Buch: Simmons, Dan – Endymion (Endymion 1)

Ich bin etwas irritiert.
Endymion ist die großartige Fortsetzung der Hyperion-Gesänge. Wenn man jene nicht gelesen hat, wird man hier verloren sein. Weshalb aber bin ich irritiert, wenn es doch großartig ist? Nun, das Ende.
Mittlerweile habe ich sehr viel von Dan Simmons gelesen und ich habe immer davon geschwärmt, wie er mit Sprachwissenschaft und Literaturgeschichte spielt. Das ist hier nicht der Fall. Dieses Manko bemerkt man jedoch erst sehr spät, weil der Plot so spannend und die Charaktere so interessant sind. Tatsächlich habe ich selten so einen sympathischen und greifbaren Hauptcharakter wie hier mit Raul Endymion erlebt. Speziell die Szene zu Beginn, als er seinen abstrusen Auftrag erhält, zählt für mich zu denen besten Momenten, die ich je gelesen habe.
Das Buch ist ein tolles Space-Abenteuer, in welchem Raul und seine Gefährten vor Pax fliehen, der zu ungeheurer Macht gelangten Katholischen Kirche, und dabei durch ein uraltes Portalsystem von Planeten zu Planeten reisen. Das ist das eigentlich großartige an diesem Buch, wie der Autor diese sehr verschiedenen und sehr kreativen Planeten erschafft. Das ganze Universum dieser Bücher ist allgemein ein sehr interessanter Ort.
Raul, der Erzähler, greift in seinen Gedanken immer vor und gibt dem Leser kleine Informationsstücke über das, was noch kommen mag. Das ist natürlich ein guter Trick, den Plot spannend und die Leserschaft an der Leine zu halten. Doch dann kommt das Ende und man merkt, dass alle diese Dinge erst im Folgeband erzählt werden. Da bin ich dann schon etwas irritiert und genervt zurückgeblieben. Naja, es gibt schon einen Grund, weshalb die beiden Endymion-Bücher heute nur noch als Sammelband verkauft werden. Aber wenn ich mir die Dicke des zweiten Teils anschaue, frage ich mich, wie er all diese versprochenen Dinge einbauen will. Nun, nicht wundern, sondern lesen. Also ran ans nächste Buch (nach einer kleinen Pause).
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Film: Rampage (2018)

Was für’n Schrott.
Action mit Dwayne Johnson von Brad Peyton. 115 Min.
Inhalt: Mit seinen Mitmenschen kommt der renommierte Primatenforscher Davis Okoye (Dwayne Johnson) nicht besonders gut zurecht, mit dem Gorilla George hingegen schon. Okoye hat den außergewöhnlich intelligenten Silberrücken aufgezogen, seit dieser ein kleines Affenbaby war, und die beiden verbindet eine tiefe Freundschaft. Doch dann geht eines Tages ein illegales Genexperiment gehörig schief und der eigentlich so sanftmütige George mutiert zu einem gewaltigen, wildgewordenen Monster. Auch andere Tiere wurden in wilde Bestien verwandelt und sorgen ebenso wie George für Tod und Zerstörung. Okoye schließt sich mit einer Gentechnikerin zusammen um ein Gegenmittel zu entwickeln, das die Tiere wieder zurückverwandelt, was sich inmitten des ganzen Chaos jedoch als ziemlich schwierig herausstellt.
Ich wollte bei diesem Film bereits nach zehn Minuten wieder aussteigen und das hat zwei Gründe:
1) Vor nicht allzu langer Zeit hat Dwayne Johnson in Jumanji mitgespielt, wo auf gelungene Weise kritisiert wird, dass Frauen immer halbnackt durch den Dschungel laufen, während Männer perfekt gekleidet sind. Und hier nun ist genau das wieder der Fall und wird als völlig normal hingestellt.
2) Ein bisschen Recherche bei der Darstellung von Wissenschaftlern und Gorillas hätte nicht geschadet.
So, nachdem ich also nach diesen zwei Szenen nicht aufgehört habe zu schauen, ist es eigentlich nicht besser geworden. Die Darstellung der Bösewichte war lächerlich, der Plot banal und die Schauspieler schlecht. Weshalb Dwayne Johnson bis zum Ende sich bemüht hat gut zu spielen, weiß ich nicht, denn er konnte diesen Film nicht mehr retten. Die Animationen und die Action generell haben mir auch nicht wirklich gefallen. Im Grunde hat man einfach drei Monster (King Kong, Godzilla und Riesenwolf) aufeinander gehetzt. Wenn man das drum herum weggelassen und sich auf diesen Dreikampf konzentriert hätte, wäre vielleicht sogar ein interessanter Monsterfilm draus geworden, aber so ist das ein ziemlich langweiliger Film geworden.
Fazit: Nicht zu empfehlen.

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Gedankensprung: Spiel des Jahres 2018

Wow, was für ein Schrottjahr.
Okay, das ist jetzt schon ein bisschen brutal ausgedrückt, aber das ist einfach meine Gefühlslage, wenn ich mir das hier so anschaue. Letztes Jahr hatte ich mich nach Einblick in die Nominierungsliste entschieden, sämtliche Spiele bis zur Preisverleihung zu spielen und auf meinem Blog zu präsentieren. Dieses Jahr habe ich diesen Plan hingegen sofort abgebrochen, weil ich die Hälfte der Nominierten als lächerlich empfinde. Nicht, dass es schlechte Spiele wären, aber für so einen Preis nominiert?!

Spiel des Jahres:

Azul hat einen Favoritensieg eingefahren. Es gab für mich nie einen Zweifel, dass dieses Spiel gewinnen würde, denn es ist einfach super. Luxor kenne ich leider nicht, würde ich aber sehr gerne mal spielen, da es einen sehr einzigartigen und innovativen Handkartenmechanismus hat.
Der dritte Nominierte The Mind ist KEIN Spiel. Das ist eine Aktivität, die wir früher beim Theater vor den Aufführungen zum Aufwärmen gemacht haben. Ich kann ja akzeptieren, dass man das als Spiel verpackt und Geld verdienen möchte. Es ist ja auch schön gestaltet. Aber nie und nimmer hat so etwas verdient für diesen Preis nominiert zu werden.

Kennerspiel des Jahres:

Heaven & Ale hätte gewinnen sollen, ist es doch ein geradliniges Strategiespiel, auch wenn immer wieder kritisiert wird, dass das Thema nur draufgeklebt ist. Doch stattdessen hat Die Quacksalber von Quedlinburg gewonnen. Nein, das verstehe ich nicht. Dieses und Ganz schön clever sind nette Spiele, beinhalten aber einen derart hohen Glücksfaktor, dass sie in meinen Augen überhaupt nichts mit der Kategorie „Kennerspiel“ zu tun haben.

Warum war das heuer aber so? Wenn ich dem glauben kann, was ich an mehreren Stellen gelesen und gehört habe, dann ging es der Jury dieses Jahr speziell darum, Regelhefte zu prämieren. Anscheinend sind sie in den letzten Jahren immer frustrierter geworden, weil Regelhefte anscheinend immer schlechter werden. Daher haben sie dieses Jahr Spiele mit schlechten Regelheften erst gar nicht probiert und somit auch gar nicht in Erwägung gezogen, selbst wenn das Spiel noch so super wäre. Diese Idee finde ich eigentlich super und mit diesem Hintergrund betrachtet finde ich die Nominierungsliste auch wieder voll in Ordnung. Nur, wenn das wirklich der Grund ist, hat die Jury eine sehr schlechte Arbeit geleistet, das zu kommunizieren.

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Spiel: Dragon Master (Pegasus)

Nettes minimalistisches 2-Spieler-Spiel.
Von Reiner Knizia (ca. 10 Min.; 2 Spieler)
Nach Hanamikoji, Okiya und The Fox in the Forest haben wir hier das nächste 2-Personen-Spiel, das mit minimalem Material und minimalen Regeln auskommt. Das ist genau die Art von Spielen, die mir zurzeit sehr gut gefallen. Schnell, einfach, aber doch strategisch.
In diesem Spiel sitzen sich die Spieler nicht gegenüber, sondern 90 Grad ums Eck, denn ein Spieler schaut auf die horizontalen, der andere auf die vertikalen Reihen. Reihum legt jeder eine Karte, wobei er seine Reihen so wertvoll wie möglich machen möchte, die des Gegners hingegen so wertlos wie möglich. Dabei gilt natürlich, dass jede Karte immer für beide Spieler zählt.
Das Spiel bietet einen sehr interessanten Fluss und stellt die Spieler ständig vor interessante Dilemmata. Da es sehr schnell geht, spielt man immer best-of-3. Das ist auch der Grund, warum es mir gut gefällt: es ist kurz. Die Mechanik ist nett, würde es sich aber in die Länge ziehen, denke ich nicht, dass es mich fesseln würde. Das Sprichwort „in der Kürze liegt die Würze“ trifft hier perfekt zu.
Fazit: Empfehlenswert.

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Buch: Katzenbach, John – Die Anstalt

Jetzt habe ich es also endlich gelesen, jenes Buch, das bereits eine gefühlte Ewigkeit in meinem Bücherturm gewartet hat.
Inhalt: Vor zwanzig Jahren, als junger Mann, ist Francis Petrel gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Mehrere Jahre hat er dort zugebracht – bis die Anstalt nach einer Mordserie geschlossen wurde. Noch immer hört Francis Stimmen, nimmt Medikamente. Die Erinnerung an die traumatischen Geschehnisse von damals ängstigt ihn, und er beginnt aufzuschreiben, was er erlebt hat – mit Bleistift, auf den Wänden seiner Wohnung. Wer war der mysteriöse „Engel des Todes“, der damals sein Unwesen trieb? Gibt es ihn überhaupt? Oder existiert er nur in Francis’ Schreckensphantasien?
Ich bereue es nicht so lange gewartet zu haben. Hingegen bereue ich es, das Buch überhaupt aufgemacht zu haben. Denn einen Krimi über 750 Seiten spannend zu halten ist sehr schwer und hier leider missglückt. Es hätte dem Buch gut getan, wenn es um 200 bis 300 Seiten gekürzt worden wäre. Allgemein bin ich kein großer Freund von Psychothrillern, aber ich gönne mir schon mal einen, wenn er denn auch gut ist. Das hier war leider ein Fehlgriff. Die Anstalt ist einfach nur langweilig, immer wieder kehrende Dialoge ohne Sinn, manche Passagen zu ausführlich und langatmig beschrieben, ein zäher Plot und eine nicht zufriedenstellende Auflösung am Ende.
Fazit: Nicht zu empfehlen.

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Serie: 13 Reasons Why – Staffel 2

Manchmal sind Geschichten nach einer Staffel erzählt und dann sollte man aufhören.
Hier geht es nun darum, dass durch eine Gerichtsverhandlung der wahre Schuldige für die Begebenheiten in der ersten Staffel gefunden werden soll. Naja, eigentlich geht es bei der Gerichtsverhandlung darum, ob die Schule verantwortlich war oder nicht. Dabei bekommt jeder, der in der vorigen Staffel durch die Kassetten beschuldigt wurde, die Gelegenheit, öffentlich seine Sicht der Dinge zu präsentieren. Was interessant klingt, entpuppt sich dann doch als ziemlich langweilig. Diese zweite Staffel konnte mich zu keinem Zeitpunkt fesseln, Clay Jensens Halluzinationen waren sowieso nur lächerlich. Sie ist noch mehr als die erste Staffel für Eltern und Lehrer gedacht, um aufzuzeigen, wie viel zwischen Kindern und Jugendlichen passiert, von dem die Erwachsenen gar nichts mitbekommen. Alles kommt in der vorletzten Folge zu einem vorhersehbaren Ende, die vorherigen Folgen musste man dafür gar nicht schauen. Die letzte Folge dann war von den Machern ursprünglich wohl anders geplant und nach der heftigen Kritik an der ersten Staffel abgeändert worden. Ich habe sogar das Gefühl, dass ein Großteil der zweiten Staffel anfangs dafür geplant gewesen war.
Ich nehme das Wort „unnötig“ eigentlich ungern in den Mund, aber hier trifft es leider zu. Die durchaus spannende erste Staffel mit interessanten Charakterentwicklungen bot einen zufriedenstellenden Abschluss. Eine zweite Staffel war nicht nötig, weil es dazu eigentlich nichts mehr zu sagen gibt. Die Story wird einfach weitergezogen, mühselig in die Länge gestreckt, ohne dem Publikum irgendwas neues, relevantes oder zumindest interessantes zu geben. Die letzte Folge hätte man sich komplett sparen können, war doch alles schon in der vorletzten erzählt und die letzte diente nur noch dazu, einen Cliffhanger für die dritte Staffel zu haben.
Fazit: Sollte man nicht schauen und für mich ist diese Serie nun zu Ende.

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Film: Braut Sabina (Originaltitel: Келинка Сабина) 1 (2014) + 2 (2016)

Komödie aus Kasachstan. Aber nur lustig, wenn man den Hintergrund kennt.
Komödie mit und von Nurtas Adambay. 103 Min.
Inhalt: Der Film erzählt vom Schicksal des Stadtmädchens Sabina, die sehr gerne einen arabischen Scheich heiraten und nach Dubai ziehen möchte. Doch ihr Leben ändert sich drastisch, als sie vom Hirten Zhanibek ins Dorf Zhugery entführt wird. Die beiden heiraten und Sabina denkt nur noch über ihre Flucht nach, während sie die lokalen Traditionen lernen muss.
Zunächst wird man mal geschockt, dass Sabina eigentlich ein männlicher Schauspieler ist, der eine Frau spielt. Das würde eigentlich überhaupt keinen Sinn machen, wenn man nicht wüsste, dass dieser Film auf der Sketch-Comedy-Serie KZlandiya basiert, der Bullyparade von Kasachstan. In diesem Sinne ist das also voll in Ordnung und er spielt ja auch sehr lustig.
Die zweite Information ist, dass in Zentralasien früher Frauen einfach entführt und zwangsverheiratet wurden. Die Familie der Frau wurde dann vor vollendete Tatsachen gestellt und mit irgendwelchen Geschenken entschädigt. Heutzutage kann das in ländlichen Gegenden schon noch vorkommen, aber dann weiß die Frau normalerweise bereits, dass sie entführt werden wird, sie spielt einfach bei der Tradition mit. Während es in Kasachstan wirklich nur noch eine traditionelle Aktion mit vorherigem Einverständnis ist, ist Brautraub in Kirgistan auch heute noch ein soziales Problem. Doch dieser Film stammt ja aus Kasachstan, nicht aus Kirgistan und daher kann man so etwas hier ganz unbefangen und humoristisch in einem Film bearbeiten.
In diesem Film geht es also um ein reiches, verwöhntes Stadtmädchen, das gezwungen wird, auf einem schäbigen Bauernhof zu leben. Diese Prämisse garantiert einige lustige Momente, wobei ich mir nicht sicher bin, ob Seher, die von der kasachischen Kultur nichts wissen, auch wirklich bei jeder Szene lachen können. Es gibt aber genug Szenen, die über die kulturellen Grenzen hinausgehen, wenn sie etwa mit Kreide auf einer alten Metallwand sehnsüchtig ein Facebook-Profil hinaufmalt und dann mit der Nachbarin, einer ebenfalls entführten Braut, dort chattet.
Die Moral am Ende des ersten Teils hätte in Hollywood nicht besser produziert werden können, aber es ist eine Komödie, also kann man da drüber hinwegblicken, denn bis dahin war es ein großer Spaß.
Der zweite Teil ist dann nicht mehr so witzig, weil die Prämisse ja nicht mehr funktioniert. Er bietet aber doch noch einige nette Szenen und es ist durchaus interessant zu sehen, wie sich die Charaktere entwickelt haben. Hier kämpft das Dorf gemeinsam gegen eine Ölfirma, was durchaus aktuell in Kasachstan ist.
Fazit: Auch wenn kein überragender Film bietet er sich gut an, um das ländliche Kasachstan auf lockere Art kennenzulernen.

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Gedankensprung: Neid

Neid ist schon etwas nerviges.
Ich finde es faszinierend, wie ich auf bestimmte Personen neidisch bin und auf andere nicht, obwohl sie das gleiche erreicht habe. Es liegt einfach an deren Hintergrund. Nehmen wir etwa Andreas Brandhorst (Science Fiction Schriftsteller) oder Alexander Pfister (Spieleautor). Beide haben sich seit Kindesbeinen an für ihre jeweiligen Bereiche interessiert, haben lange und hart dafür gearbeitet und schließlich hat sich der Erfolg eingestellt. Denen gegenüber verspüre ich überhaupt keinen Neid, im Gegenteil bewundere ich sie, freue ich mich für sie und betrachte sie ein bisschen sogar als Vorbilder. Hjalmar Hach hingegen, der Autor des sehr erfolgreichen Brettspiels Photosynthese hat sich nie wirklich für Brettspiele interessiert, kommt aus einer ganz anderen Richtung und hat einfach spontan beschlossen, eines zu basteln, weil er von diesem immer beliebter werdenden Hobby gehört hat. Wolfgang Warsch, der momentan mit drei Spielen für das Spiel des Jahres nominiert ist, schlägt in die selbe Kerbe. Bei den beiden hingegen packt mich schon der Neid. Warum schaffen manche Leute es auch nach jahrzehntelanger Arbeit nicht, während es bei anderen schon im ersten Anlauf klappt?
In der aktuellen Anime-Staffel läuft eine Serie (Hanebado!), die genau das auch thematisiert. Eine Badmintonspielerin trainiert schon ihr ganzes Leben lang sehr hart und ist auch durchaus gut, hat aber keine Chance gegen eine Spielerin mit scheinbar angeborenem Talent. Sie verfällt in Depressionen und überlegt sogar mit ihrem geliebten Hobby aufzuhören.
Ich habe viel Kontakt mit Schriftstellern und Spieleautoren, lese Manuskripte und teste Prototypen. Und bei vielen von ihnen bemerke ich eben genau jenen Gemütszustand wie bei dieser Badmintonspielerin. Man kämpft, opfert teilweise sogar einiges, erreicht aber nie den Platz an der Sonne, während andere mit Leichtigkeit an einem vorbeispringen.
Achtung, Neid ist nicht Missgunst. Hach und Warsch haben gute Spiele gebastelt, die zurecht veröffentlicht wurden, darüber soll auch gar nicht diskutiert werden. Es geht mir hier um die Leute, die das eben nicht schaffen, die die Spitze trotz noch so großer Mühe einfach nicht erklimmen können. Und ich habe schon viele davon getroffen, kennengelernt. Doch was kann man tun, um in dieser Situation nicht depressiv zu werden? Es gibt Leute, die ziehen irgendwann einen Schlussstrich. Sie erkennen, dass sie nicht das nötige Talent haben, nicht den nötigen Ehrgeiz, sich weiter vorzukämpfen. Es ist immer ein schwerer Schritt, etwas aufzugeben, aber oft ist es genau der richtige Schritt, um innere Ruhe zu finden und mit was anderem glücklich zu werden. Andere machen weiter, betrachten es als Hobby und sind glücklich mit der Aktivität des Schreibens, bzw. des Bastelns an sich. Irgendwann eine Publikation? Vielleicht ja, vielleicht nein, egal. Das Zusammensitzen und gemeinsame Prototypen testen macht Spaß, Manuskripte austauschen macht Spaß. Und wenn dann einer aus dem Kreis den Durchbruch schafft, dann freut man sich für ihn.
Dennoch ist es unmöglich den Neid ganz abzudrehen. Man sollte ihn als Ansporn betrachten, sich nicht von ihm zerfressen lassen. Das größte Problem entsteht dann, wenn man etwas zu seiner Karriere machen will, es aber nicht funktioniert. Dann sieht man erst recht die anderen mit Neid, aber auch mit Missgunst. Was viele nicht können, in so einer Situation aber enorm wichtig ist, ist einmal einen Schritt zurück zu machen, sich selbst zu hinterfragen und einfach etwas Abstand gewinnen. Wenn man mit dem Kopf zu tief im Sand steckt, geht einfach nichts weiter.

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Spiel: Pulsar 2849 (CGE)

Punktesalat im Weltall. Großartig!
Von Vladimír Suchý (ca. 60-90 Min.; 2-4 Spieler)
Ein kleine Warnung im Voraus: Ihr benötigt hierfür einen sehr großen Tisch. Aber es zahlt sich definitiv aus, den großformatigen und etwas langwierigen Aufbau durchzuhalten. Denn man wird dann mit einem schnellen und spannenden Strategiespiel belohnt.
In diesem Weltall-Spiel führen viele Strategien zum Sieg, denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um Punkte zu bekommen. Ich könnte etwa meinen Fokus auf Stationen legen, denn deren Anzahl bringt viele Punkte. Oder auf Pulsar-Tore, damit ich jede Runde kassiere und die Projekte als erster abschließe. Oder auf die Endmissionen. Oder auf den Technologiebaum. Oder, oder, oder… Am besten überlegt man sich eine Strategie, verfolgt diese, und bemüht sich gleichzeitig noch von den anderen Möglichkeiten auch etwas zu kassieren. Dabei wird der Punktesalat jedoch nie unübersichtlich.
Die Mechanik des Spiels ist auch sehr interessant. Der Startspieler wirft Würfel und legt diese nach Werten in die entsprechenden Felder. Dann wird vor den mittleren Würfel der Meridianmarker gelegt. Nehme ich dann einen Würfel rechts davon, wandert einer meiner Marker nach rechts. Nehme ich einen Würfel links, wandert einer meiner Marker nach links. Nach rechts möchte ich eigentlich nicht wandern, aber da sind meist die besseren Würfel. Jeder Spieler erhält zwei Würfel, also zwei Aktionen. Er darf immer eine Aktion ausführen, auf welcher noch kein Marker liegt und welche den Würfelwert benötigt, den man gerade hat. Bei der Auswahl der Würfel geht es also darum, sich zu überlegen, welche Aktionen man ausführen möchte und welche Würfelwerte man dafür braucht. Als Startspieler hat man hier einen klaren Vorteil, doch dafür ist es für den hintersten auf der Initiativeleiste recht einfach, nächste Runde zum Startspieler zu avancieren.
Meine Aktionen könnten dann sein durch das Weltall zu fliegen und Stationen zu errichten, Technologien zu entwickeln, Pulsar-Tore zu erbauen oder irgendwas zu kaufen. Das Spiel ist reich an Optionen, führt dabei aber fast nie zu einer Analyse-Paralyse. Alles geht flott, es gibt kaum eine Downtime. Optisch ist das Spiel auch sehr ansprechend, es hat eine gute Produktionsqualität.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Buch: Meier, Franziska – Dantes Göttliche Komödie. Eine Einführung

Eine gelungene Einführung in ein komplexes Thema.
Fast jeder kennt das monumentale Werk Die Göttliche Komödie – ich selbst habe mich einst eine gefühlte Ewigkeit damit herumgeschlagen – aber kaum jemand hat sie wirklich gelesen. Und von denen, die angefangen haben, kommen nur wenige ans Ende, wie die Autorin dieses Büchleins bemerkt: „Fürsorglich wendet sich der Dichter gleich im zweiten Gesang [des Paradieses] an seine Leser. Viele täten gut daran … nicht weiterzulesen. … Mancher Leser der Komödie hat sich das nicht zweimal sagen lassen.“ (S. 97)
Dieses Büchlein hier ist perfekt für all jene, die schon immer mal wissen wollten, was Die Göttliche Komödie ist, sie aber nicht lesen wollen. Oder für Schüler, die in Literaturgeschichte damit gequält werden und eine gute Zusammenfassung vor der Prüfung brauchen. Oder für Studenten, die vor einer intensiven Auseinandersetzung damit gern eine kleine Übersicht hätten. Oder für Leute wie mich, die nach vielen Jahren einfach mal ihr Wissen wieder auffrischen wollten.
Jedenfalls ist dieses Buch sehr angenehm geschrieben, verliert sich nicht in Details und bietet einen guten Überblick über das Werk selbst und das Leben des Autors sowie die Rezeptionsgeschichte. Dazu möchte ich ein kleines Detail aus dem Buch hervorheben: „Im Deutschland des 20. Jahrhunderts stellte man die wahnwitzige These auf, Dante sei kein Florentiner, sondern ein nach Italien verirrter Deutscher gewesen.“ (S. 122)
Fazit: Empfehlenswert

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Dantes Göttliche Komödie: Eine Einführung
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