‘, das Herz sagt ‚Ja‘. Aber wenn man schon die ersten vier Teile geschaut hat, will man doch irgendwie weitermachen.
Fantasy-Horror mit Kate Beckinsale von Anna Foerster. 92 Min.
Inhalt: Ich bin mir nicht ganz sicher, aber die Werwölfe kämpfen gegen die Vampire und diese auch noch untereinander, weil alle etwas suchen und am Ende kommt es zu einem großen Showdown.
Für sich selbst betrachtet ist der Film ein riesengroßer Schmarrn, sowohl was Plot betrifft, als auch bezüglich der schauspielerischen Leistung. Die Effekte und Kämpfe sind solide, haben eine ausreichende Qualität um gute Unterhaltung zu bieten. Und daher ist der Film für Fans der Reihe, oder zumindest für jene, die einfach immer wieder die neuen Teile anschauen, wie ich einer bin, vollkommen zufriedenstellend. Die Saga wird fortgeführt und es wird viel gekämpft. Natürlich, wer die ersten vier Teile nicht gesehen hat, braucht hier erst gar nicht einzuschalten. Weder wird er irgendetwas verstehen, noch wird er dem Film irgendetwas Positives abgewinnen können. Nein, der Film hat ein klares Publikum: Wer den vierten Teil gesehen hat und weitermachen möchte. Und so betrachtet ist Underworld 5 nicht schlecht.
Fazit: Nur einschalten, wenn man die Serie bisher gesehen hat.

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Spiel: Lotus (Renegade Game Studios)

Tschüss Runaway-Leader! Ich genieß dann mal die Blumen, bis das Ganze hier zu Ende ist.
Von Jordan Goddard und Mandy Goddard (ca. 30 Min.; 2-4 Spieler)
Wenn die Blumen nicht so schön wären, die man hier bastelt, würde man wohl recht bald das Spielende herbeisehnen. Das Problem an der Sache ist nämlich der inhärente Glücksfaktor. Nach und nach legen Spieler Karten aus und versuchen damit verschiedene Blumen zu vervollständigen. Wenn eine Blume fertig ist, kommt es zu einer Wertung. Der mit der Mehrheit erhält 5 Punkte oder statt dieser eine zusätzliche Sonderfunktion. Wer die Blume abgeschlossen hat, erhält sämtliche Blüten, die am Ende je 1 Punkt wert sind.
Wer also das Glück hat, bei der ersten Blume die Mehrheit zu haben, kann sich als erster eine Sonderfunktion nehmen. Diese sind sehr stark. Wenn die Mitspieler nicht das Glück haben, in derselben Runde ebenfalls eine Sonderfunktion zu erhalten, fallen sie zurück und es ist eigentlich unmöglich, den Vorsprung, den der Spieler mit der alleinigen Sonderfunktion herausholt, noch irgendwie einzuholen. Erfahrene Spieler werden also in den ersten Runden taktieren und können diesen Effekt hinauszögern, was auch eine spezielle Spannung mit sich bringt, doch sobald einer vorne ist, gibt es nicht mehr viel zu holen.
Fazit: Allein wegen der schönen Karten und der kurzen Spielzeit kann ich empfehlen, es ruhig einmal auszuprobieren. Man sollte sich aber des Glücksfaktors bewusst sein und nicht leicht frustrieren.

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Buch: Corvus, Robert – Feuer der Leere

Ein Buch ohne Plot. Kann auch interessant sein, aber nicht in diesem Fall.
Inhalt: Die Menschheit lebt nicht mehr planetengebunden, sondern zieht auf riesigen Schiffen als Nomaden durchs Universum, immer in Konflikt mit einer brutalen außerirdischen Rasse.
An sich finde ich die Prämisse des Buches wirklich toll, also die Beschreibung des Lebens auf so großen Raumschiffen und die Dinge, die sie in den verschiedenen Systemen tun müssen, um die Vorräte aufzufüllen. Nur wirkt das Ganze recht episodenhaft, ohne einen übergreifenden Plot, außer halt den Kampf mit dem Feind, was aber einfach zu wenig ist. Zu Beginn fällt das gar nicht auf, weil die Hauptcharaktere eigentlich recht sympathisch und die Beschreibungen sehr interessant sind. Man merkt sehr gut, dass der Autor viel recherchiert hat. Es wirkt aber auch so, als hätte der Autor sich verschiedene Szenen einfallen lassen und dann irgendwie aneinandergereiht. Es wird am Ende ein Geheimnis gelüftet, das sich aber erst sehr spät angebahnt und auch nie zur Spannung des Buches beigetragen hat. Ja, in dem Sinne ist es schon ein gelungener Schluss, dass man eben gerne einen zweiten Band hätte, der da weitermacht. Für mich persönlich reicht das leider nicht.
Das Buch fühlt sich so an, als hätte jemand einige Monate im Leben einer Gruppe von Menschen nacherzählt. Man lernt sie kennen, begleitet sie ein Stück des Weges und verabschiedet sich wieder. Es gibt keinen Impuls am Anfang, der irgendeine Spannung, geschweige denn einen Plot initiiert. Danach gibt es ein paar Abenteuer, die für die Charaktere anscheinend Routine sind und am Ende weiß man nicht, was man mit diesem Schluss machen soll.
Daneben gibt es noch den seltsamen Rotraum und ein lebendes Schiff. Ich vermute, dass der Autor die Mysterien um diese beiden Elemente als Spannungsbogen verwenden wollte, doch für mich persönlich waren sie einfach uninteressant. Sie waren aus meiner Sicht zu fantastisch für diesen realistisch recherchierten Plot.
Fazit: Der Roman ist zu lang geraten für das, was er bietet, weshalb ich ihn nicht empfehlen kann.

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Serie: Detour – Staffel 1

Ein spezieller Humor für ein spezielles Publikum.
Wow, die gleiche Einleitung wie für die Serie Santa Clarita Diet letzte Woche? Ja, denn es passt einfach. Während jedoch bei SCD der Humor einem klaren Genre – Gore – zugeschrieben werden kann, bin ich mir nicht sicher, wie ich das hier beschreiben soll.
Die Serie handelt also von der Autofahrt einer vierköpfigen Familie von New York zum Urlaub nach Florida. Sehr viel passiert unterwegs – ich glaube, man hat nichts ausgelassen, was man sich irgendwie aus den Haaren ziehen könnte – und der Vater hat dann auch noch einen geheimen Grund, weshalb er nach Florida möchte, was die ganze Sache noch turbulenter macht und den Machern erlaubt durch Flashbacks Zeit zu gewinnen.
Ich finde den Plot uninteressant, die Witze nicht gelungen und die meisten Szenen unrealistisch. Das Problem ist eben, dass zu viel passiert und sogar den normalen Situationen musste irgendein humoristischer Stempel aufgedrückt werden. Die Idee war eine rasante Achterbahnfahrt ohne Pause für die Lachmuskeln, aber ich finde das meiste einfach nur blöd. Dazu kommen noch Witze, die sich in ihren Niveaus einfach zu extrem unterscheiden: von unter der Gürtel Linie über seicht und banal bis politisch unkorrekt. Vielleicht braucht man auch einen bestimmten Alkoholpegel, um diese Serie genießen zu können.
Fazit: Absolut nicht zu empfehlen

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Film: Kong – Skull Island (2017)

Cooler Film mit toller Atmosphäre.
Monster-Abenteuer mit Tom Hiddleston von Jordan Vogt-Roberts. 120 Min.
Inhalt: Eine Gruppe aus Wissenschaftlern und Soldaten wird am Ende des Vietnamkriegs auf eine bisher unerforschte Insel geschickt, wo sie auf brutale, riesenhafte Kreaturen stoßen.
Der Film bietet gute Unterhaltung und das ist das wichtigste bei so einem „Blockbuster“. King Kong und die anderen Kreaturen sehen toll aus, die Actionszenen sind gut gemacht und eine gewisse Grundspannung bleibt bis zum Ende. Am besten aber finde ich die Vietnamkrieg-Dschungel-Atmosphäre. Die Soldaten sind nämlich Vietnam-Veteranen, die direkt von dort kommen, also mit entsprechend authentischer Kleidung und typischer Ausrüstung. Die Landschaft auf der Insel erinnert auch an Vietnam, wodurch man bei vielen Aufnahmen glaubt einen Kriegsfilm vor sich zu haben. Diese atmosphärische Mischung aus Vietnamkriegs- und Kreaturen-Film ist echt gut gelungen.
Kommen wir nun zum großen Manko, was aber aufgrund der Kreaturen und der Atmosphäre nicht weiter ins Gewicht fällt: die Schauspieler. Samuel L. Jackson spielt als einziger richtig gut, was auch daran liegt, das seiner der einzige Charakter mit mehreren Facetten und einer nachvollziehbaren Entwicklung ist. Alle anderen sind nur dazu da, dem Film ihre Namen zu verleihen, was aber bei so einem Film wohl gar nicht nötig gewesen wäre. Vor allem Tom Hiddleston ist total unnötig. Man merkt, dass dessen Rolle nur geschrieben wurde, um ihn irgendwie in den Film zu bekommen.
Fazit: Mir gefällt der Film sehr gut. Tolles Popcorn-Kino.

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Gedankensprung: Titelbilder in SF-Literatur

Seit ich diesen Blog betreibe, befinde ich mich regelmäßig auf Bildersuche für die verschiedenen Rezensionen. Und meistens geht das auch recht schnell, da die Titelbilder, Poster, Spielschachteln etc. eigentlich immer gleich ausschauen, nur halt mit unterschiedlichen Sprachen. Nur bei der Sci-Fi-Literatur ist mir aufgefallen, dass die deutschen Verlage eigene Coverbilder erstellen, also nicht die vom übersetzten Original übernehmen. Woran das liegt, weiß ich nicht. Vielleicht ist das reine Geschmackssache oder sie müssten das Copyright vom Künstler abkaufen, was unnötig teuer ist. Das ist auch nicht weiter relevant. Im Gegensatz zu den katastrophal übersetzten Filmtiteln sind hier die Neuinterpretationen jedoch sehr lobenswert. Mit gefallen die deutschen Varianten besser, aber macht euch doch selbst ein Bild davon – links ist immer Englisch, rechts Deutsch:

The Expanse

 

 

 

 

 

Duplikat

 

 

 

 

 

Das Imperium

 

 

 

 

 

Aurora

 

 

 

 

 

Giants

 

 

 

 

 

Dark Space

 

 

 

 

 

Die Maschine

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Spiel: Anno Domini (Abacus Spiele)

Lustig mit den richtigen Leuten.
Von Urs Hostettler (ca. 30 Min.; 2-8 Spieler)
Dieses kleine Kartenspiel gibt es bereits in zahlreichen Varianten mit vielen verschiedenen Themen. Das Prinzip ist nämlich sehr einfach, wodurch immer neue Karten problemlos hinzugefügt werden. Momentan reichen die Themen von Natur, über Kirche & Staat und Deutschland bis Sex & Crime, sowie Frauen und vieles andere.
Vom Nachziehstapel zieht der Spieler eine Karte und muss dann entscheiden, wohin sie auf der Leiste der bereits ausgelegten Karten hingehört. Wenn z.B. „1. Weltkrieg“ und „Vietnamkrieg“ ausliegen und der Spieler „1. Atombombe“ zieht, muss er diese Karte zwischen die beiden offenen Karten hineinlegen. Hätte er „Napoleon“ gezogen, hätte er sie vorne hinlegen müssen. Sobald die Karte liegt, wird sie umgedreht und die korrekte Jahreszahl offenbart, also kontrolliert, ob sie richtig liegt.
Der Mechanismus ist sehr einfach, es braucht halt Geschichtswissen oder zumindest ein ausgeprägtes Interesse daran. Das schränkt den Personenkreis natürlich sehr ein, mit dem man das spielen kann. Hat man aber die richtige Gruppe, dann entstehen tolle Diskussionen, man kann lachen und auch einiges lernen.
Fazit: Für Geschichtefans sehr zu empfehlen.

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Spiel: Quadropolis (Days of Wonder)

Ganz tolles Städtebau-Legespiel.
Von François Gandon (ca. 30-60 Min.; 2-4 Spieler)
Das Spiel wirkt wie eine vereinfachte Form von Automania mit einem ganz eigenen Charme. Hier wie dort holt man Plättchen aus der Tischmitte, um das eigene Brett vor sich zu füllen. Während man bei Automania jedoch durch diese Plättchen seine Produktion verändert, die dann Punkte bringt, wird in Quadropolis konkret von jedem Spieler eine Stadt errichtet. Hier wird erst bei Spielende eine Punktewertung aufgrund von Nachbarschaften durchgeführt, während dort durch ständig wechselnde Nachfrage andauernd gewertet wird. Mir gefällt Automania sehr gut, weil man dort ständig die Nachfrage im Auge behalten und seine Fabrik anpassen muss. Quadropolis hingegen ist viel gemütlicher, nicht auf Vielspieler ausgerichtet.
Der Mechanismus des Plättchens nehmen und anlegen ist ein bisschen knifflig. Da man ihn beim ersten Mal nicht sofort durchschaut, wird der anfängliche intuitive Plan mit Sicherheit nicht aufgehen. Man hat nämlich je ein Kärtchen mit den Werten 1 – 4, die ich jede Runde einmal einsetze. Mit dem 1er-Kärtchen hole ich mir ein 1er-Plättchen und lege es dann auf ein 1er-Feld. Daher gilt es immer genau zu beachten, welches Kärtchen man zu welchem Zeitpunkt einsetzen möchte, um sich nicht irgendeinen Nachbarschafts-Bonus zu ruinieren.
Das Spiel ist einfach, schnell, aber mit genug Strategie, um es bis zum Ende spannend zu halten. Das Material und die Grafik sind auch lobenswert.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Buch: Ondaatje, Michael – Katzentisch

Eine Reise kann ein Leben prägen. Was für ein schönes Buch.
Inhalt: Ein 11-jähriger Junge reist 1954 allein auf einem Dampfer von Indien nach England. 21 Tage auf hoher See, die sein und nicht nur sein weiteres Leben bestimmen werden.
Ich finde das Ende des Buches etwas unnötig, denn ohne dieses hätte das Buch sogar noch mehr Eindruck gemacht. Andererseits aber verstehe ich auch die Notwendigkeit dafür, um dann eben eine Begründung für gewisse Dinge zu haben. Nur hätte ich mir gewünscht, dass vielleicht schon früher mehr darauf eingegangen worden wäre, um die Psychologie des besten Freundes besser zu verstehen.
Abgesehen von dem Ende gefällt mir das Buch enorm gut, weil es auf diesem Schiff von unzähligen individuellen, sehr gut ausgearbeiteten Charakteren wimmelt, die der Junge alle trifft. Von jedem lernt er etwas, erfährt er etwas, was ihn dann immer begleiten wird. Es gibt Vorausblicke in die Zukunft, um zu erfahren, wie sehr diese Reise, diese Bekanntschaften ihn geprägt haben. Aber nicht nur ihn, denn er trifft ja Leute wieder, hört von ihnen und sieht, dass nicht nur seine Seele sich noch immer auf diesem Schiff befindet.
Aber eigentlich ist auf der Reise gar nichts passiert, außer halt am Ende, wenn man es aus einer erwachsenen Perspektive ganz objektiv betrachtet. Aber für einen 11-jährigen Jungen ohne erwachsene Begleitung war es ein Abenteuer sondergleichen.
Besonders gefällt mir am Buch auch, wie gut der Flair jener Zeit eingefangen wurde, sowohl in Indien, als auch auf der gesamten Reise. Das ist natürlich nur deswegen so gut gelungen, weil der Autor tatsächlich in diesem Alter jene Reise unternommen hat. Er erklärt zwar, dass alles Fiktion ist, aber so richtig glauben will man das als Leser nicht. Man möchte sich vorstellen, wie im Jahre 2011 die noch Lebenden der Reise dieses Buch in die Hand nehmen, schmunzeln und so manche Fragen nun endlich beantwortet bekommen.
Fazit: Ein schönes Buch.

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